Nach zwei Jahren Corona-Pause

Der Karneval ist zurück in Brasilien

Rosimeri Costa, Präsidentin von Ala das Feras, nimmt an der Probe der Sambaschule Império Serrano für den anstehenden Karnevalsumzug teil. Nach dem coronabedingten Ausfall stehen in Rio wieder die weltberühmten Umzüge im Sambodrom an.

Rosimeri Costa, Präsidentin von Ala das Feras, nimmt an der Probe der Sambaschule Império Serrano für den anstehenden Karnevalsumzug teil. Nach dem coronabedingten Ausfall stehen in Rio wieder die weltberühmten Umzüge im Sambodrom an.

„Wir werden den glücklichsten Karneval der letzten Jahre haben. Gerade durch die Pandemie und die Isolation hat vieles eine neue Bedeutung, neue Werte bekommen“, sagt Savia David (34), Königin der Sambaschule Unidos de Vila Maria, im Gespräch mit dem RND. „In einer Gemeinschaft zu sein und das Sambodromo endlich wieder betreten zu dürfen, hat für uns alle in der Sambawelt sicherlich eine neue Bedeutung bekommen.“

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Die vier Tage, die ein ganzes Land in seinen Bann ziehen, beginnen am Mittwoch: Dann bedeuten die frisch gestrichenen Straßen des Sambodromo in Rio de Janeiro oder Sao Paulo wieder alles in Brasilien. Das wohl karnevalverrückteste Land der Welt holt nach zwei Jahren Pandemiepause unmittelbar nach Ostern die vielleicht berühmteste Party der Welt nach.

Es geht dann allerdings nicht nur um Freude: Die vier Tage sind ein knallharter Wettbewerb unterteilt in erste und zweite Liga. Es geht um die Meisterschaft, um Ansehen, Ruhm und Fördermittel. „Nach dem, was wir alle durchgemacht haben, ist die Dankbarkeit groß, dass wir nach diesen zwei Jahren Pandemie wieder zurück sein werden. Ich glaube, es wird eine Explosion der Freude geben“, sagt David.

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Fast 700.000 Covid-Tote hat das Land zu beklagen, zudem ist die Armutsrate und der Hunger wie in allen lateinamerikanischen Ländern nach der Pandemie spürbar gestiegen. Das Comeback des Karnevals ist für viele Menschen in Brasilien ein Signal der Hoffnung, eines neuen Anfangs. Auch das weltbekannte Rock- und Popfestival „Rock in Rio“ wird in diesem Jahr erstmals nach der Pandemie wieder gefeiert. Das Großevent mit Weltstars wie Coldplay war in Rekordzeit ausverkauft.

In einer Sambaschule üben Trommler und Tänzer für den Karnevalsumzug von Rio de Janeiro.

In einer Sambaschule üben Trommler und Tänzer für den Karnevalsumzug von Rio de Janeiro.

Rio de Janeiro rappelt sich ganz langsam wieder auf. Karneval in Rio de Janeiro oder São Paulo ist auch eine Jobmaschine für den informellen Sektor. Für Tausende Straßenverkäufer ist die Verpflegung der weit über 150.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die allein in Rio an den vier Tagen in die Arenen strömen, ein gutes Geschäft. Und eines, das ihnen im letzten Jahr bitter fehlte. Wohl auch deshalb hat sich Rios Bürgermeister Eduardo Paes entschieden, nach Aufkommen der Omikron-Variante zu Beginn des Jahres das Festival nur zu verschieben und nicht wieder ganz abzusagen.

Kirche kritisiert Karneval im April

Anders als in Europa spielt der Ukraine-Krieg in Brasilien bei der Debatte, ob die Umzüge stattfinden können, keine Rolle. Tausende Menschen haben an den Kostümen genäht, die Wagen gebaut, Musik und Choreografien erarbeitet. Rund um die Karnevalstage gibt es Partys, Feste und Feiern, all das bedeutet: Es gibt auch wieder Arbeit. Wie fast überall in der Welt sind der Karneval und seine Umzüge eigentlich mit dem christlichen Kalender verbunden, am Aschermittwoch wissen die Narren: Es ist alles vorbei. Danach beginnt die Fastenzeit und schließlich kommt das Osterfest. Mit der Verschiebung wurde diese jahrhundertealte Tradition nun gebrochen. „Ich bin sehr religiös, das sind Bräuche und Werte, die ich habe“, sagt Königin Savia David. „Es ist schon ein Unterschied spürbar, dass der Karneval nun im April stattfindet.“

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Kritik kam vor allem von den Kirchen, die die zeitliche Nähe zum Osterfest problematisch finden. Die Gastronomie und die Hotellerie sind aber erleichtert, dass wieder gefeiert wird. Sie brauchen vor allem den innerbrasilianischen Tourismus zu Karneval, wenn die Menschen aus dem ganzen Land an die Copacabana strömen.

„Jeder ist heiß darauf, endlich wieder zu springen, zu singen, zu tanzen. Ich nehme eine andere Energie wahr. Die Menschen sind nach der Pandemie sensibler, aufgeregter, enthusiastischer und genießen jeden Moment, jede Probe, jedes Aufwärmen und jedes Gemeinschaftstreffen. Immerhin haben wir zwei Jahre ohne Karneval verbracht. Nun ist die Zeit für Wiedersehen, Feiern und Freude. Dieses Jahr ist Karneval ein Mix der Gefühle, ich freue mich riesig. Dieses Jahr wird in die Geschichte eingehen“, sagt Savia David.

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