Gedenkfeier und Schweigeminuten: Bundesweit wird in Kusel getöteten Polizisten gedacht

Polizisten stehen während einer Schweigeminute für die in Rheinland-Pfalz getöteten Polizisten auf dem Marktplatz in Lüneburg (Niedersachen) zusammen.

Polizisten stehen während einer Schweigeminute für die in Rheinland-Pfalz getöteten Polizisten auf dem Marktplatz in Lüneburg (Niedersachen) zusammen.

Kusel. An einer ökumenischen Gedenkfeier für die beiden am Montag in Rheinland-Pfalz getöteten Polizisten haben am Donnerstagabend in Kusel (Pfalz) zahlreiche Menschen teilgenommen. Während in der Stadtkirche 120 Personen Platz fanden, verfolgten nach Schätzungen des Ordnungsamtes weitere 500 die Übertragung des Gottesdienstes auf dem Marktplatz. „Wir sind nicht allein mit unseren Gefühlen“, rief der Kuseler evangelische Dekan Lars Stetzenbach den Trauernden im Gebet zu.

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Es gebe ein großes Bedürfnis in der Bevölkerung, der Trauer Ausdruck zu verleihen, sagte der Theologe. Im Gottesdienst und vor der Kirche entzündeten Teilnehmer der Gedenkfeier neue Kerzen, die den Wunsch nach Wärme und Helligkeit symbolisierten. Dennoch herrschte unter den Besuchern eine bedrückende Stille. Mit der Kollekte sollen die Angehörigen der beiden Opfer unterstützt werden. Auch solle sie den Beamten in der Kuseler Polizeiinspektion bei der Trauerbewältigung helfen.

Für Freitagvormittag um 10 Uhr wurde für Rheinland-Pfalz und das Saarland zu landesweiten Schweigeminuten aufgerufen. Bundesweit wollten sich zahlreiche Polizeibehörden dem Gedenken anzuschließen. Auch Kirchenglocken läuteten zum Gedenken.

Dreyer verurteilt hämische Kommentare

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer nahm gemeinsam mit Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Freitag an der nicht öffentlichen Trauerfeier in Kusel teil. Die SPD-Politikerin hat nach den tödlichen Schüssen auf zwei junge Polizisten hämische Kommentare im Internet scharf verurteilt. „Wir erleben im Netz gerade widerwärtige Dinge, dass diese Tat von manchen bejubelt wird“, sagte Dreyer, „das ist einfach nur menschenverachtend und schlimm“. Die Behörden würden weder Beleidigungen noch Drohungen dulden – und nicht nur löschen, sondern verfolgen und bestrafen.

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Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, spricht vor der Fritz-Wunderlich-Halle in Kusel.

Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, spricht vor der Fritz-Wunderlich-Halle in Kusel.

Innenminister Lewentz sagte, in der Nacht auf Freitag habe es im Raum Idar-Oberstein bereits einen Zugriff gegeben. „Dort hatte eine Person im Netz aufgerufen, Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte auf Feldwege zu locken und dort zu beschießen“, sagte er. Man habe die Wohnung geöffnet und die Person überwältigt. Der Staat akzeptiere solche Aufrufe nicht. „Das Verfahren läuft“, sagte Lewentz.

Mit einer Schweigeminute und teils bei Glockengeläut haben viele Polizeibeamte und Bürger am Freitag um 10 Uhr der beiden in der Westpfalz erschossenen Polizisten gedacht. Parallel mit dem Beginn einer internen Trauerfeier der Polizei im pfälzischen Kusel war am Vormittag bundesweit eine Schweigeminute geplant.

In Rheinland-Pfalz etwa hatten alle Polizeipräsidien ihre Beamten dazu aufgerufen, wie das Innenministerium mitteilte. „Auch von uns sind mehrere Dutzend in Mainz raus auf den Schillerplatz gegangen“, sagte ein Ministeriumssprecher. Vor seinen Augen hätten auch eine Straßenbahn und ein Bus mit Warnblinklicht vorübergehend stillgestanden. Ebenfalls in Mainz beteiligte sich an der Schweigeminute der Untersuchungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags zur Ahr-Flutkatastrophe im Juli 2021.

In vielen Türmen katholischer und evangelischer Kirchen etwa in der Pfalz und im Saarland sollten zugleich die Glocken läuten. „Ich habe es gerade in St. Wendel gehört“, sagte zum Beispiel eine Sprecherin der Evangelischen Kirchenkreise an der Saar. Superintendent Markus Karsch vom Kirchenkreis Saar-Ost hatte zuvor mitgeteilt: „Unsere Glocken rufen die Menschen zu Andacht und Gebet, ganz persönlich und auch in der Gemeinschaft. In den Kirchen, zu Hause, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Als Zeichen der Mitmenschlichkeit, gegen die Gewalt.“

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Anteilnahme auch in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg

Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und mehrere Dutzend Mitarbeiter haben am Freitagmorgen um 10 Uhr in einer Schweigeminute vor dem Düsseldorfer Ministerium der in Rheinland-Pfalz getöteten beiden Polizisten gedacht. Die Deutsche Polizeigewerkschaft in NRW hatte zudem alle Kolleginnen und Kollegen dazu aufgerufen, an der bundesweit einheitlichen Schweigeminute teilzunehmen.

Herbert Reul (CDU, vordere Reihe 2. v. r), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, und Mitarbeiter des Innenministeriums haben sich vor dem Gebäude versammelt, um eine Schweigeminute für die in Rheinland-Pfalz getöteten Polizisten abzuhalten.

Herbert Reul (CDU, vordere Reihe 2. v. r), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, und Mitarbeiter des Innenministeriums haben sich vor dem Gebäude versammelt, um eine Schweigeminute für die in Rheinland-Pfalz getöteten Polizisten abzuhalten.

Vor dem Düsseldorfer Innenministerium hatte man einen NRW-Schriftzug aufgebaut, hinter dem sich Reul und seine Mitarbeiter versammelten, viele von ihnen in Polizeiuniform.

Ein ähnliches Bild in Baden-Württemberg. Innenminister Thomas Strobl beteiligte sich mit Polizisten auf dem Marktplatz in Heilbronn an einer Schweigeminute. „Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind in diesen Stunden eins“, sagte der CDU-Politiker. „Wenn Polizistinnen und Polizisten, die jeden Tag mit viel Engagement für unsere Sicherheit sorgen, die sich selbst in Gefahr bringen, um uns zu schützen, angegriffen und sogar brutal ermordet werden, dann trifft uns das als Gesellschaft zutiefst. Dieser Angriff ist ein Angriff auf uns alle.“

„Es ist zutiefst verachtenswert, dass zwei junge Menschen, die noch ihr Leben vor sich hatten, durch eine solch abscheuliche Tat aus dem Leben gerissen wurden“, sagte Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz. „Wir wollen über die Ländergrenze hinweg ein deutliches Zeichen der Verbundenheit senden und gleichzeitig auch ein unmissverständliches Signal an die Öffentlichkeit: Wir werden Gewalt gegen die Polizei niemals tolerieren.“

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Strobl dankte den Polizistinnen und Polizisten im Land am Freitag zugleich in einem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, für ihren oft gefährlichen Einsatz. „Stellen auch kleine Minderheiten die Arbeit der Polizei infrage, so können Sie gewiss sein, dass die große Mehrheit der Menschen im Land hinter Ihrer Arbeit stehen, sich sicher fühlen, weil Sie da sind, und weil sie sich auf Sie verlassen können“, schrieb der Innenminister.

Zwei Polizisten – ein 29 Jahre alter Oberkommissar und seine 24 Jahre alte Kollegin, eine Polizeianwärterin – waren am frühen Montagmorgen nur wenige Kilometer vom Ort Kusel in der Pfalz entfernt bei einer Verkehrskontrolle erschossen worden. Unter dringendem Tatverdacht stehen zwei 32 und 38 Jahre alte Männer, die noch am selben Tag festgenommen wurden und nun in Untersuchungshaft sitzen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die beiden Verdächtigen mit den Morden Jagdwilderei verdecken wollten. Nach bisherigen Erkenntnissen hatten die Streifenbeamten bei der Kontrolle des Kastenwagens an einer Kreisstraße zahlreiche tote Wildtiere entdeckt.

RND/epd/dpa

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