Gladbeck: Journalist Udo Röbel blickt selbstkritisch auf die Rolle der Medien

Geiseldrama von Gladbeck - V.r.n.l.: Express-Redakteur Udo Röbel, Geisel Silke Bischoff, Geiselnehmer Dieter Degowski und Geisel Ines Voitle (alle GER) auf dem Rücksitz eines Autos während der Flucht der Bankräuber Gladbeck Geiseldrama Röbel Sonntag

Geiseldrama von Gladbeck - V.r.n.l.: Express-Redakteur Udo Röbel, Geisel Silke Bischoff, Geiselnehmer Dieter Degowski und Geisel Ines Voitle (alle GER) auf dem Rücksitz eines Autos während der Flucht der Bankräuber Gladbeck Geiseldrama Röbel Sonntag

Berlin. Der Journalist Udo Röbel sieht 30 Jahre nach dem Gladbecker Geiseldrama ein schweres Fehlverhalten von ihm selbst und den beteiligten Medien in dem Fall. „Uns Journalisten wurde später zu Recht vorgeworfen, dass wir die Gangster regelrecht hofiert hätten. Für die Geiseln muss es furchtbar gewesen sein, das mit anzuhören. Das war ja alles bizarr“, sagte Röbel dem RedaktionsNetzwerk Deutschland in einem Interview, das ab Donnerstag, 16.8., als Teil einer großen Digitalreportage auf den Websites der Partner des RND erscheint.

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Mit seiner eigenen Rolle habe er erst nach Jahren Frieden finden können. „In Phase eins war ich ein wenig bockig. Ich konnte zunächst nicht begreifen, warum man so über mich herfiel. Ich hatte doch alles versucht, um den Geiseln zu helfen, so war meine Empfindung“, sagte Röbel. Der heute 68-Jährige erklärte, er sei im Verlauf der Jahre durch einen „Läuterungsprozess“ gegangen. Nach einer Weile habe er begonnen, einzusehen, „dass die Kritik an uns Journalisten berechtigt war. Gleichzeitig nagten an mir Selbstzweifel, ob da vielleicht wirklich nur der sensationsgierige Reporter Röbel am Werk gewesen war und ich mir das andere nur schön geredet hatte“. Vor neun Jahren habe ihm der Gladbeck-Richter Rudolf Esders dann gesagt, er, Röbel, habe damals in der Kölner Innenstadt ein Blutbad verhindert. „Seitdem bin ich mit mir versöhnt.“

Röbel: Medien würden Fehler von Gladbeck so nicht noch einmal machen

Nach Röbels Auffassung habe sich die Einstellung der klassischen Medien seit Gladbeck grundlegend verändert. „Es waren damals medial andere Zeiten. Den Begriff „Political Correctness“ kannten wir gar nicht.“ Wenn einer wegen Mordes verhaftet worden sei, habe man ihn Mörder und nicht mutmaßlichen Mörder genannt. „Es war rauer. So nah dran zu sein am Geschehen wie möglich, war für uns Normalität“, sagte Röbel dem RND. Seine Kollegen und er seien journalistisch ganz anders sozialisiert worden, so habe man etwa die Verhaftung des nahezu unbekleideten RAF-Terroristen Holger Meins selbstverständlich live im Fernsehen gezeigt. „Heute hätte bei Twitter wahrscheinlich sofort ein Shitstorm eingesetzt, weil die Medien die Intimsphäre von Meins verletzt haben“, sagte Röbel. „Aber die sozialen Medien in ihrer vielfältigen Wirkung, die auch ein Korrektiv sein können, gab es damals noch nicht. Also haben die Reporter der Achtzigerjahre ihre Arbeit kaum hinterfragen müssen. Das ist heute anders. Die Beobachtung ist viel größer geworden.“

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Röbel glaubt, dass die Medien die Fehler von Gladbeck so nicht noch einmal machen würden. „Die klassischen Medien haben viel gelernt nach Gladbeck“, sagte Röbel dem RND. „Und dennoch ist man heute näher und ungefilterter dran als damals. Es ist kurios und tragisch. Wir sollten deshalb darüber reden, dass sich auch die neuen Medien mit ethischen Fragen auseinandersetzen und sich Richtlinien für die eigene Arbeit setzen. Das ist bisher noch nicht geschehen.“ Udo Röbel arbeitet seit 2014 als Autor für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Großes Online-Special zur Geiselname von Gladbeck

Das Interview mit Udo Röbel ist Teil einer sechsteiligen Echtzeit-Digitalreportage, die ab Donnerstagmorgen, 16.8. um 7.15 Uhr auf den Websites der Partner des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) und unter www.gladbeck.rnd.de veröffentlicht wird.

Von RND

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