Nach Missbrauchsgutachten: Immer mehr Katholiken kehren ihrer Kirche den Rücken

Viele verärgerte Katholiken kehren ihrer Kirche den Rücken - Osnabrück: Blick auf Türme vom Osnabrücker Dom. Der spätromanische römisch-katholische Dom St. Peter ist die Kathedrale des Bistums Osnabrück.

Viele verärgerte Katholiken kehren ihrer Kirche den Rücken - Osnabrück: Blick auf Türme vom Osnabrücker Dom. Der spätromanische römisch-katholische Dom St. Peter ist die Kathedrale des Bistums Osnabrück.

Osnabrück/Hildesheim/Bremen. Die Veröffentlichung einer Studie zur sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München und Freising hat auch viele Katholiken in Niedersachsen und Bremen wütend gemacht. Bei den Kirchenverwaltungen gehen verstärkt kritische Reaktionen ein, die bis zum Kirchenaustritt reichen. „Es gab in den vergangenen Tagen verärgerte Reaktionen, Enttäuschungen, manchmal auch Fassungslosigkeit“, sagte der Sprecher des Bistums Hildesheim, Volker Bauerfeld.

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Die katholische Kirche betreibt in Bremen in der Altstadt die Atriumkirche. Dort können auch Austritte aus der Kirche erfolgen. „Wir merken seit einigen Tagen sehr deutlich, dass die Nachfrage nach Kirchenaustritten zugenommen hat, auch explizit bezogen auf das Gutachten in München“, sagte der Leiter der Einrichtung, Martin Bruns.

Austritte aus dem Kernbereich der Kirche

Inzwischen seien es nicht mehr nur Menschen, die aus finanziellen Gründen die Kirche verlassen wollten, weil sie zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit die Kirchensteuern sparen wollten, oder Menschen, die keine Bindung mehr zur Kirche hätten, sagte Bruns: „Wir beobachten deutlich, auch schon seit dem vergangenen Jahr, dass es Menschen sind, die aus dem Kernbereich der Kirche kommen, Menschen, die aktiv mitmachen und etwa im Chor singen.

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Im Offizialat Vechta, dem niedersächsischen Teil des Bistums Münster, seien bislang kaum Reaktionen auf das Münchner Gutachten eingegangen, sagte Offizialats-Sprecher Christian Gerdes. Ob sich die Austritte nun mehrten, bekomme die Kirche erst mit Verzögerung mit. Austritte würden in Niedersachsen von den Standesämtern bearbeitet, sagte er.

Hingegen habe die katholische Kirche in Osnabrück in den vergangenen Tagen Rückmeldungen von einigen Gläubigen bekommen, sagte Daniela Engelhard, Leiterin des „Forums am Dom“, einer zentralen Anlaufstelle der Kirche in der Altstadt. Die Menschen meldeten sich per Mail - aus einigen Mails seien auch schon Gespräche mit den Absenderinnen und Absendern entstanden.

Gutachten bringt Fass zum Überlaufen

„Manche schreiben auch nur kurz, dass es für sie jetzt reicht, dass das Fass zum Überlaufen gebracht wurde durch das Münchner Gutachten“, sagte Engelhard. Diese überlegten nun sehr ernsthaft, aus der Kirche auszutreten. Andere äußerten ihre Kritik und Enttäuschung, weil für sie die Kirche immer eine Instanz der Moral gewesen sei, die Werte hochhalte. Zum Teil komme eine Spur Wut zum Ausdruck. Es gebe aber auch Zuschriften, in denen sich die Menschen Gedanken über eine Zukunft der Kirche machten - wie könnte eine andere Kirche aussehen?

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Auch in Osnabrück seien es zunehmend Menschen, die bislang zu den engagierten Kirchenmitgliedern gehörten, die nun über einen Austritt nachdächten, sagte Engelhard: „Es sind viele Menschen sehr enttäuscht und fragen sich, nachdem sie sich über Jahrzehnte engagiert haben in der Kirche, in der Katechese, in Frauengruppen, in der Familienarbeit, was sie noch hält in der Kirche“.

Viele Fragen werden derzeit in der katholischen Kirche in Deutschland beim Synodalen Weg erörtert, wo Laien und der Klerus über Themen wie den Umgang mit Sexualität, den Umgang mit Macht in der Kirche oder die Rolle der Frauen diskutieren.

Auch die Aufarbeitung der sexuellen Gewalt in der Kirche gehe weiter, sagte Bauerfeld. Es solle unter jeden Stein geschaut und Licht ins Dunkle gebracht werden. Das Bistum Hildesheim habe gemeinsam mit dem Erzbistum Hamburg und dem Bistum Osnabrück eine gemeinsame Aufarbeitungskommission installiert, die mehrheitlich mit nicht kirchlichen Fachleuten und Betroffenen besetzt sei.

RND/dpa

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