Proteste bei der Kieler Windjammerparade

Das Führungsschiff „Thor Heyerdahl“ (rechts) startet in Kiel zur Windjammerparade im Rahmen der Kieler Woche.

Das Führungsschiff „Thor Heyerdahl“ (rechts) startet in Kiel zur Windjammerparade im Rahmen der Kieler Woche.

Kiel. Am Morgen der Windjammerparade kräuselt sich das Wasser der Kieler Förde im Regen. Was an Land für Unmut sorgen würde, hat die Besatzung des Dreimasttopsegelschoners „Thor Heyerdahl“, der die Parade der Großsegler anführt, schnell als „bestes Segelwetter“ identifiziert. Die Windjammerparade, bei der jährlich rund hundert traditionelle Großsegler im Verbund zum Marinedenkmal in Laboe fahren, ist ein Höhepunkt der Kieler Woche.

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Alles wie immer - dieser Eindruck drängt sich auf, als die „Thor Heyerdahl“ den Anker lichtet und die Führung übernimmt. Doch als die ersten 20 Schiffe ihre Wartepositionen am Ostufer der Kieler Förde verlassen haben, bietet sich den Tausenden Zuschauern an der Uferpromenade ein ungewohntes Bild: Als hätten sie ihren Einsatz verpasst, halten die Besatzungen der „Nachhut“ – rund 75 Schiffe – still. Und in der Parade, in der sich die Windjammer sonst wie Perlen einer Kette aneinanderreihen, tut sich eine weithin sichtbare Lücke auf. Von Deck der „Thor Heyerdahl“ sind die Segel der nachfolgenden Schiffe durch den Nieselregen bald nur noch als Bildpunkte in der Ferne auszumachen.

Traditionsschiffen droht die Stilllegung

Hinter der Aktion steckt eine Art Meuterei. Die Aktion solle ein Zeichen setzen gegen eine vom Bundesverkehrsministerium geplante Sicherheitsverordnung für Traditionsschiffe, erklärt der Vorsitzende des Betreibervereins „Thor Heyerdahl“, Michael Saitner. „Die Aktion soll zeigen, dass in Zukunft sehr viele Schiffe fehlen werden, wenn die Verordnung in Kraft tritt.“

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Sie sieht schärfere Sicherheits- und höhere Ausbildungsanforderungen an die Besatzung historischer Schiffe vor. Betroffen seien alle etwa 110 Traditionsschiffe in Norddeutschland, sagen Experten. Ihnen drohe die Stilllegung. Aus Sicht des Ministeriums unter Alexander Dobrindt (CSU) soll die Verordnung vor allem die Sicherheit von Passagieren erhöhen. Ein Ombudsmann soll zwischen den Traditionsschiffern und dem Ministerium vermitteln, um im Zweifel Einzellösungen für Schiffe zu finden. An der Sorge der Schiffer ändert das nichts.

Geplante Sicherheitsverordnung sorgt für Ärger

„Wir arbeiten längst auf einem hohen Sicherheits- und Ausbildungsniveau“, sagt Saitner. „Unsere Besatzung umfasst rund 400 Menschen.“ Schon jetzt seien die Ehrenämtler bis zu zehn Tage im Jahr mit Fort- und Weiterbildungen beschäftigt. „Mit der Sicherheitsverordnung kämen 20 weitere hinzu. Ich kann unseren Leuten nicht vermitteln, dass sie ihren ganzen Jahresurlaub dafür einplanen müssen.“

Nach der neuen Verordnung würden Spezialkurse fällig: „Da sprechen wir von Kurskosten von mehreren tausend Euro pro Nase. Selbst wenn wir dafür Gelder bekämen, kriegen wir natürlich den Kaltaufwand niemals hin.“ Doch auch ohne dass die neue Verordnung bereits in Kraft ist, fehlen bei der Windjammerparade in diesem Jahr viele Großsegler.

Kieler Oberbürgermeister unterstützt Protest

Zum ersten Mal fiel das laut Veranstaltern größte Segelevent der Welt in diesem Jahr mit der Regatta „Sail den Helder“ zusammen – Schiffe wie die „Sedov“ und die „Kruzenstern“ entschieden sich, in den Niederlanden zu starten. „Sowas kann natürlich immer passieren, zumal die Großsegler in Den Helder auch Antrittsgelder bekommen. Die viel größere Bedrohung ist die Verordnung von Herrn Dobrindt“, sagt der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), der den Protest der Traditionsschiffer unterstützt.

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Eine Kieler Woche ohne Windjammerparade kann er sich trotz allem nicht vorstellen. „Im nächsten Jahr haben wir hoffentlich wieder die Gorch Fock dabei, möglicherweise sogar ihr Schwesterschiff. Aber im Moment überwiegen doch bei vielen Traditionsschiffern die Sorgenfalten.“

Von RND/dpa

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