Schon mehr als 100 Corona-Infizierte nach Gottesdienst in Frankfurt – Tendenz steigend

Mehrere Mitglieder der Baptisten-Gemeinde haben sich nach einem Gottesdienst mit dem Coronavirus infiziert.

Mehrere Mitglieder der Baptisten-Gemeinde haben sich nach einem Gottesdienst mit dem Coronavirus infiziert.

Frankfurt. Nach einem Gottesdienst in einer Kirchengemeinde der Baptisten in Frankfurt haben sich mindestens 107 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das teilte Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Sonntag in Wiesbaden mit. Die Menschen lebten in Frankfurt und drei hessischen Landkreisen. Der Gottesdienst war bereits vor rund zwei Wochen. Zunächst war am Samstag von mehr als 40 Infizierten die Rede gewesen, am Sonntagvormittag von über 80.

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Die genaue Zahl aller nach dem Gottesdienst Infizierten war am Sonntag noch unklar. Die anderen Gesundheitsämter seien dem Frankfurter nicht berichtspflichtig, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Frankfurt, René Gottschalk zur Begründung. Er könne nur für Frankfurt sprechen. Das Gesundheitsministerium in Wiesbaden war am Wochenende für eine Einschätzung nicht zu erreichen.

“Wir haben das gut im Griff”

Die meisten hätten sich nicht bei sondern nach dem Gottesdienst zu Hause angesteckt, sagte Gottschalk. "Die weitaus meisten sind nicht sonderlich krank. Nach unserem Kenntnisstand ist auch nur eine Person in einem Krankenhaus." Die Einzelfälle würden nachverfolgt. "Wir haben das gut im Griff." Wie es den 16 Infizierten in Hanau gehe, wisse er nicht, sagte Daniel Freimuth vom Krisenstab der Stadt am Sonntag. Der Oberbürgermeister habe noch keine Informationen vom zuständigen Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreis bekommen.

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Im Wetteraukreis wurden im Zusammenhang mit den 26 Infizierten 76 Menschen in Quarantäne geschickt, wie der Kreis am Sonntag mitteilte. Ein positiv getestetes Kind habe einen städtischen Kindergarten in Karben-Petterweil besucht. Alle anderen Kinder in der Notbetreuung und die Erzieherin seien nach Tests jedoch ohne Befund. "Niemand hat sich bei dem Kind angesteckt, das sich jetzt, wie seine Eltern, in häuslicher Absonderung befindet."

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende der Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten, Wladimir Pritzkau, hatte am Samstag gesagt, es befänden sich sechs Betroffene in Krankenhäusern. Die anderen seien Zuhause. "Wir haben alle Versammlungen abgebrochen. Gottesdienste gibt es jetzt nur noch online", sagte der 64-Jährige. "Bei uns ist es eine schwierige Lage." Zuvor hatte die "Frankfurter Rundschau" berichtet.

Wie viele Besucher zu dem Gottesdienst am 10. Mai gekommen waren, könne er "nicht genau sagen", meinte Pritzkau. "Bei uns sind aber alle Regeln eingehalten worden." Es habe Desinfektionsmittel gegeben, der vorgeschriebene Abstand sei beachtet worden.

Fastengebet von Muslimen abgesagt

Religiöse Versammlungen sind in Hessen seit dem 1. Mai unter Auflagen wieder erlaubt. So muss in Kirchen und anderen Gotteshäusern der Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Menschen eingehalten werden, nötig sind zudem weitere Hygienemaßnahmen wie das Aufstellen von Desinfektionsspendern.

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Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt haben wegen der Infektionen ein für Sonntag geplantes Fastengebet von Muslimen im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion abgesagt. Die Veranstaltung wäre mit Blick auf die Geschehnisse in Frankfurt unverantwortlich, hieß es. Es sei derzeit auch noch nicht abzusehen, welche Folgen die Ereignisse in Frankfurt für die Region hätten. Zudem hätten der Muslimische Arbeitskreis und mehrere Moscheen für das Fastengebet geworben. Daher sei mit bis zu 1000 Teilnehmern aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet zu rechnen gewesen. Ein Gebet mit maximal 100 Gläubigen in einer Hanauer Moschee sei aber für Montag erlaubt worden, sagte Freimuth.

Über die Zahl der Gemeindemitglieder insgesamt wollte Pritzkau keine Angaben machen. Die meisten kämen aus dem Raum Frankfurt. In der Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten finden die Gottesdienste laut Homepage in deutscher und russischer Sprache statt. Ihr Sitz ist im Stadtteil Rödelheim im Westen von Frankfurt.

RND/dpa

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