Gerichtsprozess startet am Mittwoch

Der Fall des Alfons Schuhbeck – droht ihm jetzt das Hoeneß-Schicksal?

Starkoch Alfons Schuhbeck

Starkoch Alfons Schuhbeck

München. Vielleicht hätte er in Waging am See bleiben und die Sache mit München bis auf den einen oder anderen Ausflug sein lassen sollen. Vielleicht hätte der bayerische Starkoch Alfons Schuhbeck heute weitaus weniger Probleme und wäre in glücklicherer Verfassung, würde er noch das damals hoch geschätzte Kurhausstüberl im Chiemgau betreiben. Da war er ein nicht mehr sehr geheimer Geheimtipp auf dem Land, den Promis und die kulinarischen Eliten von München und Salzburg gern besuchten. 2002 sperrte Alfons Schuhbeck aber das Kurhausstüberl zu und zog nach München ans Platzl, weltbekannt durch das ebenfalls dort gelegene Hofbräuhaus.

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Nun hat der 73-Jährige gerade eine Insolvenz hinter und einen Steuerstrafprozess vor sich. Die Staatsanwaltschaft wirft Schuhbeck laut Berichten vor, in seinen Platzl-Restaurants Orlando und Südtiroler Stuben 2,4 Millionen Euro an Einkommens-, Umsatz- und Gewerbesteuern hinterzogen zu haben. Das Münchner Landgericht hat die Anklage zugelassen, im Herbst beginnt der Prozess, 18 Verhandlungstage sind bis zum 22. Dezember angesetzt. Laut Mitteilung führt das Gericht das Verfahren unter dem Namen „Ingwer“, dem Lieblingsgewürz des Kochs.

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Schon jetzt wird spekuliert, ob Schuhbeck bei einer Verurteilung mit einer Bewährungsstrafe davon kommt oder tatsächlich ins Gefängnis muss. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung. Vor acht Jahren hatte in München der letzte große Steuerprozess gegen einen Prominenten stattgefunden, den damaligen FC-Bayern-Boss Uli Hoeneß. Dieser war von Anfang an geständig, wanderte aber dennoch ins Gefängnis, das er aber schon lange wieder verlassen hat.

Über Kindheit und Jugend des in Traunstein als Alfons Karg geborenen späteren Kochs weiß man nichts. Er hatte eine Lehre als Fernmeldetechniker begonnen, als er mit seiner Rockband „The Scalas“ im Kurhausstüberl auftrat. Der dortige Wirt Sebastian Schuhbeck brachte ihn dazu, auf Koch umzusteigen. Es wurde offenbar eine vertrauensvolle Beziehung, der Restaurantbetreiber adoptierte ihn als Sohn, fortan hieß er Alfons Schuhbeck. Nach Ausbildung und Jahren der Wanderschaft zu verschiedenen europäischen Gourmetlokalen übernahm er 1980 das Stüberl am See.

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Durch seine Auftritte in den Kochshows von Johannes B. Kerner und später Markus Lanz wurde „der Alfons“ einem breiten TV-Publikum bekannt. Probierte er gelungene Gerichte seiner Kolleginnen und Kollegen, so lautete sein Urteil in aller Regel in sonorem Bayerisch: „sauguad“. Sah er noch Verbesserungsbedarf, dann scheute er nicht davor zurück, zu Löffel und Rührbesen, Sahne und Ingwer zu greifen, um die Speisen in seinem Stil aufzupeppen.

Ein Markenimperium rund ums Kochen

Über die Jahre wurde der Mann mit dem bleichen Gesicht und den rötlich-blonden Haaren omnipräsent. Er war und ist Dauergast in vielen Fernsehsendungen und wurde zum Koch des FC Bayern bei dessen Auslandsspielen. Am Platzl in München eröffnete er einen Laden nach dem anderen. Neben den Restaurants gibt es dort auch den Schuhbeck-Eissalon und ein Geschäft mit Schuhbeck-Gewürzen, die er für die Basis des guten Kochens ansieht. So wird er auch als „Gewürz-Papst“ tituliert. Auf seiner Homepage bietet er mehr als 150 verschiedene Gewürzmischungen an. Schuhbeck-Essen in Verbindung mit einer Varieté-Show bietet er im „Teatro“ bei der Messe Riem.

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Alfons Schuhbeck ist vielen Deutschen aus dem Fernsehen bekannt.

Alfons Schuhbeck ist vielen Deutschen aus dem Fernsehen bekannt.

Auf eine kaum zu überblickende Zahl von Produkten prangt Alfons Schuhbeck seinen Namen und sein Konterfei: Fertiggerichte und Weißwürste, Müsli und Eierlikör. Sein Unternehmen bietet Kochkurse, 330 Euro für einen Tag, er hat unzählige Bücher verfasst. Schuhbeck-Läden gibt es mittlerweile auch in Regensburg und im Wallfahrtsort Altötting.

Für eine gewisse Heiterkeit sorgen etwa „Schuhbecks Nudelwasser-Gewürzsalz“ oder sein „Sexgewürz“. Letzteres hielt einer Klage von Wettbewerbshütern stand. Das Gewürz hat zwar keine aphrodisierende Wirkung, darf aber dennoch so bezeichnet werden. Schuhbeck selbst sieht die Bezeichnung als Markengag und schreibt dem Produkt ein „sinnlich-warmes, mild orientalisches Aroma“ zu. Kaum einer hat sich selbst so zur Marke gemacht wie Alfons Schuhbeck, der sich für vieles nicht zu schade war und ist.

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Da wunderte es doch, als er im Sommer 2021 mit seinem verzweigten Unternehmen Insolvenz anmeldete. Die Corona-Hilfen seien ausgeblieben, klagte er, doch habe er seine 120 Beschäftigten halten wollen. Dies wird als alleiniger Grund für die massive Überschuldung als nicht sonderlich stichhaltig angesehen. 14 Millionen Euro schuldete er laut Berichten seinen Gläubigern, auf fünf Millionen wird sein Besitz geschätzt.

Wahrscheinlicher dürfte sein, dass er bei seinen unzähligen Aktivitäten völlig den Durchblick darüber verloren hatte, was davon rentabel läuft und was nicht.

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Immerhin: Schnell fand sich eine nicht bekannte Investorengruppe, die bei ihm einstieg. Das Orlando-Restaurant wurde geschlossen, die Zahl der Mitarbeiter auf 90 reduziert. Aber Alfons Schuhbecks weiterer Einsatz ist ausdrücklich erwünscht, die Marke hat offenkundig an Wert behalten. Der nächste größere Auftritt ist nun aber im Münchner Justizzentrum, der Steuerprozess beginnt am 5. Oktober um neun Uhr.

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