Streit um Werbefoto mit Frauen in Minikleidern

Mitte Januar postete die Publizistin Inge Bell das Foto auf ihrer Facebookseite und kritisierte das Bild als sexistisch. Damit löste sie eine Debatte aus.

Mitte Januar postete die Publizistin Inge Bell das Foto auf ihrer Facebookseite und kritisierte das Bild als sexistisch. Damit löste sie eine Debatte aus.

Berlin. "Nicht zu fassen", schrieb die Frauenrechtlerin und Publizistin Inge Bell Mitte Januar auf ihrer Facebookseite. Dazu veröffentlichte sie das Foto, mit dem eine Berliner Versicherungsagentur für sich warb: Der Chef steht im blauen Anzug vorne, seine acht Mitarbeiterinnen haben sich in einer Reihe hinter ihm aufgestellt – sie tragen Schuhe mit hohen Absätzen und schwarze, kniefreie Kleider.

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Mitarbeiterinnen fühlen sich von Bell beleidigt

Mit dem Bild hatte sich die Versicherungsagentur in den sozialen Medien und in Werbeanzeigen präsentiert. Bell fühlte sich dadurch an Werbung aus dem Rotlicht-Milieu erinnert – und das schrieb sie auch auf Facebook. Dagegen wehrten sich dann die Mitarbeiterinnen: Sie fühlten sich von der Frauenrechtlerin beleidigt und schalteten einen Anwalt ein, wie sie der "Bild"-Zeitung erzählten. "Ich fühlte mich angegriffen, war wütend und verletzt", sagte eine der Frauen der Zeitung.

Vor dem Münchener Landgericht erwirkten die Mitarbeiterinnen eine einstweilige Verfügung gegen die Frauenrechtlerin: Bell darf das Foto mit diesem oder ähnlichen Kommentaren nicht mehr verbreiten. Mit ihren Posts stelle Bell die Frauen „zweifelsfrei Prostituierten gleich“, hatten die Mitarbeiterinnen in ihrem Antragsschreiben erklärt.

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Sie hielten Bell deren eigenen Kleidungsstil vor, wie der Bayerische Rundfunk berichtete: "Die Kommentare der Antragsgegnerin sind nicht zuletzt deshalb absurd, da es im Netz von der Antragsgegnerin selbst diverse Fotos in schwarzen halblangen Kleidern und hohen Schuhen von beruflichen Veranstaltungen gibt." Bell messe mit zweierlei Maß.

Außerdem hätten sich die Mitarbeiterinnen "freiwillig und im Übrigen auch gerne in schwarzen Kleidern und mit High Heels gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber auf einem Teamfoto ablichten lassen", schrieben die Frauen, wie "Spiegel Online" schrieb.

Versicherungsagentur ändert das Foto

Es sei niemals ihre Absicht gewesen, die Frauen persönlich zu beleidigen, sagte Bell. Das Foto sei sexistisch, weil es die Frauen zu „Deko“ herabwürdige. In der Diskussion um das Bild habe es auch von Männern zahlreiche anzügliche Kommentare auf Facebook gegeben.

Weder die betroffenen Mitarbeiterinnen noch die Versicherung wollten sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa dazu äußern. Erstaunlich ist: Obwohl die Agentur und ihre Mitarbeiterinnen das Foto vehement verteidigt haben, wurde es inzwischen ausgetauscht – durch ein neues Bild: Darauf stehen Chef und Kolleginnen nebeneinander, die Damen tragen Blazer, Hosen und knielange Röcke.

Trotzdem ist der Fall für Bell noch nicht beendet. Auf ihrer Facebookseite diskutiert sie weiterhin mit anderen Frauen und Männern über das Foto. Sie bekommt Zuspruch, wird aber auch kritisiert – und auch beleidigt, wie sie berichtet. Außerdem kündigte sie an, das Bild ohne den Firmennamen nächste Woche mehreren Frauen und Männern vorzulegen – „da werde ich mal fragen, was die Herren und Damen so mit dem Bild assoziieren“.

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Von dpa/RND/wer

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