50 Flüchtlingskinder – eine Zahl, die beschämt

Momentaufnahme aus dem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.

Momentaufnahme aus dem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.

“Der Berg kreißte und gebar eine Maus”, schrieb einst der Dichter Horaz vor Beginn der Zeitrechnung, die wir die christliche nennen. Auf die Nachricht, dass 82 Millionen Deutsche jetzt 50 unbegleitete Flüchtlingskinder aus Griechenland aufnehmen werden, passt das geflügelte Wort wie die Faust aufs Auge. Denn es handelt sich nicht etwa um einen humanitären Akt, sondern um eine humanitäre Selbstverständlichkeit, die noch dazu völlig unzureichend ist und viel zu spät kommt.

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Gewiss lässt sich angesichts der neuesten Nachrichten auch das eine oder andere Positive sagen. Dazu zählt, dass sich nach Angaben vom Mittwoch immerhin zehn EU-Länder prinzipiell bereit erklärt haben, Kinder aus Griechenland zu beherbergen. Dazu zählt ebenso, dass Innenminister Horst Seehofer (CSU) trotz aller Unzulänglichkeiten weiter bemüht ist, in der Flüchtlingspolitik eine konstruktive Rolle zu spielen, nachdem er lange Zeit rhetorisch eskaliert und auf Abschreckung gesetzt hat. Positiv erwähnt sei schließlich die Bereitschaft Niedersachsens, die 50 Kinder zunächst in Quarantäne zu nehmen, bevor sie auf die 16 Bundesländer verteilt werden – während Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) allen Ernstes kund tat, dass man ein (!) Flüchtlingskind problemlos aufnehmen könne, viel mehr aber auch nicht.

17 EU-Länder reagieren eiskalt

Damit wären wir denn auch schon bei den negativen Aspekten, die leider überwiegen. Denn tatsächlich sind von den zehn EU-Staaten, die ihre Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingskindern erklärt haben, bisher bloß zwei willens, ihren Worten Taten folgen zu lassen – Deutschland und Luxemburg. 17 EU-Staaten finden sich nicht einmal zu guten Worten bereit, sondern zeigen sich eiskalt.

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Ohnehin ist ja längst Konsens, was in Wahrheit getan werden müsste. Zunächst müssten alle besonders verletzlichen Menschen aus den Lagern herausgeholt werden, also neben Kindern auch Alte und Kranke – und das so rasch wie möglich. Dabei wird es, was die Kinder angeht, nicht ohne Aufnahme dazugehöriger Bezugspersonen beziehungsweise einen eingeschränkten Familiennachzug gehen.

Menschenwürde im Dreck

In einem zweiten Schritt müssten die Lager ganz aufgelöst werden. Wer die Zustände dort schon einmal in der “Tagesschau” gesehen hat, und das reicht in diesem Fall aus, der kann zu keinem anderen Ergebnis kommen. Die Betroffenen vegetieren dort in ihrem eigenen Müll. Artikel eins des Grundgesetzes – “Die Würde des MENSCHEN ist unantastbar” – liegt auf Lesbos im Dreck.

Auf die einschlägigen Relationen wird im Übrigen schon seit Tagen verwiesen. Die Bundesregierung hat mittlerweile – coronabedingt – 200.000 Deutsche heimgeholt. Sie gestattet die Einreise von 40.000 Erntehelfern. Im Lichte dessen kann auf die geplante Einreise von vorerst 50 Kindern aus dem Elend niemand stolz sein. Eher sollte uns die Zahl mit Scham erfüllen.

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