Union gespalten

Abstimmung beim CDU-Parteitag: AWO lehnt Pflichtjahr klar ab

Der CDU-Parteitag will an diesem Samstag über einen Antrag mit einer freiwilligen und einer verpflichtenden Variante eines „Gesellschaftsjahrs“ abstimmen.

Der CDU-Parteitag will an diesem Samstag über einen Antrag mit einer freiwilligen und einer verpflichtenden Variante eines „Gesellschaftsjahrs“ abstimmen.

Vor der Entscheidung des CDU-Parteitags über die Aufnahme eines sozialen Pflichtjahres ins Grundsatz­programm der Union hat die Arbeiter­wohlfahrt (AWO) vor einem solchen Modell gewarnt. „Wir stehen für ein selbst­bestimmtes freiwilliges Engagement. Dafür bieten die Freiwilligen­dienste FSJ und BFD einen ausgezeichneten Rahmen“, sagte die AWO-Bundesvorsitzende Brigitte Döcker dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Die AWO lehne eine Dienstpflicht klar ab und setze stattdessen auf Freiwilligkeit – junge Menschen seien auch ohne Pflicht engagiert, so Döcker: „Die Shell-Jugendstudien und die Freiwilligen­surveys zeigen, dass junge Menschen zu den hochengagierten Gruppen der Bevölkerung gehören.“

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Die Arbeiter­wohlfahrt ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrts­pflege in Deutschland und betreibt vor allem Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und Senioren sowie Kindergärten, Ganztags­schulen und psychiatrische und forensische Kliniken. Der CDU-Parteitag will an diesem Samstag über einen Antrag mit einer freiwilligen und einer verpflichtenden Variante eines „Gesellschaftsjahrs“ abstimmen.

Mehr Wertschätzung statt Pflicht

Aus Sicht der AWO sollten auf andere Weise Anreize gesetzt werden. So müsste es mehr Wertschätzung und Anerkennung für junge Menschen geben, die einen Freiwilligendienst leisten, sagte Döcker dem RND. „Das ist aus Sicht der AWO auch der richtige Weg, Menschen für soziale Berufsfelder zu interessieren und dem Fachkräfteproblem in sozialen Berufen nachhaltig entgegenzutreten.“

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In einer repräsentativen Umfrage des Meinungs­forschungs­instituts Insa hatten sich 65 Prozent der Befragten eher für ein verpflichtendes Gesellschafts­jahr ausgesprochen, wie die „Bild“-Zeitung berichtete. 21 Prozent waren eher dagegen, und 14 Prozent machten keine Angaben oder antworteten mit „Weiß nicht“. Die Zustimmung für eine Pflicht ist unter der älteren Bevölkerung besonders hoch, bei den Befragten ab 70 Jahren lag sie bei 81 Prozent. Bei den Befragten zwischen 18 und 29 Jahren lag sie dagegen bei 49 Prozent.

dpatopbilder - 04.09.2022, Berlin: Friedrich Merz, CDU-Bundesvorsitzender und Unions-Fraktionsvorsitzender, lächelt, als er beim Sommerinterview des ARD-«Berichts aus Berlin» auf der Terrasse des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses spricht. Foto: Christoph Soeder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Gesellschaftsjahr: CDU ist gespalten

Die CDU ist bei dem Gesellschaftsjahr gespalten: CDU-Chef Friedrich Merz hat sich für die freiwillige Variante ausgesprochen, sein Vize Carsten Linnemann dagegen will beim Parteitag für die verpflichtende Version stimmen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sprach sich gegen eine Pflicht aus: „Junge Menschen haben in der Pandemie den höchsten Preis gezahlt“, sagte er dem RND. Ein freiwilliges Gesellschaftsjahr könne allerdings jungen Menschen „neue Perspektiven“ aufzeigen. „Ich plädiere für den Weg der besseren Anreize“, sagte Wüst.

Auch die Junge Union hat sich gegen eine Pflicht ausgesprochen. Die Debatte um die sogenannte Dienstpflicht war im Juni von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) angestoßen worden. Er argumentierte, dass ein sozialer Pflichtdienst die Gemeinschaft stärken könnte.

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