Krieg im Osten Europas

Angriff auf die Ukraine: Sipri hält Atomkrieg für unwahrscheinlich

Nach der Explosion einer französischen Atombombe im Jahr 1971 schwebt dieser riesige Atompilz über dem Mururoa-Atoll (Archivbild).

Nach der Explosion einer französischen Atombombe im Jahr 1971 schwebt dieser riesige Atompilz über dem Mururoa-Atoll (Archivbild).

Stockholm. Trotz der Verweise von Kremlchef Wladimir Putin auf sein Atomarsenal rechnet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri nicht damit, dass der Ukraine-Krieg zum Einsatz von nuklearen Waffen führen wird.

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„Ich glaube nicht, dass ein Atomkrieg eine wahrscheinliche Folge dieser Krise ist“, sagte Sipri-Direktor Dan Smith der Deutschen Presse-Agentur in Skandinavien. „Wenn Atomwaffen existieren, dann gibt es aber leider natürlich immer diese kleine Möglichkeit. Und das wäre katastrophal.“

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Der russische Präsident Putin hatte in einer Fernsehansprache am Donnerstagmorgen einen Auslandseinsatz seines Militärs in den ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk offiziell angeordnet. In der Rede hatte er unter anderem darauf verwiesen, Russland sei heute eine „der mächtigsten Nuklearmächte der Welt“.

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Nach dem jüngsten Sipri-Jahresbericht aus dem vergangenen Juni verfügte Russland Anfang 2021 über 6.255 der 13.080 Atomwaffen, die die neun Atommächte der Erde schätzungsweise in ihrem Besitz haben. Die USA kamen zu dem Zeitpunkt auf 5.550 solcher Sprengkörper.

Smith wies auf das oft genannte Argument hin, Atomwaffen trügen zur internationalen Stabilität bei. „Leute, die so argumentieren, sollten sich die Instabilität ansehen, die wir im Moment erleben“, sagte er. „Nein, Atomwaffen tragen nicht zur Stabilität bei. Sie tragen zu gegenseitigem Misstrauen, Feindseligkeit und Unsicherheit bei.“

Viele Spitzenpolitikerinnen und -politiker hatten Russlands Einmarsch in die Ukraine als dunklen Moment in der europäischen Geschichte bezeichnet. Geschichtlich betrachtet habe es seit dem Koreakrieg Anfang der 50er Jahre keine gefährlichere Situation gegeben, sagte Smith. Auch in der Kubakrise habe es eine Konfrontation militärischer Kräfte gegeben - jetzt werde aber tatsächlich Krieg geführt. Damals seien die diplomatischen Züge relativ leicht vorhersehbar gewesen - dies sei nun nicht so. „Es ist nicht einfach, zu erkennen, wie die diplomatische Lösung dieser Krise aussehen wird.“

Zu Putins Beweggründen für sein Vorgehen in der Ukraine sagte Smith, Russlands Sicherheitskonzept basiere darauf, über gewisse Macht und Einfluss in den Gebieten außerhalb der eigenen Grenzen zu verfügen. Diese umliegenden Staaten sollten für Putin idealerweise gefügig wie Belarus oder ausgehebelt wie in Georgien sein. Die Regierung in Kiew sei dies nicht. Putin wolle nun sicherzustellen, dass die Ukraine trotzdem ein verlässlicher Sicherheitspuffer Richtung Westen sei.

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Anstatt über die Möglichkeit der Ukraine als Pufferstaat zwischen Westeuropa und Russland solle man vielmehr darüber nachdenken, ob das Land eines mit gleich guten Beziehungen in beide Richtungen hätte sein können oder sein könnte, sagte Smith. In solch einem Fall wäre die Sicherheit aller erfüllt. Wenn man über Pufferstaaten spreche, müsse man daran denken, was die dort lebenden Menschen wollten. „Das hier ist kein strategisches Schach. Es geht um echte Leben.“

RND/dpa

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