Erste Rückholaktion seit 2019

Australien will IS-Frauen und ihre Kinder aus Syrien zurückholen

Frauen und Kinder sollen zurück nach Australien geholt werden (Symbolbild).

Frauen und Kinder sollen zurück nach Australien geholt werden (Symbolbild).

Sydney. 20 australische Frauen und 47 Kinder, Familienangehörige von Kämpfern der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), sitzen laut des aktuellen Berichts der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in syrischen Internierungslagern und Gefängnissen fest. Nachdem sich die australische Regierung über Jahre geweigert hatte, eine Rückholaktion für diese Frauen und Kinder zu starten, scheint mit dem Regierungswechsel im Mai Bewegung in die verfahrende Situation zu kommen. So meldete der „Guardian“, dass eine Rettungsaktion bevorstehen würde.

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„Australien wird mehr als 20 seiner Bürger, die meisten davon Kinder, repatriieren“, hieß es in der australischen Ausgabe der britischen Tageszeitung. Es würden nicht alle auf einmal aus den Lagern geholt werden können, vermutlich seien mehrere Operationen notwendig. Viele der internierten Frauen haben angegeben, von ihren inzwischen verstorbenen Ehemännern gezwungen oder mit Tricks dazu gebracht worden zu sein, nach Syrien zu reisen. Die meisten australischen Kinder sind unter sechs Jahre alt – mehrere wurden in den Lagern geboren. Bis auf eine geheime Rettungsmission nach dem Fall des Islamischen Staates im Jahr 2019, als acht australische Waisenkinder, darunter eine schwangere Jugendliche, aus den Lagern zurück nach Australien geholt wurden, war bisher niemand repatriiert worden.

Kritik vonseiten der Opposition

Die frühere liberalkonservative Regierung lehnte weitere Rückholaktionen stets aus Sicherheitsbedenken ab. Auch aktuell äußerte die frühere Innenministerin, Karen Andrews, die mit ihrer Liberal Party inzwischen in der Opposition ist, Kritik. Sie bezeichnete den Plan der amtierenden sozialdemokratischen Regierung im Interview mit ABC Radio als „sehr besorgniserregend“. Sie selbst sei nicht bereit gewesen, die Frauen und Kinder nach Hause zu bringen, da sie nicht das Risiko eingehen wollte, australische Beamte nach Syrien zu entsenden. Außerdem habe sie Bedenken gehabt, dass die Frauen und Kinder in Syrien radikalisiert worden seien und damit potenziell ein Risiko für die australische Bevölkerung darstellten. Sie in der Gemeinde zu überwachen, sei mit hohen Kosten verbunden, sagte die Schattenministerin. Andrews betonte, dass die Frauen „freiwillig“ nach Syrien gegangen seien. Es sei „ihre eigene Entscheidung“ gewesen.

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Mat Tinkler, Geschäftsführer der Hilfsorganisation Save the Children Australia, sagte, er sei enttäuscht, dass die Opposition mit diesem Thema Politik mache. „Dreieinhalb Jahre lang war diese Regierung untätig gewesen, während Kinder anhaltenden und vielleicht irreparablen Schaden erlitten“, schrieb er auf Twitter. Diese Zeit habe sie genau den Risiken der Radikalisierung ausgesetzt, die jetzt als Grund dafür angeführt würde, nichts zu tun. „Das derzeit größte Risiko besteht darin, dass ein unschuldiges australisches Kind stirbt, wenn wir es nicht in Sicherheit bringen.“

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Tragische Schicksale mehren sich

In dem Bericht des „Guardian“ heißt es, dass die meisten australischen Frauen und Kinder im Lager Roj festgehalten werden, das näher an der irakischen Grenze liegt. Dieses sei sicherer als das zweite Lager namens al-Hawl, wo der IS nach wie vor aktiv sei. Doch auch im Lager Roj seien Unterernährung, Krankheiten und Gewalt an der Tagesordnung.

Insgesamt mehren sich die tragischen Geschichten, die aus den Lagern an die Medien gelangen: So ist ein Teenager, der mit elf Jahren von Australien nach Syrien gebracht worden war, dieses Jahr in Syrien verstorben. Yusuf Zahab war an Tuberkulose erkrankt und hatte bereits im Januar 2022 verzweifelt um Hilfe gebeten. Im vergangenen Jahr soll ein elfjähriges australisches Mädchen aufgrund von Unterernährung im Lager al-Roj zusammengebrochen sein und ein Jahr zuvor erlitt ein dreijähriges australisches Kind schwere Erfrierungen an den Fingern. Ein anderes junges Mädchen wurde im Alter von 14 Jahren von Australien nach Syrien verschleppt und mit einem IS-Kämpfer zwangsverheiratet. Sie soll inzwischen vier Kinder zur Welt gebracht haben.

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USA sollen Australien zur Rückführung drängen

Die kurdischen Kräfte, die die Lager augenblicklich verwalten, unterstützen die Abschiebung ausländischer Staatsangehöriger. Viele andere Nationen haben ihre Bürger bereits zurückgeholt, darunter Deutschland, Frankreich oder die USA. Die USA, die Soldaten im Nordosten Syriens stationiert haben, haben Australien laut des „Guardian“-Artikels wiederholt dazu gedrängt, seine Bürger zu repatriieren.

Die australische Nachrichtenagentur AAP berichtete am Montag, dass der Vater einer Australierin, die mit ihren drei Kindern in einem syrischen Internierungslager feststeckt, sich über die Aussicht auf eine Rückkehr seiner Familie sehr freue. Kamalle Dabboussy sagte, er sei nicht offiziell über die Mission informiert worden, würde aber mit allen Regierungsebenen zusammenarbeiten, um seine Familie nach Hause zu bringen. „Es ist der Wunsch aller Eltern, dass ihre Kinder sicher sind“, sagte er. Dabboussy hat die vergangenen Jahre damit verbracht, sein Haus in Sydney zu renovieren, damit seine Enkelkinder ein schönes Zuhause haben, wenn sie wieder nach Australien kommen.

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