Beginnt bereits die „Säuberung“?

Berichte: Putin hat Topkriegsgeneral Roman Gawrilow verhaften lassen

Soldaten marschieren am 24. Juni auf den Roten Platz während der Militärparade zum 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland. Die Parade war aufgrund der Corona-Pandemie vom 9. Mai auf Mitte Juni verschoben worden.

Soldaten marschieren bei einer Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau (Archivbild).

Medienberichten zufolge soll Russlands Präsident Wladimir Putin die Verhaftung des ranghohen Kriegsgenerals Roman Gawrilow angeordnet haben. Das berichtete die britische Zeitung „The Telegraph“ unter Berufung auf einen britischen Minister. Gawrilow ist Vizechef der russischen Nationalgarde, seine Einheiten sollen die ukrainische Invasion angeführt, aber herbe Verluste erlitten haben.

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Russischen Staatsmedien zufolge sei Gawrilow nicht verhaftet, sondern lediglich aus dem Dienst entlassen worden. Die Gründe für die Entlassung des Generals seien unbekannt, heißt es. Das sagt auch der Russland-Experte des Recherchenetzwerks Bellingcat, Christo Grozev. Drei unabhängige Quellen hätten die Verhaftung des Generals bestätigt, Gründe seien nicht genannt worden.

Der Russland-Experte schrieb auf Twitter: „Laut einer Quelle wurde [der General Roman Gawrilow, Anm. d. Red.] von der militärischen Spionageabwehr des russischen Geheimdienstes FSB wegen ‚Lecks militärischer Informationen, die zum Verlust von Menschenleben führten‘, festgenommen.“

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Die Verhaftung des russischen Generals ist längst kein Einzelfall. Bereits vor einer Woche hatten Medien berichtet, dass Putin acht Generäle entlassen habe. Mitarbeiter des Geheimdienstes versetzte der Kremlchef zuletzt in Hausarrest. In einer Rede am Mittwoch machte Putin klar, wie er über die Entlassungen und Verhaftungen seiner Generäle denkt:

„Das russische Volk wird stets in der Lage sein, echte Patrioten von Abschaum und Verrätern zu unterscheiden. Es wird sie schlicht wie eine Mücke ausspucken, die versehentlich in ihre Münder geflogen ist.“

Wladimir Putin

Die Kriegsrhetorik des Kremlchefs erinnert besonders an Diktator Josef Stalin und dessen „Große Säuberung“.

Putins Krieg: Frust und Jubel

US-Geheimdienste haben in den letzten Wochen immer wieder vor einem „frustrierten“ Putin gewarnt. Der Chef des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, William Burns, sagte zuletzt: „Er wird wahrscheinlich noch einen draufsetzen und versuchen, das ukrainische Militär ohne Rücksicht auf zivile Opfer zu zermalmen.“ Die nächsten paar Wochen würden vermutlich „hässlich“, und die Kämpfe in den Städten noch schlimmer als bisher, hieß es von Burns Anfang März. Tatsächlich wurden zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Theater zuletzt Opfer von mutmaßlich russischen Raketenangriffen.

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„Russland will den Widerstand in der Bevölkerung brechen“, sagte der Militärexperte Gustav Gressel dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er greife ganz bewusst Kinder und Frauen an, um zu demonstrieren, dass die ukrainische Armee sie nicht schützen könne. „Er will die Menschen in der Ukraine demotivieren.“ Auch das Theater in Mariupol sei angegriffen worden, um die Bevölkerung zu demoralisieren, so der Experte.

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Bei der Entscheidung für einen Angriff auf die Ukraine habe sich Putin komplett verkalkuliert, meinte der CIA-Chef. Putin habe gedacht, die Ukraine sei schwach und leicht einzuschüchtern. Auch Ex-Außenminister Joschka Fischer bestätigte am Donnerstag: „Die Ukrainer kämpfen heldenmütig für ihr Land, damit hat Putin nicht gerechnet. Womit er auch nicht gerechnet hat, ist die Entschlossenheit des Westens.“

Putins Vormarsch in der Ukraine ist seit Längerem ins Stocken geraten. Der Verluste innerhalb der russischen Armee beziffern die Ukrainer auf über 12.000 Soldaten. Die USA schätzen die russischen Verluste auf etwa 7000 Soldaten und 21.000 Verletzte.

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Moskau meldet hingegen immer wieder die Erfolge Putins propagierter „Militäroperation“. Vor Zehntausenden jubelnden Russen im Luschniki-Stadion lobte Wladimir Putin am Freitagnachmittag die „militärische Spezialoperation“ in der Ukraine als „heldenhaften“ Einsatz der russischen Armee. Es würden alle Pläne umgesetzt. „Schulter an Schulter helfen und unterstützen sie einander“, erklärte Putin in seiner etwa fünf Minuten langen Propagandashow. „So eine Einheit hatten wir schon lange nicht mehr“, fügte er hinzu. Die Feier wurde anlässlich des achten Jahrestags der Annexion der Krim am 18. März 2014 abgehalten.

RND/dpa/hyd/jst/scs

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