Umfrage zum transatlantischen Verhältnis

Biden kittet die deutsch-amerikanischen Beziehungen

Wieder Partner: Jeweils mehr als 80 Prozent der Befragten in Deutschland und den USA halten das transatlantische Verhältnis für gut. Seit dem Amtsantritt von Joe Biden (hier im Juni mit Bundeskanzler Olaf Scholz beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau) hat sich die Stimmung deutlich verbessert.

Wieder Partner: Jeweils mehr als 80 Prozent der Befragten in Deutschland und den USA halten das transatlantische Verhältnis für gut. Seit dem Amtsantritt von Joe Biden (hier im Juni mit Bundeskanzler Olaf Scholz beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau) hat sich die Stimmung deutlich verbessert.

Washington. Das USA-Bild der Deutschen hat sich nach dem Abgang von Donald Trump dramatisch verbessert. Acht von zehn Bundesbürgerinnen und ‑bürgern halten die Beziehungen zwischen beiden Ländern derzeit für gut. Das sind viermal so viele wie vor zwei Jahren. Doch beim Umweltschutz und der China-Politik gibt es deutlich unterschiedliche Sichtweisen auf beiden Seiten des Atlantiks.

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Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Erhebung des renommierten amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Pew und der Körber-Stiftung.

Keine Liebe: Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel neben dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump im Jahr 2019 zu Beginn bilateraler Gespräche am Rande des G7-Gipfels in Biarritz.

Keine Liebe: Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel neben dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump im Jahr 2019 zu Beginn bilateraler Gespräche am Rande des G7-Gipfels in Biarritz.

Gerade einmal 18 Prozent der befragten Deutschen hatten die Beziehungen zu den USA im Jahr 2020 als gut bezeichnet. Nach dem Amtsantritt von Joe Biden im Weißen Haus war der Wert im vorigen Jahr bereits auf 71 Prozent geschossen. Mit 82 Prozent wurde bei der aktuellen Umfrage ein Rekordwert erreicht. Deutsche und Amerikaner befinden sich damit im Gleichklang: Auch 81 Prozent der US-Bürger und ‑Bürgerinnen halten das Verhältnis für gut.

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Misstrauen gegen Umweltpolitik der USA

Doch diese positive Grundstimmung kann Differenzen in Sachfragen nicht überdecken. Zwar sehen jeweils mehr als zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger das andere Land als Partner beim Schutz der europäischen Sicherheit. Doch eine Mehrheit von 54 Prozent der Deutschen hält die USA nicht für einen Verbündeten beim Umweltschutz. Bei jüngeren Befragten sind die Zweifel besonders groß. Umgekehrt glauben 40 Prozent der Amerikaner und Amerikanerinnen, dass Deutschland und die USA in der China-Politik nicht an einem Strang ziehen. Weniger als die Hälfte der republikanischen Wählenden glaubt bei diesem Themenfeld an eine Partnerschaft.

Hintergrund dürfte die bemerkenswert unterschiedliche Einschätzung der nationalen Sicherheit sein. Bei der Befragung, die größtenteils im August unter 1088 Erwachsenen in Deutschland und 19.794 Erwachsenen in den USA durchgeführt wurde, schätzten 64 Prozent der Amerikaner die militärische Bedrohung durch China als groß ein. In Deutschland waren es gerade einmal 7 Prozent. Nicht ganz so gravierend, aber angesichts der Ukraine-Krise durchaus erstaunlich, ist die unterschiedliche Einschätzung der Gefahren, die von Russland ausgehen. 22 Prozent der Deutschen halten die militärische Bedrohung durch Russland für groß. In den USA ist der Wert mit 66 Prozent dreimal so hoch.

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Eine knappe Mehrheit von 52 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger wünscht sich auch angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine von Deutschland eher Zurückhaltung bei internationalen Krisen. Zwar befürworten 41 Prozent ein stärkeres Engagement Deutschlands – allerdings bevorzugt diplomatisch (65 Prozent) statt militärisch (14 Prozent) oder finanziell (13 Prozent).

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Deutschland als außenpolitischer Zwerg

Während eine relative Mehrheit der Deutschen die USA als wichtigsten außenpolitischen Partner (36 Prozent) vor Frankreich (32 Prozent) sieht, spielt die Bundesrepublik aus der Sicht der Amerikaner eher eine untergeordnete Rolle. In der Rangfolge der wichtigsten Partner rangiert sie mit 3 Prozent deutlich hinter Großbritannien (24 Prozent), China, Israel und Kanada.

Eine in der vergangenen Woche veröffentlichte, differenziertere Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für das Wirtschaftsmagazin „Economist“ zeigt denn auch deutliche Brüche in der Wertschätzung der Amerikaner für „good old Germany“. Zwar nennen auch hier zwei Drittel der Befragten Deutschland einen „Freund“ oder „Verbündeten“.

Doch weichen die Urteile je nach Alter und politischer Überzeugung deutlich voneinander ab. Von den 18‑ bis 29-Jährigen stimmen nur noch 52 Prozent dieser Einschätzung zu: Beachtliche 17 Prozent der jüngeren Amerikaner halten Deutschland für einen Gegner oder gar Feind. Auch 16 Prozent der Trump-Wähler teilen diese negative Einschätzung.

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