Faeser an der Grenze

Bundesinnenministerin in Polen: nur noch ein paar Schritte in den Krieg

Bundesministerin für Inneres und Heimat, spricht an der polnisch-ukrainischen Grenze mit polnischen Grenzbeamten.

Bundesministerin für Inneres und Heimat, spricht an der polnisch-ukrainischen Grenze mit polnischen Grenzbeamten.

Korczowa. Das Erste, was man an der polnisch-ukrainischen Grenze sieht, sind die Kinder, die meist an der Hand ihrer Mütter über die Demarkationslinie laufen. Manche weinen. Manche lachen aber auch. Aus Erleichterung. Oder weil sie eben Kinder sind. Wieder andere sind erkennbar neugierig auf die vielen Journalisten, die wegen des Politikerbesuchs auf der anderen Seite der Grenze warten, Fotografen oder Kameraleute darunter.

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Was die Bundesinnenministerin davon mitbekommt, ist ungewiss. Gewiss ist, dass die Sozialdemokratin Nancy Faeser am Donnerstagvormittag aus Berlin aufgebrochen ist, um hierher zu gelangen. Zunächst fliegt sie in die 642 Kilometer entfernte südostpolnische Stadt Rzeszow und fährt von dort noch einmal 90 Kilometer weiter in einer langen Autokolonne nach Korczowa, eine Grenzstadt zur Ukraine. Von Korczowa sind es nur ein paar Schritte in den Krieg.

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Zwar dauert Faesers Besuch kaum mehr als fünf Stunden. Diese fünf Stunden sind aber eindrücklich.

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Kurz, aber eindrücklich

Auf dem eigentlich zivilen Flughafen von Rzeszow fällt das militärische Gerät ins Auge, das hier normalerweise nichts zu suchen hat: Flugabwehrraketen, Hubschrauber der US-Army, ein kanadischer Truppentransporter – und dazwischen Soldaten, von denen sich einige an Lastkraftwagen zu schaffen machen, so dass der Eindruck entsteht, sie seien für Transporte ins Kriegsgebiet bestimmt. Die Autobahn zur Grenze ist dann keineswegs voll, wie man zumindest in westlicher Richtung vielleicht erwarten würde. Im Gegenteil: Sie ist leer – so leer, dass es fast gespenstisch wirkt.

Das ändert sich erst an der Grenze mit den vielen Kontrollgebäuden, die es im Westen Europas so schon lange nicht mehr gibt und in deren Angesicht die Bundesinnenministerin nun mit ihren ebenfalls angereisten Amtskollegen aus Polen und Frankreich versammelt ist, um die Lage in Augenschein zu nehmen.

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„Mir war es sehr wichtig, dass ich Polen im Namen der Bundesrepublik Deutschland danken darf“, sagt Faeser. Das ist bemerkenswert, weil Politiker aus Deutschland und Polen in den letzten Jahren ja immer mal wieder überkreuz lagen, nicht zuletzt wegen der Flüchtlingspolitik. Schließlich wollten die Polen weder Syrer noch Iraker oder Afghanen aufnehmen. Heute wird deutlich, wie viel Polen seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine leistet; über 1,2 Millionen Menschen sind ins Land gekommen. Die SPD-Politikerin würdigt dies ausdrücklich und bietet Unterstützung an.

Ferner stellt sie klar: „Es ist eine europäische Aufgabe, den Flüchtlingen zu helfen.“ Zunächst müsse man deshalb dafür sorgen, dass sie aus Polen in andere Länder der Europäischen Union gelangen könnten. Konkret geht es etwa um Griechenland; dessen Regierung hat die Bundesregierung gebeten, Flüchtlinge von der Grenze nach Krakau zu bringen, von wo aus sie nach Thessaloniki geflogen werden sollen. Wunschländer vieler Ukrainer sind Spanien und Italien, wo sie Kontakte haben.

Ungewisse Zukunft

Nach dem Besuch an der Grenze besichtigt die Ministerin eine Aufnahmeeinrichtung in einem umfunktionierten Handelszentrum, das nur wenige Kilometer weiter liegt. Die Halle erinnert an jene eines bekannten schwedischen Möbelherstellers. Journalisten werden nicht hineingelassen. Bald darauf geht es über Rzeszow zurück nach Deutschland.

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Der polnische Innenminister Marius Kaminski freut sich unterdessen. „Alle Länder öffnen die Grenzen“, sagt er – und dass der Faeser-Visite „konkrete Taten folgen“ würden. Kinder, so viel scheint sicher, werden aus der Ukraine noch viele nach Westen kommen. In eine ungewisse Zukunft.

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