Drei Jahre nach Ausbruch des Virus

Corona-Expertenrat trifft sich zum letzten Mal: die Folgen der Pandemie

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, obere Reihe, Zweiter von rechts) zu Beginn der virtuellen Sitzung des Corona-Expertenrats im Kanzleramt.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, obere Reihe, Zweiter von rechts) zu Beginn der virtuellen Sitzung des Corona-Expertenrats im Kanzleramt.

Berlin. Es ist ein angenehmer Gedanke, dass solche Dinge nun dauerhaft der Vergangenheit angehören könnten: Schulschließungen, Maskenpflicht, 2G- und 3G-Regeln – doch die Auswirkungen solcher Maßnahmen sind drei Jahre nach dem Ausbruch des Coronavirus immer noch ein leidiges Thema. Der Kinderschutzbund und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte klagen über Langzeitfolgen der Lockdowns bei Heranwachsenden. Und viele deutsche Krankenhäuser schlitterten nach der Pandemie gleich in die nächste Krise, warnt der Chef der Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß.

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Vom einen Tag auf den anderen endete an deutschen Schulen der Unterricht – das war am 13. März 2020, als die Corona-Pandemie gerade zu einer ernsthaften Gesundheitskrise wurde. Schülerinnen und Schüler waren mehr oder weniger auf sich allein gestellt – zuhause am Laptop, mit Aufgaben zum Selbststudium. Statt dem gemeinsamen Pause auf dem Schulhof gab es die kurze Unterbrechung zwischen zwei Unterrichts-Videokonferenzen.

Verband: Virus richtete enormen Schaden bei Schülern an

Die Lockdowns haben etwas Schlimmes mit den Kindern und Jugendlichen in unserem Land angerichtet, sagt Jakob Maske, Sprecher des deutschen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. „Der gesundheitliche Schaden ist weit größer, als durch das Virus selber“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Montag. Als im März 2020 noch niemand wusste, mit was für einem Erreger die Menschheit es zu tun hat, seien Schulschließungen zwar eine legitime Maßnahme gewesen. „Aber schon nach dem ersten Lockdown zeichnete sich ab, dass fehlender sozialer Kontakt, auch nur für ein paar Wochen, drastische Auswirkungen auf die Gesundheit hat“, sagte Maske.

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Zahlreiche Studien würden Auswirkungen wie Essstörungen, Despressionen, Zwangsstörungen, Adipositas und eine wesentlich längere Bildschirmzeit inzwischen belegen. „Doch das hat damals niemand ernstgenommen“, kritisiert er. Stattdessen kamen im Dezember 2020 die nächsten Schulschließungen. „Das war in meinen Augen ein riesiger Fehler, gegen den sich unter den Schutzbefohlenen auch niemand wirklich eingesetzt hat“, sagt er. Sollte es jemals wieder eine Pandemie mit einem Erreger geben, der nicht wesentlich gefährlicher als das Corona-Virus ist, dürfe es Schulschließungen in dieser Form nie wieder geben.

Woher stammt das Coronavirus?

Die Suche nach dem Corona-Ursprung: Was geschah in Wuhan?

Alles begann mit einer Fledermaus – oder doch mit einem Laborunfall? Wie und wo das Coronavirus entstanden ist, ist noch immer nicht ganz geklärt. Die Spurensuche ist komplex und weist weiterhin einige Lücken auf. Was bisher bekannt ist – und was nicht.

Kinderschutzbund will Kinder bei Gesetzgebung einbeziehen

Auch der Präsident des deutschen Kinderschutzbundes Heinz Hilgers sagt: „Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen wurden im Zuge der Corona-Politik so gut wie gar nicht berücksichtigt.“ Das Schließen von Kitas, Schulen und sogar Spielplätzen sei vollkommen unverhältnismäßig gewesen. „Kinder brauchen andere Kinder“, betont er. Perspektivisch müsse die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen bei allen Maßnahmen zur Bekämpfung einer Pandemie in den Blick genommen werden. Gesetzgeberische Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung müssten den Vorrang des Kindeswohls unbedingt berücksichtigen, auch Kinder selbst sollten dabei einbezogen werden.

Die Pandemie habe verdeutlicht, dass Krankenhäuser auch Kapazitäten über den Tagesbedarf hinaus bereithalten müssten, betonte Klinikverbandschef Gaß. Stattdessen könne kaum ein Krankenhaus noch seine Rechnungen noch aus den laufenden Einnahmen decken, die Inflation zwinge viele Kliniken in die Knie und habe bereits zu Insolvenzen und Schließungen geführt. „Die Hilfsgelder im Härtefallfonds Energie sind so gestaltet, dass kaum ein Krankenhaus von ihnen profitiert“, bemängelt er. Das alles treffe Krankenhäuser, die durch hohe Personalvorgaben bei gleichzeitigem Fachkräftemangel ohnehin wirtschaftliche Schwierigkeiten haben.

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Corona kostete wichtiges Personal

Mit Blick auf die Corona-Pandemie und fehlendes Personal sagte Dr. Felix Walcher, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), dem RND: „Dieser unglaubliche Kraftakt zollt natürlich heute Tribut, die Personaldecke ist seit der Corona-Pandemie im gesamten Gesundheitswesen sichtlich dünner geworden.“ In einigen Regionen komme es immer wieder zu Belastungsspitzen in den Notaufnahmen.

Auch in puncto Daten und Digitalisierung habe die Pandemie dem Gesundheitssektor den Spiegel vorgehalten, betont Dr. Gernot Marx, Vizepräsident der Divi. „Hier müssen wir in Deutschland aufrüsten, besser und schneller werden“, fordert er. Die Verfügbarkeit von Daten und das Vernetzen von Kollegen durch Telemedizin rette Leben und schon Ressourcen. Deswegen fordere die Divi unbedingt die Verstetigung und den Ausbau telemedizinischer Netzwerke. „Hierzu läuft derzeit der politische Entscheidungsprozess, noch im April werden die Würfel fallen“, kündigt er an.

Corona-Expertenrat trifft sich zum letzten Mal

Dass Experten wie Maske, Hilgers und Gaß einmal ein solch ernüchterndes Fazit ziehen würden, wollte die Bundesregierung wohl vermeiden, als sie im Dezember 2021 den Corona-Expertenrat aufstellte. Das wissenschaftliche Expertengremium beschäftigte sich im Bundeskanzleramt unter anderem mit der Berücksichtigung des Kindeswohls in der Pandemie. Am Dienstag trifft sich die Gruppe, zu der auch der ehemalige Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler und Virologe Christian Drosten gehören, ein letztes Mal mit Kanzler Olaf Scholz.

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