Coronavirus: In Kriegsgebieten droht Katastrophe

Zwei Kinder, die aufgrund der Corona-Pandemie Mundschutzmasken tragen, gehen in der Hauptstadt Syriens auf einem Gehweg.

Zwei Kinder, die aufgrund der Corona-Pandemie Mundschutzmasken tragen, gehen in der Hauptstadt Syriens auf einem Gehweg.

“Bleibt zu Hause, ich wünschte, ich könnte das auch”, steht auf einem selbst gemalten Plakat, das eine Frau vor ihrem Zelt in einem der Flüchtlingslager in der nordwestlichen Provinz Idlib in Syrien in die Kamera hält. Kürzer lässt sich die Lage der über eine Million Menschen, die in die letzten von der Opposition kontrollierten Gebiete im Nordwesten des Landes geflohen sind, nicht zusammenfassen.

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Auf Distanz zu bleiben ist eine Illusion

Die überfüllten Lager sind in der Corona-Krise so etwas wie eine tickende Zeitbombe. Oft wohnen mehr als zehn Menschen in einem Zelt. Auf Distanz zu bleiben ist da eine Illusion. Genauso wie regelmäßiges Händewaschen. “Der Ausbruch einer Corona-Epidemie wäre eine Katastrophe für Tausende Menschen, um deren Gesundheitszustand es ohnehin wegen des Mangels an Nahrungsmitteln und sauberem Wasser und wegen der Kälte nicht zum Besten steht”, warnt Misty Buswell, Sprecherin des International Rescue Committee.

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Das Gesundheitssystem arbeitet schon jetzt am Anschlag. Die Krankenhäuser der Provinz sind mit den Folgen des Krieges überfordert und haben nur wenige Ressourcen für Intensivmedizin. In Idlib und Umgebung gibt es eine Maschine, die Covid-19-PCR-Tests durchführen kann – mit 2000 Testkits für eine Bevölkerung von 3,5 Millionen, erzählt ein Mitarbeiter der lokalen Organisation Omran Dirasat. Inzwischen wurden zwar erste improvisierte Isolierzentren aufgebaut, aber die Kapazitäten sind zu gering, um Menschen mit schweren Symptomen behandeln zu können. Ein lokaler Journalist berichtet, dass es gerade einmal 130 Krankenwagen, 500 Ärzte und 223 Beatmungsgeräte gebe, von denen 100 bereits in Benutzung seien. Mehr als 80 medizinische Einrichtungen sind im Krieg zerstört oder beschädigt worden.

Was für Idlib gilt, gilt auch für andere Konfliktzonen im Nahen Osten. Im Jemen, wo nach fünf Jahren Bürgerkrieg nur noch die Hälfte der Krankenhäuser funktionsfähig ist, existierten für das ganze Land 700 Intensivbetten und 500 Beatmungsgeräte, warnte jetzt die Hilfsorganisation Save the Children. Im Gazastreifen, einem der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt, gebe es für zwei Millionen Einwohner 70 Intensivbetten und 62 Beatmungsgeräte. Umso wichtiger wäre Prävention, sagt Nahostdirektor Jeremy Stoner, aber: “Wenn alle Bewohner des Gazastreifens zwei Meter Abstand voneinander halten müssten, müsste das Gebiet zehnmal größer sein.”

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