Rücktritt von Stephan Mayer

Wenn ein CSU-Generalsekretär geht und Markus Söder auch harte Worte findet

Markus Söder (rechts), CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, und Stephan Mayer, der als CSU-Generalsekretär zurückgetreten ist.

Markus Söder (rechts), CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, und Stephan Mayer, der als CSU-Generalsekretär zurückgetreten ist.

Berlin. Gerade mal drei Minuten dauert der Auftritt von Markus Söder, und sein Ton ist verhalten. „Heute ist ein bitterer Tag in vielen, vielen Jahren“, so beginnt er. Es hat schon einige bittere Tage gegeben bei der CSU, schlechte Wahlergebnisse ganz vornedran. Nun gibt es einen Rücktritt: Am Vorabend hat Generalsekretär Stephan Mayer aufgegeben, nach nur zwei Monaten im Amt. Söder sagt, er sei auch „persönlich betroffen“. Der 48-Jährige habe ihn „eindringlich gebeten, ihn aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt zu entbinden“. Er fügt hinzu: „Es geht ihm tatsächlich nicht gut.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Aber da ist ja noch etwas anderes. Mayer hat offenbar einen Journalisten bedroht, weil der in der Zeitschrift „Bunte“ über sein Privatleben und ein angeblich uneheliches Kind berichtet hatte. Der Burda-Verlag berichtet, Mayer habe dem Journalisten telefonisch mit Vernichtung gedroht. Gefallen seien die Worte: „Ich werde Sie vernichten. Ich werde Sie ausfindig machen, ich verfolge Sie bis ans Ende Ihres Lebens.“

„Menschliche Tragödie“: Söder bedauert Rücktritt von Generalsekretär Mayer

Die Begründung von Stephan Mayer für seinen Rücktritt nach zehn Wochen im Amt als Generalsekretär waren gesundheitliche Beschwerden.

Eine Frage der Wortwahl

Söder sagt, er habe sich lange mit Mayer unterhalten. Der habe geltend gemacht, sich nicht genau an den Gesprächsverlauf zu erinnern. Aber so richtig zu bezweifeln scheint der CSU-Chef die Verlagsdarstellung nicht. „Die dabei gefallenen Worte sind in keiner Weise zu akzeptieren“, sagt er. Sie seien „völlig unakzeptabel“. Er wiederholt das mehrfach, in verschiedenen Varianten. „Das wäre nicht die Wortwahl von uns allen gewesen“, sagt Söder. Und dass man in der CSU-Spitze erschüttert gewesen sei.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mayer selbst hatte in seiner Rücktrittserklärung eine „eklatant rechtswidrige Berichterstattung“ angeprangert. Anfragen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) zum Inhalt des Gesprächs mit dem Journalisten und zu den Inhalten des Berichts, der ihn offenkundig verärgert hatte, ließ der CSU-Bundestagsabgeordnete und frühere Innenstaatssekretär bis zum Mittwochabend unbeantwortet.

Kinder leiden unter fehlendem Kontakt zum Elternteil.

Eltern in Haft: Warum ihre Kinder unschuldig mitbestraft werden

Sie werden übersehen. Die Kinder von Inhaftierten, die massiv unter dem fehlenden Kontakt zu ihren kriminell gewordenen Vätern oder Müttern leiden und so unschuldig mitbestraft werden. Das soll sich ändern.

Anderthalb Jahre vor der bayerischen Landtagswahl muss Markus Söder nun einen neuen Generalsekretär suchen – oder auch eine Generalsekretärin. „Persönlich betroffen“, das gilt also auf jeden Fall in dieser Hinsicht. Der oder die Neue muss dann nicht nur einen Landtagswahlkampf organisieren, bei der nicht nur die absolute Mehrheit erneut infrage steht, sondern auch ein weiterer Absturz ins Mittelmaß. Weil die CSU auch auf Bundesebene weiter eine Rolle spielen will, darf der- oder diejenige aber dennoch nicht nur die Landespolitik im Kopf haben.

Suche nach einem Nachfolger

Über den Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag, Stefan Müller, wird daher unter anderem spekuliert und auch über den Verteidigungspolitiker Florian Hahn. Den allerdings hatte Söder bei der letzten Runde übergangen und ihn vom stellvertretenden Generalsekretär auf den neuen Posten des internationalen Sekretärs der CSU verbannt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Und wäre nicht ohnehin mal eine Frau an der Reihe? Die Familienpolitikerin Dorothee Bär ist mittlerweile zur Vizeparteichefin aufgerückt. Bei einer Benennung von Landesagrarministerin Michaela Kaniber müsste Söder erneut sein Kabinett umbilden, bei der letzten vor zwei Monaten war der bisherige Generalsekretär Markus Blume Wissenschaftsminister geworden. Kaniber wäre allerdings immerhin aus dem mächtigen Bezirksverband Oberbayern, der sehr darauf pocht, dem Franken Söder die Führung der CSU nicht alleine zu überlassen. Das gilt auch für Hahn, Müller dagegen wäre ein weiterer Franke.

Söder sagte, der Abgang Mayers sei wirklich schade. Der sei „immer ein großes Talent“ gewesen und habe sich in seinen vielen bisherigen Aufgaben stets bewährt, als Staatssekretär zum Beispiel – „ein schwieriges, belastendes Amt“, aber auch als Abgeordneter, Kreisvorsitzender und als Vertriebenenpolitiker. Im Bundestag war Mayer zuletzt sportpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. Im vergangenen Jahr hatte er sich zudem zum Vizepräsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wählen lassen – auch diesen Job ist er allerdings wieder los. Als Staatssekretär hätte er zwölf Monate Karenzzeit einhalten müssen.

Er wünsche Mayer alles Gute, sagte Söder. „Es ist eine Tragödie“, befand er, „eine menschliche Tragödie“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen