„Wir wollen ein Energieembargo“

Die Allianz Ukrainischer Organisationen will alle Kräfte bündeln

Protestaktion gegen die russische Aggression in der Ukraine am 6. April in Berlin. Die Allianz Ukrainischer Organisationen beteiligt sich an Protesten, sammelt Spenden und koordiniert Hilfsprojekte für die Ukraine.

Protestaktion gegen die russische Aggression in der Ukraine am 6. April in Berlin. Die Allianz Ukrainischer Organisationen beteiligt sich an Protesten, sammelt Spenden und koordiniert Hilfsprojekte für die Ukraine.

Berlin. Um die Aktivitäten verschiedener ukrainischer Hilfsvereine in Deutschland zu bündeln und zu koordinieren, hat sich in Berlin Mitte März die Allianz Ukrainischer Organisationen gegründet. Unter ihrem Dach ist der vor allem von jungen Ukrainern getragene Verein Vitsche (Zusammen) ebenso zu finden wie die Ukraine Hilfe Berlin e.V. oder auch die Ukrainische Orthodoxe Kirchgemeinde.

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Während Vitsche erst mit der russischen Aggression am 24. Februar begann, Proteste, Kultur- und Bildungsveranstaltungen zu organisieren, unterstützt die Ukraine Hilfe Berlin schon seit dem russischen Angriff auf den Donbass 2014 ihre Landsleute mit humanitärer und medizinischer Hilfe.

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„Wir verstehen uns generell als Anlaufpunkt für Menschen, die helfen wollen, und versuchen, Sach- und Geldspenden sowie Projekte zu koordinieren“, erläutert Allianz-Sprecherin Krista-Marija L. im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Die 24-jährige hat eine ukrainische Mutter, einen deutschen Vater und ist seit ihrem dritten Lebensjahr in Bayern aufgewachsen. Aus ihrer eigenen Familiengeschichte heraus hat sie Erfahrung mit Integration und den damit häufig verbundenen Schwierigkeiten.

„Wir helfen auch geflüchteten Ukrainern beim Umgang mit Behörden, Anmeldeverfahren und der Suche nach Unterkunft“, berichtet L. über die Arbeit der Allianz, die sich auch um Kontakte zu Hochschulen und Universitäten kümmert, um ukrainische Studenten zu vermitteln.

Selbst hat die als Verein in Gründung befindliche Organisation vorerst Unterkunft in der Berliner Dependance des polnischen Pilecki-Instituts gefunden, das sich unter anderem mit der Erforschung des Totalitarismus im 20. Jahrhundert beschäftigt. „Wir sind Polen sehr dankbar, dass wir hier so schnell und unkompliziert unterkommen konnten“, betont die Allianz-Sprecherin.

Das Institut, das sich in der Nähe des Brandenburger Tors befindet, zeigt schon im Foyer im Wortsinn Flagge im Sinne der Ukraine. Nicht nur gelb-blaue Fahnen, auch Ausstellungstafeln in den Farben der Ukraine sind zu sehen mit Texten und Bildern von Menschen, die die Gräuel des Krieges erlebt haben und nach Deutschland entkommen sind.

Zudem gibt es eine Ausstellung mit Fotos des bekannten ukrainischen Fotografen und Dokumentarfilmers Maxim Lewin, der am 13. März in der Ortschaft Huta-Meschyhirska bei Kiew von russischen Soldaten erschossen wurde. Er wäre am 7. Juli 42 Jahre alt geworden und hinterlässt eine Frau und vier minderjährige Kinder.

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Die Allianz versteht sich auch als Sprachrohr ukrainischer Interessen gegenüber der deutschen Politik. „Wir wollen weiter Druck machen, damit es zu einem generellen Energieembargo gegen Russland kommt und Deutschland auch schwere Waffen an die Ukraine liefert“, erläutert L. Dazu habe die Organisation Verbindung zu allen Parteien im Bundestag aufgebaut, besonders gut funktioniere die Kommunikation mit den Grünen und der CDU.

In der Diskussion ist derzeit der Umgang der Allianz mit dem 8. Mai, dem Tag der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg. Traditionell feiert Moskau den 9. Mai als Tag des Sieges über den Hitler-Faschismus mit einer großen Militärparade wie zu Sowjetzeiten.

„Natürlich ist es positiv, dass der deutsche Nationalsozialismus geschlagen wurde“, sagt L. Aber mit den russischen Feierlichkeiten wolle man nichts zu tun haben. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hatte schon im vergangenen Jahr kritisiert, sein Volk werde beim Gedenken an den Zweiten Weltkrieg kaum berücksichtigt, obwohl die Ukraine mindestens acht Millionen Kriegstote zu beklagen habe.

Für die Ukraine sei das Ende des Krieges keine Befreiung gewesen, denn die Unterdrückung durch Moskau sei weitergegangen, sagt Krista-Marija L. „Wir diskutieren noch, wie wir den Tag gestalten werden.“

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