Präsidentschafts­wahlen in Frankreich

Emmanuel Macron – der ungeliebte Favorit

Der französische Präsident Emmanuel Macron gilt als Favorit bei den anstehenden Wahlen in Frankreich.

Der französische Präsident Emmanuel Macron gilt als Favorit bei den anstehenden Wahlen in Frankreich.

Paris. Das alte Feuer, es ist noch spürbar. Emmanuel Macron springt am Samstag auf eine flache Bühne, deren Stufen in den französischen National­farben angestrichen sind, blau-weiß-rot. Mehrere Pulte stehen hier, zwischen denen er locker hin- und hergeht, um sich abwechselnd in jede Richtung des Saals zu wenden.

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Solche Auftritte hat Macron bereits 2017 absolviert, als er als 39-jähriger New­comer den Wahl­kampf und mit dem Sieg seiner eigenen Bewegung die bisherige Parteien­landschaft durcheinander­wirbelte. Eine optimistische, proeuropäische Kampagne führte Macron damals. Bei seinen Kund­gebungen überschlug sich schon mal seine Stimme vor Euphorie.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei seiner einzigen Kund­gebung im Wahl­kampf.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei seiner einzigen Kund­gebung im Wahl­kampf.

Macrons einzige Kund­gebung

Heute hat er sich besser im Griff. Gut zwei Stunden lang spricht er völlig frei und verteidigt selbstsicher seine Bilanz. „Trotz der Krisen haben wir nie aufgegeben und unsere Versprechen gehalten“, ruft der 44-Jährige, und die Menge jubelt. Die Arbeits­losigkeit sei auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren, er habe die Sozial­abgaben gesenkt und den gesetzlichen Vaterschafts­urlaub von 14 auf 28 Tage verdoppelt. Für seine einzige Kund­gebung sind 30.000 Menschen in die La Défense Arena in den Pariser Westen gekommen. Es ist der größte Saal Europas, wie Macron betont.

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Rechts­populistin profitiert vom ultra­rechten Kandidaten

Doch in den vergangenen Tagen kamen Zweifel auf. Denn auch Macrons best­­platzierte Konkurrentin, die Rechts­populistin Marine Le Pen, holt auf. Dahinter folgt der Links­populist Jean-Luc Mélenchon. In der Stich­wahl gegen Macron könnte sie bis zu 47,5 Prozent erreichen – gegenüber 34 Prozent vor fünf Jahren.

„Natürlich kann Marine Le Pen gewinnen“, sagte Macrons ehemaliger Premier­minister Édouard Philippe, der den Präsidenten unterstützt. Ihr nutze die Kandidatur des ultra­rechten Kandidaten Éric Zemmour, der inzwischen in Umfragen abrutschte, weil ihr der „oft skandalöse Charakter“ von dessen Aussagen ein weicheres Image verleihe.

Anders als Zemmour sprach sie sich sofort für die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge aus. Vor allem aber setzt sie auf das Thema Kauf­kraft, für viele die Haupt­sorge Nummer eins. Im Kern ähneln sich ihre Vorschläge. Beide fordern einen Einwanderungs­stopp und die Konfrontation mit der EU, etwa bei der Frage, ob nationales vor europäischem Recht gelten sollte.

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Was Macron noch gefährlich werden könnte

Eine wichtige Rolle für das Endergebnis dürfte die Stimm­enthaltung spielen. Umfragen zufolge könnten bis zu 30 Prozent der Wählerinnen und Wählern den Urnen fern­bleiben – das wäre ein Rekord bei Präsidentschafts­wahlen. Macron selbst hat gegenüber Vertrauten zugegeben, es sei eine Gefahr, mit verhältnis­mäßig wenigen Stimmen gewählt zu werden.

Viele Menschen in Frankreich lehnen ihn heftig ab, kritisieren ihn als arrogant und werfen ihm vor, mehrere Reformen kompromisslos mit Dekreten durchgesetzt zu haben. Nun kündigte er an, das Rentenalter von 62 auf 65 setzen zu wollen.

Konnte Macron 2017 zahl­reiche Links­wähler abwerben, so haben sich viele von ihnen mittler­weile von ihm abgewendet und könnten bei einem Duell Macron – Le Pen der Stich­wahl ganz fern­bleiben. Doch auch wenn sie sagen, es sei einerlei, ob Macron oder Le Pen gewählt werde – für die Programme der beiden gilt das keines­wegs.

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