Europa hadert mit Trumps Dominanz

RND-Korrespondent Detlef Drewes aus Brüssel.

RND-Korrespondent Detlef Drewes aus Brüssel.

Brüssel. EU-Ratspräsident Donald Tusk fasste diese Haltung so zusammen: Die freie Welt werde von gemeinsamen Werten, nicht von Interessen zusammengehalten. Aber dafür hatte der Gast aus Washington kein Ohr.

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Trump beschwört und lamentiert nicht, er fordert. Für den Kampf gegen den Terror braucht er die Europäer, für seine Vorstellungen von Handel und Klimaschutz nicht. Mit Druck erreichte er die Zustimmung der Allianz, in den Kampf gegen den IS einzusteigen, was weder strategisch sinnvoll noch militärisch zielführend ist. Ein Showeffekt, mehr nicht.

Im Zweifel ist Trump Erdogan lieber als Merkel

Wie anders wirkte da der Auftritt seines Vorgängers Barack Obama auf dem Kirchentag in Berlin. Er argumentiert und versucht die Menschen für sich zu gewinnen.

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In Brüssel wird dagegen deutlich: Im Zweifel ist dem US-Präsidenten ein Mann wie Recep Tayyip Erdogan lieber als Angela Merkel. Der türkische Präsident redet nicht, sondern schickt Bomber gegen Terroristen, während die deutsche Kanzlerin abwägt und im Zweifel den Bundestag fragen muss, was sie tun darf.

Dies kennzeichnet das eigentliche Problem der neuen transatlantischen Beziehungen: Trump misstraut diesem für ihn undurchschaubaren europäischen Bündnis, in dem es stets Für und Wider gibt und sich deshalb wenig bewegt. Der einstige Unternehmer im Weißen Haus will sagen, wo es langgeht, die Europäer wollen Partnerschaft und Kompromisse.

Die EU wird sich mit Trumps Dominanz schwertun

Nicht nur die Nato, sondern auch die EU müssen sich also umstellen. Beide Allianzen gelten für den US-Präsidenten nicht länger als traditionelle Partner, sie sind vielmehr Instrumente des Prinzips „America first“.

Dass Washington die amerikanische Führungsrolle im Bündnis nun derart eklatant beansprucht und dabei auf seinen hohen Beitrag am Budget der Nato verweist, ist nicht einmal überraschend oder neu. Die EU jedoch wird sich schwertun mit der Dominanz, die Trump für sich in der Welt beansprucht und der er alle anderen unterwirft.

Nun soll niemand so tun, als wäre das europäisch-amerikanische Miteinander nicht schon länger in einem überaus zwiegespaltenen Zustand. Aber am Ende dieses Treffens scheint klarer denn je zu sein, dass die EU selbstbewusster und einiger werden muss, um auf Augenhöhe mitzuspielen – oder aber auf der Weltbühne eine Nebenrolle zugeschoben bekommt. Trumps Partner sind andere: Russland, die Türkei, China. Für ein demokratisch strukturiertes, vielfältiges und oft zerstrittenes Europa scheint da kaum Platz zu sein.

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Von RND/Detlef Drewes

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