Fall Peng Shuai: Europa-Grüne für diplomatischen Boykott von Olympia in China

Die Tennisspielerin Shuai Peng während eines Frauen-Einzels (Archivbild).

Die Tennisspielerin Shuai Peng während eines Frauen-Einzels (Archivbild).

Brüssel. Der europäische Spitzenpolitiker Reinhard Bütikofer hat heftige Kritik am Umgang mit der für mehrere Wochen verschwundenen chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai geübt. „Der Fall Peng Shuai richtet ein Schlaglicht auf die in China massenhaft angewandte Praxis des Verschwindenlassens von Personen, die durch öffentliche Äußerungen missliebig geworden sind“, sagte Bütikofer, Leiter der China-Delegation im Europaparlament, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er forderte einen diplomatischen Boykott der Winterspiele in China im Februar kommenden Jahres.

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„Die Uno hat schon vor Jahren die Beendigung dieser Praxis in China gefordert“, sagte der Grünen-Politiker. „Aus meiner Sicht demonstriert das Vorgehen chinesischer Behörden gegen Peng Shuai einen weiteren Grund für den diplomatischen Boykott der Olympischen Spiele, den das Europäische Parlament fordert.“

Peng Shuai wurde nicht mehr gesehen

Die Tennisspielerin Peng hatte dem früheren Vizeministerpräsidenten Zhang Gaoli Anfang November vorgeworfen, sie vergewaltigt zu haben. Sie habe vor sieben Jahren eine Affäre mit ihm gehabt, vor drei Jahren habe er sie dann nach einer Runde Tennis zum Sex gezwungen, obwohl sie sich mehrfach geweigert habe. Pengs Vorwürfe verschwanden umgehend von Webseiten in China. Die 35-Jährige wurde danach nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.

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Am vergangenen Wochenende teilte das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit, dass IOC-Chef Thomas Bach ein Videotelefonat mit Peng geführt habe. Dabei habe Peng erklärt, dass sie sich in Sicherheit befinde. Zuvor hatten staatsnahe chinesische Organisationen Bilder und Videos von Peng in der Öffentlichkeit verbreitet.

Bütikofer greift Bach indirekt an

Nach Ansicht des China-Kenners Bütikofer könnte es sich dabei allerdings um Falschmeldungen handeln. Eine Videoschalte allein sei noch kein Beleg dafür, dass Peng Shuai sicher und wohlauf sei. Indirekt griff Bütikofer IOC-Chef Bach an. Er sagte: „Wenn das glaubwürdig wäre, dann würden die Chinesen nicht den Zugang zu Peng Shuai ausschließlich an Leute geben, die mit der chinesischen Propaganda gemeinsame Sache machen.“

Der Fall Peng Shuai hat auch in Washington Sorgen ausgelöst. US-Präsident Joe Biden kündigte an, sich mit einem diplomatischen Boykott der Winterspiele zu beschäftigen.

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Für einen derartigen Boykott hatte das Europaparlament bereits Anfang Juli gestimmt. Die Mehrheit der Abgeordneten forderte die europäischen Institutionen und Mitgliedsstaaten auf, „Einladungen für Regierungsvertreter und Diplomaten zur Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking abzulehnen, solange die chinesische Regierung die Menschenrechtssituation nicht verbessert“.

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