Kommentar

Deutschland bekommt die Quittung: Wenn Kohle die letzte Rettung ist

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) spricht sich für mehr Kohleverstromung aus, um Gas zu sparen.

Zu 56 Prozent sind die deutschen Gasspeicher derzeit gefüllt – das reicht für vier bis sechs eisige Wochen im Winter. Dann drohen erste Engpässe. Eigentlich hatte die Bundesregierung vor, die Gasdepots bis Oktober auf 80 Prozent und bis November auf 90 Prozent zu füllen. Doch dass dafür genug russisches Gas nach Deutschland fließt, ist angesichts gedrosselter Liefermengen des russischen Gazprom-Konzerns mehr als fraglich. Frankreich wurde der Gashahn schon komplett zugedreht und Italien, Tschechien und Österreich erhalten nur noch geringe Mengen.

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Wirtschaftsminister Robert Habeck ruft daher zum Gassparen auf und schlägt zähneknirschend vor, was ein grüner Minister eigentlich niemals vorschlagen würde: Mehr Kohle soll zu Strom verfeuert werden, um kein Gas zur Stromproduktion einsetzen zu müssen. Damit verrät Habeck die Ziele der Grünen, denen der Ausstieg aus der Kohleförderung und der CO₂-intensiven Verstromung gar nicht schnell genug gehen kann.

Doch in der Not bleibt offenbar kein Platz für Klimaschutz. Jedenfalls nicht, wenn die Energiewende über Jahrzehnte verschlafen wurde. Habecks verzweifelter Griff zur Kohle ist Deutschlands Quittung für die immer wieder hinausgezögerte Energiewende. Zweifelsohne kostet der Weg zu erneuerbaren Energien Milliarden. Aber hätten die Vorgängerregierungen dieses Geld in Fotovoltaik, Wind- und Wasserkraft investiert statt in russisches Gas und Pipelines, müsste Deutschland sich jetzt nicht an das Auslaufmodell Kohle klammern.

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Habeck muss Deutschland mit dem Erbe seiner Vorgänger durch den Winter bringen. Er darf sich darauf aber nicht ausruhen. So wie die Kohleverstromung Teil seines Notfallplans ist, so braucht es endlich einen Notfallplan für den Ausbau der erneuerbaren Energie. Sonst bleibt uns auch in Zukunft nur der hilflose Griff zur Kohle.

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