Hilfsorganisationen klagen Flüchtlingselend an

Die Bedingungen im Flüchtlingslager in Moria auf Lesbos stehen international hart in der Kritik.

Die Bedingungen im Flüchtlingslager in Moria auf Lesbos stehen international hart in der Kritik.

Athen. In einem am Montag veröffentlichten gemeinsamen Brief an Ministerpräsident Alexis Tsipras klagen Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen schwere Missstände in den überfüllten Unterkünften an und fordern einen Kurswechsel in der Migrationspolitik.

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Athen steht wegen der erbärmlichen Zustände in den Lagern international zunehmend in der Kritik. Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, die Bürgermeister der betroffenen Inseln und die Uno-Flüchtlingsagentur UNHCR schlagen seit Wochen immer wieder öffentlich Alarm. Geschehen ist bisher wenig. Jetzt äußern 19 Organisationen in einem offenen Brief an Premier Tsipras „tiefe Besorgnis über die Lebensbedingungen von Tausenden Frauen, Männern und Kindern, die Asyl suchen und auf den Ägäisinseln gefangen sitzen, währen der Winter bevorsteht“. Zu den Absendern des Briefs gehören international renommierte Organisationen wie Amnesty International, die Internationale Föderation für Menschenrechte, Human Rights Watch, die Norwegische Flüchtlingshilfe, Care und Oxfam.

Schleppende Asylverfahren sorgen für Überfüllung der Lager

In ihrem Appell schildern die Absender die katastrophalen Zustände in den Lagern. Als „besonders kritisch“ bezeichnen sie die Lage in den Aufnahmezentren auf Lesbos und Samos, wo mehr als 8000 Menschen in Unterkünften hausen, die nur für 3000 Bewohner ausgelegt sind. „Auf Lesbos leben mehr als 5400 Menschen in überfüllten Zelten und Containern, mit unzureichendem Zugang zu Nahrung, Wasser, sanitären Einrichtungen und medizinischer Versorgung“, heißt es in dem Schreiben. Menschen hausen zusammengepfercht in Zelten, häufig trennt nur eine aufgehängte Plane eine Familie von der anderen. „Die Lebensbedingungen sind besonders hart für schwangere Frauen“, schreiben die Verfasser des Briefes. „Campingzelte, die für zwei Personen bestimmt sind, dienen jetzt als Unterkunft für ganze Familien mit bis zu sieben Mitgliedern.“

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Manche Flüchtlinge leben bereits seit dem Inkrafttreten des Flüchtlingspaktes zwischen der EU und der Türkei vor fast 19 Monaten unter diesen Bedingungen auf den Inseln. Nach den Bestimmungen des Abkommens, dürfen sie erst dann aufs Festland weiterreisen, wenn positiv über ihre Asylanträge entschieden ist. Abgelehnte Asylbewerber sollen in die Türkei zurückgeschickt werden. Aber die Asylverfahren ziehen sich über viele Monate hin. Da immer mehr Menschen über die Ägäis nachkommen – allein am vergangenen Wochenende 391 - , nimmt die Überfüllung in den Lagern zu. Die Regierung argumentiert, sie müsse nach den Bestimmungen des Flüchtlingsabkommens die Menschen auf den Inseln festhalten. Die Hilfsorganisationen lassen dieses Argument aber nicht gelten: „Asylsuchende unter Verletzung ihrer Rechte in Bedingungen festzuhalten, die ihr Wohlergehen und ihre Würde verletzen, kann nicht gerechtfertigt werden“, heißt es in dem Brief an Ministerpräsident Tsipras.

Von Gerd Höhler/RND

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