Sorge um Verwandtschaft in der Ukraine

Hoffen und beten: Boris Johnson will Nachholen von Familien aus Ukraine vereinfachen

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, entzündet eine Kerze während eines Besuchs in der ukrainischen Eparchie Holy Family of London.

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, entzündet eine Kerze während eines Besuchs in der ukrainischen Eparchie Holy Family of London.

London. Damit hatte an diesem Sonntag niemand gerechnet. Premierminister Boris Johnson tauchte überraschend in einer ukrainisch-katholischen Kirche im Zentrum Londons auf, während des Gottesdienstes. Viele Gläubige zückten ihre Smartphones, um den unerwarteten Besuch zu dokumentieren.

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Was der 57-Jährige hinter dem Altar stehend sagte, stimmte viele hoffnungsvoll. „Wenn Unschuldige Opfer einer Attacke werden“, sagte er, „können wir in Großbritannien nicht die Augen davor verschließen.“ Denn die Ukraine sei ein Nachbar. Deshalb wolle man „so großzügig wie möglich“ sein.

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Menschen, die Verwandte in der Ukraine haben, sollen diese so schnell wie möglich nachholen können, versprach Johnson. „Es war ein sehr spiritueller Moment“, und „er hat eine tolle Rede gehalten“, sagte der Bischof der Kirche, Kenneth Nowakowski einen Tag später bei einer Pressekonferenz in einem Nebenraum der kleinen Kathedrale. Der Premier habe dargelegt, was er plant, und ermutigt, in Kontakt zu bleiben. „Wir müssen sehen, wie weit das führt.“

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Innenministerin zeigt Bedingungen auf

Dass das Ganze jedoch nicht so einfach werden würde, wurde am gleichen Tag im Parlament deutlich. Innenministerin Priti Patel bestätigte in einer äußerst kurz gehaltenen Rede vor den Abgeordneten am Montag zwar, dass Familienmitglieder nachkommen können, allerdings nur unter ganz bestimmten Bedingungen.

Ukrainer, die die britische Staatsangehörigkeit erhalten haben oder ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht haben, können ihre Ehepartner und Kinder, die unter 18 Jahre alt sind, ihre Eltern nachholen. Für Geschwister, volljährige Kinder oder Großeltern galt dies zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Außerdem müssen Ukrainer und Ukrainerinnen einige Sicherheitskontrollen bestehen, bevor sie einreisen dürfen. Kriegsflüchtlingen ohne Asylverfahren Schutz garantieren, wie es die Europäische Union angekündigt hat, wolle man in Großbritannien nicht. Patel begründete dies damit, dass sie „strengste Sicherheitshinweise“ befolge.

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Es sind diese strengen Regeln, die viele Ukrainer in Großbritannien dieser Tage in die Verzweiflung trieben, darunter auch Alan Mills. Der 50-jährige britische Staatsbürger versucht aktuell, ein Visum für seine Schwiegermutter zu besorgen, um sie aus dem Kriegsgebiet zu befreien. Doch dies gestaltet sich schwierig, wie er dem britischen Sender Sky News berichtete. Sie käme nicht aus der Ukraine heraus, weil die britische Regierung zusätzliche Dokumente verlange, auf die sie keinen Zugriff habe.

Die 67-Jährige habe ihre Wohnung in der Großstadt Schytomyr, etwa 130 Kilometer westlich von Kiew, verlassen müssen, um einem Artilleriefeuer zu entkommen. Derzeit, so berichtet die Familie, lebt sie bei einer Freundin in einem Dorf in der Nähe. Aufgrund des andauernden Beschusses könne sie nicht in ihren Heimatort zurückkehren, um die Dokumente zu holen, „also steckt sie fest“, sagte Mills. Denn „das Letzte, woran Flüchtende denken, ist Papierkram.“

Mills forderte die britische Regierung deshalb dazu auf, die Bestimmungen weiter zu lockern, damit mehr Familienmitglieder aus dem Kriegsgebiet herausgeholt werden können. „Bitte, bitte, bitte lockern Sie Ihr Visumsverfahren, bitte helfen Sie einfach“, flehte er.

Auf mehr Unterstützung und Hilfe vonseiten der Regierung hofft auch Iryna Terlecky, Vorsitzende einer Vereinigung, die sich für die Rechte ukrainischer Frauen in Großbritannien einsetzt. Man stehe in ständigem Kontakt zu Mitgliedern der Regierung und mache Vorschläge, wie man die Situation verbessern könne.

„Wir reden mit ihnen und warten dann darauf, ob sie tatsächlich etwas tun“, sagte sie im Rahmen der Pressekonferenz in der ukrainisch-katholischen Kirche der Londoner „Eparchie der Heiligen Familie der Ukrainer“ am Montag dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Tatsächlich kündigte Boris Johnson am Dienstag bei seinem Besuch in Polen an, dass es Menschen, die aus dem Kriegsgebiet flüchten müssen, nun leichter gemacht werden soll, zu ihren Familienangehörigen nach Großbritannien zu kommen.

Ein Sprecher des Premierministers sagte, dass im Vereinigten Königreich lebende Ukrainer zusätzlich zu den unmittelbaren Familienmitgliedern nun auch „Großeltern, Kinder über 18 und Geschwister“ nachholen dürfen.

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