Immobilienexperte: „Viel Bauland liegt einfach so da“

Eine Baustelle für Mehrfamilienhäuser in Hannover (Symbolbild).

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München. Herr Professor Harald Simons, in Lech am Arlberg gibt es eine Bausperre für Immobilienprojekte, die dem Gemeinwohl des Ortes nichts bringen. Wie finden Sie das?

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Das ist ähnlich wie die Einheimischenmodelle, die man etwa von den Gemeinden im Münchner Umland kennt. Ich frage mich, ob das tatsächlich verfassungsgemäß ist. Denn es gibt dabei eine Diskriminierung zwischen zwei Personengruppen: Der Staat beschließt, dass Nichteinheimische – also Leute, die nicht schon fünf oder zehn Jahre am Ort leben – schlechter behandelt werden als Einheimische. Oder sie werden wie in Lech ganz ausgeschlossen, wenn sie nicht bestimmte Ziele verfolgen. Über diese Pro­ble­matik hat es aber noch kein Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegeben.

Die Menschen vor Ort können sich aber das Leben in der Heimat nicht mehr leisten, wenn sie keinen Grund und Boden besitzen.

Ich weiß, das sehe ich ein, aber es handelt sich dennoch um eine staatliche Diskriminierung. Damit habe ich grundsätzlich ein Problem.

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Der Immobilienexperte Harald Simons.

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Wie ist die Situation in den touristischen Hotspots in Deutschland? Gibt es eine ähnliche Entwicklung?

Natürlich sind Immobilien im bayerischen Alpenraum, an der Nord- und Ostsee – Paradebeispiel Sylt – nicht billig, sondern sehr teuer. Aber am teuersten ist es nicht etwa in Bad Tölz, sondern in den attraktiven Städten: München liegt auf Platz eins, gefolgt vom Münchner Landkreis. Weiter geht es mit Orten wie Frankfurt, Hamburg, Heidelberg oder Regensburg. Hohe Preise sind vor allem ein Stadtthema.

Immer wieder wird kritisiert, dass es so viele Zweitwohnungen gibt, die nur für den Urlaub genutzt werden. Wo nimmt diese Entwicklung zu?

Mein Gefühl sagt: hauptsächlich in Brandenburg, in einem weiten Kreis um Berlin herum. Zahlen gibt es keine. Da kaufen viele ihre Zweitimmobilie auf dem Land. Das ist aber ein Nachholeffekt, und ich sehe das eher positiv. Denn dort gab es sehr viel Leerstand. Die Einheimischen sagen: Juhu, endlich kommt einer, der mal dieses Haus in Angriff nimmt.

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In welche Gegenden geht der Trend beim Wohnen?

Es gibt den Begriff der „Schwarmstadt“ – gemeint sind angesagte Orte wie der Prenzlauer Berg in Berlin oder das Münchner Glockenbachviertel. Damit ist es jetzt vorbei. Seit zwei, drei Jahren sehen wir deutliche Veränderungen: Junge Familien mit deutschem Pass zieht es nicht mehr in die Städte und auch nicht an die Stadtränder – und zwar schon deutlich vor Corona. Sie gehen häufig richtig aufs Land – in die Vulkaneifel, die Uckermark oder nach Altötting. Dort steigen die Preise für Einfamilienhäuser mit gleicher Rate wie in den Topstädten, von niedrigerem Niveau aus natürlich.

Wovon sollen die Menschen denn dort leben?

Der gesamte Arbeitsmarkt hat sich drastisch verändert, es herrscht überall Mangel an Arbeitskräften. Ein Beispiel: Eine junge Lehrerin oder Ärztin und ein Ingenieur ziehen mit kleinen Kindern aufs Land. Lehrerinnen und Ärztinnen werden überall mit Kusshand genommen. Und der Ingenieur arbeitet zwei oder drei Tage in der Woche im Homeoffice und fährt gelegentlich in die Stadt zu seinem Arbeitgeber.

Gibt es in Deutschland das Problem, dass Reiche und Superreiche Wohnungen lediglich als Wertanlage, als Betongold kaufen?

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Diese Diskussion ist nicht neu, nach dem Motto: Reiche Russen kaufen sich Wohnungen und lassen sie leer stehen. Oder Ölscheichs. Wir suchen schon lange nach solchen Fällen, haben aber noch nie eine auffällige Ansammlung gefunden. In Frankfurt etwa gab es ein Neubauprojekt, wo hauptsächlich Chinesen kauften. Bei näherer Betrachtung hat man gesehen: Ja, da sind Chinesen, die haben davor aber auch schon in Frankfurt gewohnt.

Zurück zur Einheimischendebatte: Sollen junge Menschen in Bad Tölz oder an der Nordsee eben einfach wegziehen?

Darauf läuft es hinaus. Auf Sylt ist das so, die Sylter selbst wohnen nicht mehr auf der Insel, sondern auf dem Festland.

Was kann man dagegen tun?

Erst einmal gehört es zur ehrlichen Debatte zu sehen: Unter den Einheimischen gibt es auch große Profiteure. Manche haben sich am alten Häuschen von der Oma eine goldene Nase verdient, von den Baulandbauern ganz zu schweigen. Beim Blick auf die gesamte Republik sieht man: Es gibt sehr viele Bauplätze, die nicht verkauft werden, sondern so daliegen. Die Leute sagen: Vielleicht möchte meine Tochter mal zurückkehren. Die lebt zwar seit Jahren in New York und ist dort verheiratet, aber man weiß es ja nicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auf dem Papier existiert enorm viel Bauland für junge Menschen, in der Realität kommt man aber an nichts ran. Dieses Problem ist größer als das andere, dass Einheimische sich nichts mehr leisten können.

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Ihre Empfehlung?

Schon lange ist es ein Ärgernis, dass das Halten von Bauland oder von Immobilien sehr billig und unsere Grundsteuer im Grunde ein Witz ist. In Großbritannien, den USA oder Japan ist das richtig teuer. Die Grundsteuern liegen dort bei 10 bis 14 Prozent des gesamten Steueraufkommens, in Deutschland ist das ein Prozent. Ergebnis: Das Bauland liegt so rum. Ich glaube nicht, dass es in Deutschland eine echte Knappheit gibt. Würden alle verkaufen, hätten wir einen Überschuss, und die Preise würden in den Keller rauschen.

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