Impfen ohne Leckerlis: Was die CDU-Politikerin und Tierärztin Sabine Buder jetzt vorhat

Die Tierärztin Sabine Buder (CDU).

Die Tierärztin Sabine Buder (CDU).

Berlin. Die Schwester setzt die Biontech-Spritze, sanft, aber schnell, die Seniorin krempelt ihren Pulloverärmel wieder herunter, der junge Arzt überreicht ihr das Impfbuch mit der Booster-Eintragung. „Bitte setzen Sie sich noch 15 Minuten nach vorne“, gibt er ihr mit auf den Weg. Dann kommt die nächste Patientin, ebenfalls dritte Impfung, die Aufklärung fällt kurz aus, es ist alles gesagt. Dann ein Mann, zweite Dosis. „Wann habe ich jetzt endlich Ruhe?“, fragte er nur und wo er den Code für die App abholen kann.

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Impfalltag in einer Oranienburger Arztpraxis, Routine nach mehr als einem Jahr Impfkampagne. Sabine Buder schaut zu, fragt nach den Kanülen und dem Aufziehen des Impfstoffs. „Also das traue ich mir auch zu“, sagt sie schließlich.

Impfen gehört in ihrem Beruf schließlich zum täglichen Geschäft. Ihre Patienten sind nur meist behaarter, mal tragen sie Hörner, mal haben sie Klauen, mal Krallen. Gibt es Impfgegner unter ihnen, wehren sie sich mit Knurren, Kratzen und Beißen. Um das zu vermeiden, krault Buder sie hinten am Kopf und gibt ihnen Leckerlis. Dazu säuselt sie „du Feiner, du Schöner“.

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Auf Instagram schreibt sie: „Ihr seht, Akzeptanz in der Corona-Impfung herzustellen könnte so einfach sein.“ Die Sprüche macht Buder immer noch selbst, bevor sie ihr jemand wegnimmt.

Buder absolviert Schulung zur Corona-Impfung

Sabine Buder ist Tierärztin mit eigener Praxis in Biesenthal in Brandenburg. Die 37-Jährige gehört zu den rund 1000 Tierärzten bundesweit, die bereits eine Onlineschulung für die Covid-19-Impfkampagne absolviert haben. Das ist jedenfalls die Schätzung der Bundestierärztekammer. In Oranienburg folgt der praktische Teil, auch ein Impfzentrum möchte sie sich noch anschauen. Seit Dezember dürfen Apotheker, Tier- und Zahnärzte laut Gesetz mitimpfen, bislang aber nur theoretisch. Wann Buder in ihrer eigenen Praxis zum „Impfturbo“, wie sie es nennt, beitragen kann, ist noch völlig unklar.

Bleibt also erst einmal: ein selbstironisches Selbstporträt, diesmal nicht mit Leckerlis, sondern mit Injektionsrevolvern. Buder steht im grünen Overall in einem Kälberoffenstall, eine Spritze in jeder Hand. „Für eine Herde brauche ich fünf Minuten“, sagt sie. Die Kommentare hat sie eingepreist. „Mit den richtigen Leuten mit dem richtigen Werkzeug ist bei einer ‚Querdenker‘-Demo der ganze Bestand ratzfatz durchgeimpft“, schreibt eine Leserin.

Aber die 37-Jährige hat sich natürlich nicht wegen ein paar flauer Witze gemeldet. Sabine Buder ist es ernst. Wie es ihr auch mit den CDU-Kandidaturen vergangenes Jahr ernst war. Seit 2018 ist sie in der Partei, vergangenes Jahr erkämpfte sie sich die Direktkandidatur für den Bundestag und holte das Brandenburg-weit beste Erststimmenergebnis. Es reicht trotzdem nicht für ein Mandat.

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Dann machte sie Schlagzeilen, als sie zur Wahl der Parteivorsitzenden antreten wollte – aber nicht nominiert wurde. Es hätte ein Signal sein sollen, sagt sie jetzt, direkt vor dem Parteitag. „Ich hatte nicht die Erwartungshaltung, Bundesvorsitzende zu werden. Aber mich ärgert, wie meine Partei öffentlich dasteht.“ Eine junge Frau, Quereinsteigerin, Mutter von vier Kindern und selbstständige Tierärztin – das hätte ein Signal ausgesendet, findet Buder noch heute. Aber ihr Kampf ist jetzt zunächst ein anderer.

Sie sieht ihre Mutter, Landärztin im 5000-Einwohner-Städtchen Biesenthal, in der aktuellen Corona-Welle untergehen. Impfen, testen, impfen, testen. Die Patientinnen und Patienten stehen in der Kälte bis auf die Straße. In der Praxis will sie aushelfen, wenn endlich die Formalitäten geklärt sind, ihre eigenen Sprechstunden bei den tierischen Patienten hängt sie dann hinten dran.

Buder will überzeugen

Sie sieht den harten Kern von Impfgegnern und traut sich auch das zu: hier einige zu überzeugen, gerade weil sie nicht Teil des Humanmedizinbetriebs ist.

Sie ist ungeduldig, wie sie es in der Politik auch ist. „Nach rund zwei Jahren Corona-Pandemie, die Bildungsbiografien nachhaltig schädigt, unsere älteren Mitmenschen vereinsamen lässt und die Wirtschaft ruiniert, ist es nun endlich möglich, sich als Tierarzt für die Impfkampagne zu qualifizieren. Dass ich das noch erleben darf!“, schreibt sie sarkastisch. Die Videos für die theoretische Fortbildung seien teilweise mehr als ein Jahr alt gewesen, beklagt sie sich, und die Bürokratie immer noch nicht geklärt. „Anscheinend braucht man uns doch nicht so dringend“, sagt sie und zwingt sich, ruhig zu bleiben.

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Ruhig will sie auch auf den CDU-Parteitag schauen, der nun ohne sie stattfindet. Friedrich Merz war ohnehin ihr Wunschkandidat: „Er ist genau der Richtige zu diesem Zeitpunkt. Wir sind Opposition, wir brauchen keinen weichgespülten Vorsitzenden mehr, wir brauchen jemanden mit Eiern.“

Mittelfristig aber wünscht sie sich eine Doppelspitze für die CDU – Mann und Frau, alt und jung, West und Ost gemeinsam. Nur keine Laschets mehr, die nach der Wahlniederlage sagen, so schlimm sei es gar nicht gewesen, nachdem die Partei im Osten bei der Bundestagswahl fast k. o. gegangen war.

In Brandenburg holte die CDU bundesweit das schlechteste Ergebnis. Und was sagt Sabine Buder: „Bei uns ist jetzt am meisten Luft nach oben.“ Optimismus hat sie sich bei aller Ungeduld auch noch bewahrt, Vielleicht sollte sie doch Vollzeitpolitikerin werden. Wenn die Impfkampagne vorbei ist.

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