„Der Krieg gegen Drogen ist gescheitert“

Kehrtwende in der Anti-Drogen-Taktik: Kolumbien stoppt Vernichtung von Kokafeldern

Vermummte Mitglieder einer Spezialeinheit der kolumbianischen Polizei nehmen an einem Einsatz zur Vernichtung von Koka-Plantagen teil. Kolumbien ist neben Peru und Bolivien einer der größten Prozenten von Kokain weltweit.

Vermummte Mitglieder einer Spezialeinheit der kolumbianischen Polizei nehmen an einem Einsatz zur Vernichtung von Koka-Plantagen teil. Kolumbien ist neben Peru und Bolivien einer der größten Prozenten von Kokain weltweit.

Bogotá. Kolumbiens Nationalpolizei hat die Vernichtung von Kokafeldern eingestellt und damit einen Kurswechsel im Kampf gegen den Drogenhandel eingeläutet. Der Fokus solle künftig darauf liegen, Kokainlieferungen abzufangen, sagte der neue Polizeidirektor Henry Sanabria in einem Interview der Zeitung „El Tiempo“. Zugleich sollen Farmer demnach Anreize zum Anbau von legalen Erntegütern erhalten.

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Sanabria war vergangene Woche an die Spitze der Nationalpolizei des südamerikanischen Landes gerückt. Die Vernichtungsaktionen auf Koka-Plantagen in abgelegenen Regionen seien erst kürzlich gestoppt worden, um die Folgen der Anti-Drogen-Politik für jene zu mindern, die am wenigsten für Drogenschmuggel verantwortlich seien, erklärte er.

Gustavo Petro, Kolumbiens neuer Präsident, gibt zur seiner Amtseinführung eine Rede auf der Plaza Simon Bolivar in der Hauptstadt Bogotá.

Gustavo Petro, Kolumbiens neuer Präsident, gibt zur seiner Amtseinführung eine Rede auf der Plaza Simon Bolivar in der Hauptstadt Bogotá.

Kolumbien hat Kokainexporten ins Ausland trotz aller Bemühungen bisher kaum etwas entgegensetzen können. Der kürzlich vereidigte linke Präsident Gustavo Petro kündigte an, neue Wege im Kampf gegen den Rauschgifthandel beschreiten zu wollen. „Der Krieg gegen Drogen ist gescheitert“, verkündete er bei seiner Amtseinführung Anfang August.

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Die bisherige Strategie führte vor allem zu einem Mehr an Konflikten

Zuvor gaben kolumbianische Regierungen jährliche Zielmarken für die Zerstörung von Kokafeldern vor. Tausende Polizisten und Soldaten wurden dann auf Plantagen geschickt, um die Sträucher mit der Hand aus dem Boden zu rupfen. Aus der Luft wurde zudem Vernichtungsmittel auf Koka-Felder gesprüht, erst von speziellen Flugzeugen und zuletzt von Drohnen.

Die zwangsweise Vernichtung von Koka-Plantagen führte mitunter zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizisten und Farmern. Letztere beklagen, dass der Mangel an Infrastruktur in abgelegenen Gegenden Kolumbiens den Anbau anderer Erntegüter wirtschaftlich unrentabel mache. Im Laufe der Jahre wurden Dutzende Beamte, die an Zerstörungen der Kokafelder beteiligt waren, von Scharfschützen getötet oder durch Landminen verletzt.

Zerstörung von Plantagen zeigte kaum Wirkung

Die Einsätze auf den Plantagen wurden von den Vereinigten Staaten zwar finanziell und technisch unterstützt, doch hat dies kaum zur Eindämmung des Kokainhandels beigetragen. Laut dem im Weißen Haus ansässigen US-Büro für nationale Drogenkontrolle stieg das jährliche Kokain-Produktionspotenzial in Kolumbien von 273 Tonnen im Jahr 2011 auf 972 Tonnen im vergangenen Jahr. Das Büro schätzt, dass sich die für den Koka-Anbau genutzten Flächen in diesem Zeitraum verdreifacht haben.

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Kolumbiens neuer Justizminister Néstor Osuna betonte am Dienstag, dass Kokain in seinem Land illegal bleiben werde. Allerdings könnten Farmer für den Anbau von Kokablättern zum medizinischen Gebrauch eine Lizenz bekommen. Osuna bestätigte, dass die Polizei und Justiz sich künftig auf die Zerschlagung von Drogenbanden und Firmen fokussieren werde, die Geld für Rauschgifthändler wüschen.

RND/AP

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