Katholische Kirche: Synodaler Weg für Segnung homosexueller Paare und Frauen in Weiheämtern

Der Synodale Weg hat am Samstag über weitreichende Reformen abgestimmt.

Der Synodale Weg hat am Samstag über weitreichende Reformen abgestimmt.

Frankfurt a. M. Angesichts der Vertrauenskrise in der katholischen Kirche gibt es auch unter den deutschen Bischöfen eine wachsende Bereitschaft zu weitreichenden Reformen. Bei den dreitägigen Beratungen im Rahmen des katholischen Reformprozesses Synodaler Weg in Frankfurt am Main verständigten sich die Delegierten darauf, dass einige Neuerungen wie eine stärkere Beteiligung der Gläubigen an der Bischofswahl schon zeitnah umgesetzt werden sollen.

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Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, rief die Bischöfe zu eigenständigen Reformen auf. Man dürfe nicht erwarten, dass die Weltkirche Probleme löst, die man selbst vor Ort in die Hand nehmen müsse.

Besonders die Frauenrechte in der Kirche seien ihr ein Anliegen. „Menschenrechte in der Kirche sind erst dann Realität, wenn es Gerechtigkeit für alle Geschlechter gibt“, sagte Stetter-Karp nach dem Abschluss der Beratungen am Samstag und fügte hinzu: „Wir geben uns nicht mit Häppchen zufrieden.“

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Bätzing: „Wollen das Frauen in der Kirche Zugang zu sakramentalen Ämter erhalten“

„Die Versammlung hat geliefert“, sagte die ZdK-Präsidentin angesichts von Beschlussfassungen zu sogenannten Handlungstexten unter anderem zur Öffnung von katholischen Weiheämtern für Frauen und zu Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. Doch wenn wichtige Texte bei der nächsten Synodalversammlung nicht final beschlossen würden, könne das umfassende Reformwerk, das sich das ZdK zusammen mit den Bischöfen vorgenommen habe, nicht gelingen.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, nannte die dritte Synodalversammlung einen großen Erfolg und zugleich einen Zwischenschritt. „Wir wollen, dass Frauen in der Kirche aufgrund ihrer gleichen Würde Zugang zu Diensten und sakramentalen Ämter erhalten“, sagte der Limburger Bischof. Der Synodale Weg habe gute Argumente für eine Öffnung vorgelegt. Wer Frauen auch weiterhin vom sakramentalen Dienst ausschließen wolle, müsste bessere Argumente finden.

Er glaube grundsätzlich an eine Verständigung mit dem Vatikan. „Sicher nicht in allen Punkten und nicht als Automatismus“, schränkte er ein. Niemand dürfe glauben, dass es in einer so wesentlichen Frage wie der Öffnung von Weiheämtern für Frauen eine schnelle Lösung geben könne. Aber die Weltkirche sei mehr als Rom. Die Themen, die der Synodale Weg verhandele, seien auch für die katholische Kirche in anderen Ländern drängend.

Diskussion über Vertrauenskrise durch Missbrauchsskandal

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, hatte die deutschen Bischöfe bei der Versammlung ermahnt, bei ihren Reformbemühungen nicht die Einheit mit Rom aus den Augen zu verlieren. Papst Franziskus liege Synodalität in der katholischen Kirche sehr am Herzen. Die synodale Kirche verlange die Teilnahme aller, dürfe jedoch nicht mit Parlamentarismus gleichgesetzt werden, sondern sei eine Gabe des Heiligen Geistes und auf das Wort Gottes ausgerichtet.

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Mit großer Mehrheit sprachen sich die Delegierten auch für Änderungen im kirchlichen Arbeitsrecht aus. Die von Beschäftigten zu erwartende Loyalität werde „auf ein Mindestmaß“ begrenzt, sagte Bätzing. „Die persönliche Lebensführung bleibt außen vor.“

Die 230 Delegierten des Synodalen Wegs hatten seit Donnerstag in Frankfurt bei ihrer dritten Vollversammlung insbesondere über Konsequenzen aus den Fällen sexualisierter Gewalt und der damit verbundenen Vertrauenskrise diskutiert. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hatte den Reformdialog zusammen mit der katholischen Deutschen Bischofskonferenz 2019 ins Leben gerufen. Die fünfte und abschließende Synodalversammlung ist für 2023 geplant.

Katholische Jugend dringt auf Veränderungen

Die katholische Jugend dringt nach der dritten Tagung des Reformdialogs Synodaler Weg auf konkrete Veränderungen in Strukturen und Lehre der katholischen Kirche. Es reiche nicht aus, Texte zu beschließen, erklärte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Gregor Podschun, am Samstag in Düsseldorf. „Ohne eine grundsätzliche Änderung der Machtstrukturen in der katholischen Kirche hat der Synodale Weg keine Zukunft.“ Die Bischöfe und Generalvikare müssten die Beschlüsse der Synodalversammlung in Frankfurt am Main jetzt rasch umsetzen.

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Der Dachverband der katholischen Jugendverbände mit rund 660.000 Mitgliedern begrüßte die Beschlüsse als „deutliche Fortschritte für die katholische Kirche und notwendige Grundlagen zu systemischen Veränderungen“. Insbesondere der Beschluss zu Macht und Gewaltenteilung enthalte ein „weitreichendes Umdenken zu den Strukturen und Handlungen“. Zugleich zeigte sich Podschun skeptisch: Die katholische Kirche habe nach wie vor „Nachholbedarf im demokratischen Handeln“, so müssten Laien auf allen Ebenen gleichberechtigt beteiligt werden.

Der BDKJ warb auch für die katholische Queer-Initiative #outinchurch, bei der sich 125 Mitarbeitende der Kirche als nicht heterosexuell geoutet hatten. Die katholische Kirche habe „in den Schlafzimmern nichts zu suchen“ und Menschen dürften „kein weiteres Leid durch eine veraltete Sexuallehre der katholischen Kirche erfahren“, betonte Podschun.

RND/epd

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