Lehrerverband fordert Meldepflicht für Judenhass

Heinz-Peter Meidinger ist Bundesvorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes und Schulleiter eines Gymnasiums in Deggendorf.

Heinz-Peter Meidinger ist Bundesvorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes und Schulleiter eines Gymnasiums in Deggendorf.

Berlin. Nach mehreren antisemitischen Vorfällen in deutschen Schulen fordern auch die Lehrer mehr Anstrengungen, um Hass unter Jugendlichen zu begegnen. Ein Gespräch mit Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes und Schulleiter eines Gymnasiums in Deggendorf.

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Herr Meidinger, brauchen wir eine Meldepflicht für antisemitische Vorfälle im Schulbereich?

Eindeutig ja, es ist untragbar, dass die Bundesländer dazu bislang keine Auskunft geben können, weil solche Vorfälle statistisch nicht erfasst werden. Ich würde die Forderung nach einer Meldepflicht auch noch erweitern, neben antisemitischen Vorfällen auch auf antireligiöses Mobbing generell und auf Gewaltvorfälle an Schulen. Auch bei Letzteren führt jedes Bundesland seine eigene Statistik mit ganz eigenen Erfassungskriterien.

Benötigen Lehrer mehr Lehrplan-Unterstützung, um antijüdische Ressentiments behandeln zu können?

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Lehrkräfte, die Fächer wie Politik, Ethik, Deutsch und Ähnliches unterrichten, müssten eigentlich genügend Fachwissen und Sensibilität haben, um richtig reagieren zu können. Allerdings erleben wir, dass Lehrkräfte, die beispielsweise Naturwissenschaften unterrichten, verunsichert sind, wie sie mit antisemitischen Äußerungen umgehen sollen, weil sie darauf nicht vorbereitet sind. Das gilt aber beispielsweise auch für rechtspopulistische Einwürfe. Ich glaube, da müsste man in der Lehrerausbildung mehr tun. Dass sich dabei der „Staatsbürgerunterricht“ oft auf das Grundgesetz und auf Grundfragen der Demokratie beschränkt, ist wenig hilfreich. Für die jetzt Unterrichtenden brauchen wir mehr entsprechende Fortbildungsangebote.

Ist es gesellschaftspolitisch schon zu spät, wenn der Antisemitismus die Klassenzimmer erreicht?

Es ist nie zu spät, aber selbstverständlich entsteht der Antisemitismus nicht in der Schule. Schule ist Spiegelbild der Gesellschaft. Ich würde neonazistischen Antisemitismus und islamischen Antisemitismus nicht gleichsetzen, aber in den Aussagen gibt es doch erschreckende Überschneidungen. Ich zitiere dazu einmal die Wortmeldung eines Schülers mit arabischem Migrationshintergrund bei der Behandlung des Holocaust im Geschichtsunterricht: „Da haben die Nazis das mit den Juden gemacht, was jetzt die Juden mit den Palästinensern machen.“

Hören Lehrer der Einfachheit halber schon mal eher weg?

Generell hoffentlich nicht. Es gibt aber an einer Reihe von Brennpunktschulen mit sehr hohem entsprechenden Migrationsanteil doch eine Art Resignation, Vermeidungsstrategien, vielleicht auch Kapitulation bei einzelnen Lehrkräften. Da vermeidet man es, im Unterricht den Nahostkonflikt oder auch den Holocaust in der entsprechenden Ausführlichkeit zu behandeln. Man geht mit solchen Klassen nicht in „Schindlers Liste“. Der Synagogen- und KZ-Gedenkstätten-Besuch fällt aus und so weiter.

Braucht die Schule eine kraftvolle Debatte, wonach der Antisemitismus nicht zu Deutschland und schon gar nicht ins Klassenzimmer gehört?

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Die Politik hat leider bei verschiedenen Dingen systematisch weggeschaut – bei Antisemitismusvorfällen, bei antireligiösem Mobbing generell, aber auch bei der geringschätzigen, teilweise unerträglichen Behandlung weiblicher Lehrkräfte durch einzelne Schülergruppen mit Migrationshintergrund. Ja, wir brauchen eine kraftvolle Debatte darüber!

Von Dieter Wonka/RND

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