Präsident soll sich entschuldigen

Sexismusvorwurf: Litauens Präsident sorgt mit Bundeswehrvergleich für Wirbel

Litauens Präsident Gitanas Nauseda bei einem informellen EU-Gipfel.

Litauens Präsident Gitanas Nauseda bei einem informellen EU-Gipfel.

Vilnius. Litauens Präsident Gitanas Nauseda hat mit Äußerungen für Wirbel gesorgt, in denen er die Verpflichtungen seines Landes gegenüber der in dem Baltenstaat stationierten Bundeswehr mit einer Beziehung zwischen Mann und Frau gleichsetzte. „Die deutsche Armee ist bekanntlich kein Mädchen, das man zu einer guten Nacht am See unter freiem Himmel einladen kann. Dies ist eine ernsthafte Armee, der ein Ehevertrag angeboten werden muss, und dieser Ehevertrag muss die Verpflichtungen Litauens sehr klar festlegen“, sagte Nauseda in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview.

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Hintergrund seiner Aussagen war eine Debatte in Litauen, inwieweit Deutschland und sein Bündnispartner an der Nato-Ostflanke die Stationierung einer Brigade im Land vereinbart haben. Nauseda sagte, es sei im Interesse Litauens, eine Brigade stationiert zu haben, und machte dann den öffentlich vielfach kritisierten Vergleich. Die Aussage zog sowohl Vorwürfe des Sexismus und Forderungen nach einer Entschuldigung als auch Witze in sozialen Medien nach sich.

Die Präsidialkanzlei in Vilnius wies die Kritik zurück: „Jeder sieht im Text des Präsidenten, was er wirklich sehen will. Der Präsident sprach davon, dass Litauen so schnell wie möglich alle seine Verpflichtungen erfüllen muss, um die deutsche Brigade aufzunehmen.“ Mit der Verlagerung der Diskussion in den Bereich der Linguistik werde nur versucht, von dem unangenehmen Thema abzulenken, zitierten litauische Medien aus einer Stellungnahme.

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Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die Nato einen verstärkten Schutz der Ostflanke beschlossen. Deutschland soll dabei eine Kampftruppen-Brigade mit 3000 bis 5000 Soldaten für Litauen führen. Dies hatte Bundeskanzler Olaf Scholz im Juni bei einem Besuch in Vilnius zugesagt und mit Nauseda in einem gemeinsamen Kommuniqué festgehalten, das teils unterschiedlich ausgelegt wird. Überdies kann Litauen mangels Infrastruktur noch keine Brigade unterbringen.

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Das deutsche Konzept für die Brigade sieht vor, dass Waffen und Munition vor Ort vorgehalten werden sollen. Der Großteil der Soldaten wird aber in Deutschland bereitgehalten – und kann im Spannungsfall schnell verlegt werden. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht sagte am Samstag bei einem Besuch in Litauen, dass die Brigade innerhalb zehn Tagen einsatzbereit sein solle. Einzelne Teile der Einheit sollen zudem regelmäßig nach Litauen kommen, um gemeinsam mit Soldaten des Bündnispartners zu üben.

Mehrere litauische Politiker zeigten sich enttäuscht von Lambrechts Ankündigung. „Das ist nicht die Vereinbarung, die wir haben“, sagte etwa Außenminister Gabrielius Landsbergis.

RND/dpa

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