Maskenpflicht im Fernverkehr

DB-Betriebsrat warnt vor zunehmender Gewalt gegen Bahnpersonal

Bei einer Kontrolle in der S-Bahn Hannover-Minden stoßen Zugbeleiter auf zwei Männer. Diese weigern sich, Maske zu tragen. Die Polizei holt sie in Seelze aus dem Zug.

Die Kontrolle der Maskenpflicht wird zunehmend schwierig.

Berlin. Der Betriebsrat der DB Fernverkehr fürchtet einen Anstieg von Gewalt gegen Bahnpersonal. Er fordert, dass die Bundesregierung ihre Entscheidung zur Maskenpflicht in Fernverkehrszügen noch mal überdenkt. Es sei nicht nachvollziehbar, in einem ICE eine FFP2-Maske tragen zu müssen, während in Flugzeugen gar keine Maskenpflicht mehr gilt und auch im Nahverkehr unter Umständen keine Maskenpflicht mehr herrscht, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Manfred Scholze dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Ihm werde immer wieder von Kolleginnen und Kollegen erzählt, die angepöbelt, bespuckt und geschubst werden. Und das seien nur die minderen Angriffe, es habe auch schon schwere, gewaltsame Übergriffe gegeben. Die Zahl dieser Angriffe sei signifikant gestiegen und „durch die Maßnahme der Bundesregierung wird diese Zahl weiter steigen“, sagte Scholze.

„Wir sind keine Polizei auf den Zügen.“

Gerade in letzter Zeit sei es schwieriger für das Bahnpersonal geworden, die Maskenpflicht durchzusetzen. „Es gibt viele Leute, die das jetzt nicht mehr verstehen“ – und das Unverständnis dürfte sich durch den Wegfall der Maskenpflicht in Flugzeugen wohl verstärken, so Scholze. Schon jetzt müssten Zugbegleiter und Zugbegleiterinnen nach jedem Halt etliche Fahrgäste zur Maske ermahnen. Während viele nur murren und der Aufforderung nachkommen würden, gebe es eben auch Personen, die gewalttätig reagieren. Deshalb sei es „rücksichtslos“ gegenüber dem Bahnpersonal, die Maskenpflicht jetzt nicht aufzuheben. „Wir sind keine Polizei auf den Zügen.“ Die Unterscheidung zwischen Flugzeug und Zug könne Scholze auch deshalb nicht verstehen, weil die Luftqualität in Zügen besser sei als in Flugzeugen, was auch eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) beweise.

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Die Maskenpflicht in Flugzeugen soll zum 23. September auslaufen.

Keine Maskenpflicht mehr in Flugzeugen – ist das sinnvoll?

Nach langem hin und her steht nun fest: Die Maskenpflicht in Flugzeugen ist in Deutschland demnächst Geschichte. Dabei gilt der Mund-Nasen-Schutz im Kampf gegen die Corona-Pandemie als eines der wirkungsvollsten Instrumente. Kann das gut gehen?

Die Meinungen sind hier aber gespalten. Grundsätzlich wird die Luft in Flugzeugen schneller ausgetauscht und die eingesetzten HEPA-Filter sind deutlich besser als die in Zügen eingesetzten grobmaschigen G4-Filter. Wie groß der Unterschied zwischen dem Flugzeug und der Bahn tatsächlich ist, lässt sich wissenschaftlich aber kaum seriös beantworten.

Der Bundestag stimmte am Donnerstag dem neuen Infektionsschutzgesetz zu, sodass die Maskenpflicht in Flugzeugen künftig wegfällt, in Fernzügen aber weiter gilt. Im Nahverkehr sollen die Länder darüber entscheiden. Im Vorfeld hatten schon die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, der Verband Allianz pro Schiene sowie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) eine Abschaffung im Fernverkehr simultan zum Flugverkehr verlangt.

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