Nach Pandemiepause

Illegale Migration nimmt wieder zu

Österreich kontrolliert Reisedokumente an der Grenze zur Slowakei, nachdem die Tschechische Republik eine ähnliche Entscheidung getroffen hat.

Österreich kontrolliert Reisedokumente an der Grenze zur Slowakei, nachdem die Tschechische Republik eine ähnliche Entscheidung getroffen hat.

Brüssel/Berlin. Die illegale Migration von Griechenland durch die Staaten des westlichen Balkans nach Norden hat nach einer pandemiebedingten Pause wieder zugenommen. Um 141 Prozent sei die Zahl der irregulären Grenzübertritte im August im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen, erklärte die EU-Grenzschutzagentur Frontex und sprach von 15.900 Aufgegriffenen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Offenbar nutzen viele Menschen eine Route mit dem Endpunkt Tschechien. Dort sind nach Regierungsangaben seit Anfang Juni fast 9500 Migrantinnen und Migranten in der Grenzregion zur Slowakei aufgegriffen. Im gesamten Jahr 2021 waren es dagegen nur gut 1300. Die Folge: Es gibt wieder Polizeikontrollen an der Grenze zum Nachbarland Slowakei. Nach den Worten von Premierminister Petr Fiala handle es sich vor allem um Syrer, die Tschechien als Transitland nutzten, um von dort in andere EU-Staaten zu gehen.

Rechtsextreme kündigen Demonstrationen an

Das macht sich wiederum an der deutsch-tschechischen Grenze bemerkbar. Mit der Lage an den Grenzen zu Polen und Tschechien steht Sachsen im Brennpunkt sowohl der Ukraine-Fluchtbewegung als auch dem neuen Ende der Balkanroute.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Pro Tag holt die Bundespolizei derzeit im Schnitt 50 Menschen im Dresdner Hauptbahnhof aus Eurocity-Zügen, die von Prag Richtung Berlin fahren. Von dort werden sie auf Erstaufnahmeeinrichtungen in Sachsen verteilt. Dort sind bereits mehr als 5300 von 7300 Plätzen belegt. „Die Zahlen galoppieren regelrecht“, klagt Landesinnenminister Armin Schuster (CDU).

04.10.2022, Sachsen-Anhalt, Leuna: Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen sind vor dem Abendhimmel bei Leuna zu sehen. Foto: Jan Woitas/dpa/ZB - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++

Angst vor dem Blackout: So werden Stromausfälle verhindert

Wegen der Energiekrise haben manche Menschen Sorge, dass nun öfter Stromausfälle drohen oder sogar ein längerer Blackout. Experten halten das jedoch nicht für wahrscheinlich. Das europäische Versorgungsnetz kann bei Störungen sehr schnell gegensteuern, wie Beispiele aus der Vergangenheit zeigen.

Hinter vorgehaltener Hand beklagen sich die Sachsen über andere Bundesländer, die sich teilweise über Wochen gegen Zuweisungen von Neuankömmlingen sperren. Rechtsextreme Gruppen haben bereits angekündigt, demnächst vor den Erstaufnahmeeinrichtungen in Chemnitz und anderswo aufmarschieren zu wollen. Die Lage ist brenzlig.

„Die größte Flüchtlingsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg“

„Die Zahlen von Flüchtenden über die Westbalkanroute sind in der Tat angestiegen“, sagte der Bundestagsabgeordnete aus Dresden, Kassem Taher Saleh (Grüne), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Es besteht allerdings kein Grund zur Panikmache von rechtskonservativer Seite. Es darf nicht sein, dass jetzt auf mehr Kontrollen und ‚Migrationsabwehr‘ gesetzt wird. Diese Menschen haben ein Recht auf unsere Unterstützung.“ Der Freistaat Sachsen müsse sich „mit allen Mitteln für eine menschenwürdige Unterbringung der geflüchteten Menschen einsetzen“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Hauptstadt-Radar

Persönliche Eindrücke und Hintergründe aus dem Regierungsviertel. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der Migrationsforscher Gerald Knaus warnte vor „Geisterdebatten“, die nichts an den Migrationsbewegungen veränderten. „Es ist egal, ob diese Menschen über Tschechien, die Slowakei oder die Schweiz nach Österreich, Deutschland oder Frankreich kommen“, sagte Knaus dem RND: „Die meisten waren zuvor schon länger im EU-Staat Griechenland. Während der Pandemie waren es weniger, die von dort weiter nach Norden gingen.“ Gleichzeitig kämen aber weniger Migranten nach Griechenland. Dass die Migranten „nicht in Südosteuropa bleiben, liegt auch daran, wie sie dort behandelt werden“, sagt Knaus: „Das ist eine Asylwüste.“

Außerdem sei – verglichen mit der außergewöhnlich hohen Zahl der aus der Ukraine Geflüchteten – die Zahl derer, die 2022 irregulär aus anderen Ländern in die EU kommen, weiterhin gering. „Wir erleben dafür aus der Ukraine die größte Flüchtlingsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Knaus. „Das könnte im Winter stark zunehmen. Darauf sollten wir uns konzentrieren.“

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken