Neue Corona-Prämie: Pflegerat fürchtet Unfrieden – Ärzte wollen auch einen Bonus

Während Pflegekräfte auf Intensivstationen womöglich eine Bonuszahlung bekommen, könnten Ärztinnen und Ärzte erneut leer ausgehen.

Während Pflegekräfte auf Intensivstationen womöglich eine Bonuszahlung bekommen, könnten Ärztinnen und Ärzte erneut leer ausgehen.

Die Politik will die hohe Belastung im Gesundheitswesen durch die Pandemie mit einer steuerfreien Corona-Prämie honorieren. Arbeitgeberinnen und -geber können dem Personal bis zu 3000 Euro Bonus zahlen, ohne dass dies versteuert werden muss. Doch Gesundheitsminister Lauterbach hatte erklärt, der Pflegebonus solle vor allem Pflegekräften bezahlt werden, die in der Corona-Pandemie besonders belastet waren. „Dann kann der Bonus auch in nennenswerter Höhe angesetzt werden“, sagte er im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Wer Anspruch auf diese Corona-Prämie hat, soll in Kürze in einem neuen Gesetz festgelegt werden. Der Deutsche Pflegerat hält jedoch von dieser Prämienzahlung nichts. „Die Corona-Prämie, und besonders die Begrenzung auf einige wenige Pflegekräfte, wird sehr viel Unfrieden stiften“, sagte Pflegeratspräsidentin Christine Vogler dem RND. „Die Pflege jetzt mit diesem Bonus für einige wenige zu spalten ist völlig falsch.“

Dauerhafte Verbesserungen statt einmalige Prämie

Der Deutsche Pflegerat hatte bereits die vorangegangenen Corona-Prämien kritisiert. „Jeder Pflegebonus ist aus unserer Sicht ein Eingeständnis, dass Menschen in der Pflege viel zu wenig verdienen“, sagte Ende 2021 Vogler im RND-Interview. Nun erneuerte sie ihre Kritik und erklärte: „Von Anfang an haben wir versucht, der Politik zu verdeutlichen, dass wir nicht mit einer Prämie abgespeist werden wollen, sondern dauerhafte Verbesserungen in der Pflege brauchen.“

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Es sei völlig abwegig, herausfinden zu wollen, wer die höchste Belastung hatte. „Egal ob stationär oder ambulant, Pflegende arbeiten an jeder Stelle in diesem Land unter einer hohen Belastung und mit viel Verantwortung.“ Der Deutsche Pflegerat schlägt daher eine Lohnsteuerbefreiung von bis zu 18000 Euro für alle aktiven Pflegefachpersonen vor.

Marburger Bund: Corona-Prämie für alle Ärzte

Kritik an der Prämienzahlung kommt auch von Deutschlands größter Ärzteorganisation, dem Marburger Bund. „Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum die Corona-Prämie auf Pflegekräfte von Intensivstationen beschränkt werden soll“, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna im RND-Interview. Ärztinnen und Ärzte würden schließlich im Team mit den Pflegekräften die Patientinnen und Patienten versorgen, seien ebenfalls einer hohen Belastung ausgesetzt und würden die Hauptverantwortung tragen.

„Hinzu kommt, dass auch das Personal auf den Normalstationen durch die Pandemie einer enormen Belastung ausgesetzt ist.“ Deshalb müssten Ärztinnen und Ärzte bei der Corona-Prämie genau so berücksichtigt werden wie Pflegekräfte.

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Bei der ersten Corona-Prämie habe man sich als Ärzteschaft ganz bewusst zurückgehalten und gesagt, jetzt ist die Pflege mal dran. Bei der zweiten Corona-Prämie habe man sich schon sehr geärgert, dass die Ärzte nicht berücksichtigt wurden. „Ein drittes Mal werden wir das nicht hinnehmen“, so Johna. Sie betonte: „Einige Ärzte sind so sauer, dass sie ernsthaft einen Tätigkeitswechsel in Erwägung ziehen.“

Gefahr von Neid und Ungerechtigkeit

Die Vorsitzende des Ärzteverbands gab zu denken, dass bei der Verteilung der Corona-Prämie immer die Gefahr bestehe, dass Neid und Ungerechtigkeiten entstehen. „Aber Unruhe oder gar Verteilungskämpfe können wir in den Kliniken jetzt am allerwenigsten gebrauchen. Das wäre Gift für die Arbeit in den Teams.“ Besser sei daher ein Steuerfreibetrag für alle patientennahen Beschäftigten im Gesundheitswesen.

Man dürfe auch nicht das Praxispersonal im ambulanten Bereich vergessen, fügte Johna noch hinzu. Dort habe es eine erhebliche Mehrbelastung gegeben, weshalb die Mitarbeitenden auch dort einen Anspruch auf einen Bonus haben sollten. „Corona-Impfungen, PCR-Tests und die Versorgung von Infizierten mit leichten Symptomen haben zu einem erheblichen Mehraufwand für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte geführt“, erklärte Johna.

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