Polizisten im Einsatz: ein Job, der Anerkennung verdient hat

Blumen liegen am Eingang der Polizeistation in Kusel (Rheinland-Pfalz).

Blumen liegen am Eingang der Polizeistation in Kusel (Rheinland-Pfalz).

Berlin. Das Tatmotiv ist fast so erschütternd wie die Tat selbst. Die beiden Mord­verdächtigen von Kusel wollten, so sieht es jetzt aus, lediglich ihre Jagdwilderei vertuschen. Dabei beträgt das Strafmaß auch in besonders schweren Fällen maximal fünf Jahre. Jetzt sind zwei Polizisten tot. Und die Verdächtigen werden mit ziemlicher Sicherheit nicht zu fünf Jahren, sondern zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Fataler geht es kaum. Als besonders schwerer Fall von Wilderei gilt nach Paragraf 292 Strafgesetzbuch übrigens, wenn sie „von mehreren mit Schusswaffen ausgerüsteten Beteiligten gemeinschaftlich begangen wird“.

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Die Schüsse auf eine junge Polizistin, die noch in der Ausbildung war, und einen jungen Polizisten im rheinland-pfälzischen Kusel zeigen einmal mehr auf erschreckende Weise, wie hochgradig gefährlich dieser Beruf ist. Er hat deshalb mehr denn je Anerkennung verdient.

Ja, angesichts des ebenso furchtbaren wie sinnlosen Verbrechens ist es angebracht, über die existenziellen Unwägbarkeiten zu sprechen, denen Beamtinnen und Beamte ausgesetzt sind, und das zunehmend. Das gilt ungeachtet der Tatsache, dass es bereits vor Jahrzehnten in links­extremistischen Kreisen verächtlich über Polizisten hieß, sie seien „Bullen“ und Repräsentanten eines „Schweinesystems“, die ohnehin keinen Schutz verdienten.

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Zunehmende Polarisierung

Heute erleben wir zunächst die wachsende gesellschaftliche Polarisierung im Kontext der Corona-Krise. Einerseits müssen Polizisten Regeln durchsetzen, die nicht immer widerspruchsfrei sind und sein können und über deren Nutzen man auch streiten darf – wobei das für andere Regeln und Gesetze ebenfalls gilt.

Andererseits sind sie bei Protesten gegen die Corona-Beschränkungen seit Monaten mit verbalen und physischen Angriffen konfrontiert, die mürbe machen – und kommen dabei, wie Niedersachsens Innen­minister Boris Pistorius (SPD) formulierte, derzeit „kaum noch aus den Stiefeln“.

Nicht selten sind dort Leute unterwegs, die einen Sozialarbeiter oder eine Sozialarbeiterin oder seelische Betreuung bräuchten und bei denen Ordnungshüter an Grenzen stoßen, selbst wenn sie psychologische Grundkenntnisse besitzen.

Polizisten und Polizistinnen müssen da jedenfalls eine Menge aushalten. Und manch einer wird sich abends vorm Zubettgehen öfter mal fragen: Wofür eigentlich? Man muss kein Prophet sein, um zu sagen: Das wird so weitergehen.

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Da ist ferner die tägliche Gefahr in Alltags­situationen, die sich nicht kalkulieren lässt. Bei jeder Polizei­kontrolle kann es zu einer Eskalation kommen – weil die Beamten und Beamtinnen unverhofft auf Kriminelle treffen oder bis dahin unauffällige Menschen die Kontrolle über sich selbst verlieren. In Kusel, wo Kriminelle am Werk waren, ist Ersteres geschehen, nachts um 4.20 Uhr auf einer Landstraße. Als es über den Polizeifunk hieß „Die schießen!“, war es schon zu spät. Ein 29-Jähriger und eine 24-Jährige – tot.

Wachsende Gewalt

Nein, so etwas passiert nicht alle Tage. Aber es kann passieren, jederzeit. Entsprechend zählte das Bundes­kriminalamt allein im Jahr 2020 bei 63 versuchten Mord- und Totschlagsdelikten 114 Opfer, 42 mehr als 2019 – ein Polizist kam um.

Man darf die Polizei bei anderer Gelegenheit auch kritisieren. Wie Vertreter vieler Berufsgruppen wissen die selbstkritischeren, wann Kritik angebracht ist und wann nicht. So oder so sollte man den rund 300.000 Polizistinnen und Polizisten aber mit Respekt begegnen und zuweilen einfach mal Danke sagen. Das hilft immer.

Sie tragen ein Risiko, das sonst kaum eine Berufsgruppe trägt: Sie können – wenn es ernst ist – von einer Sekunde auf die andere mit dem Leben bezahlen. Dies wertzuschätzen sollte einer menschlichen Gesellschaft selbstverständlich sein.

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