Parteichef Stefan Körner

Machtkampf hinter den Kulissen bei den Grünen

Umstritten: Der Landesvorsitzende der Grünen, Stefan Körner, der zum realpolitischen Flügel zählt.

Umstritten: Der Landesvorsitzende der Grünen, Stefan Körner, der zum realpolitischen Flügel zählt.

Hannover. Hinter den Kulissen der Grünen schwelt seit Wochen ein Machtkampf mit ungewissem Ausgang. Im Mittelpunkt steht mit dem Hannoveraner Stefan Körner einer der beiden Landesvorsitzenden, der Ende Oktober beim Parteitag in Celle wieder antreten will. Doch vor allem aus dem linken Lager wird Körner, der zu den sogenannten Realos zählt, Profillosigkeit vorgeworfen. Auch nach vier Jahren Amtszeit sei Körner als Landeschef kaum erkennbar, heißt es von vielen Seiten. „Ein Neuaufbrauch im Herbst wäre gut“, sagt etwa der frühere Landwirtschaftsminister Christian Meyer: „Aber das könnte auch ein erfahrener Realo sein“, fügt der aus dem linken Lager stammende Politiker Meyer hinzu. Notfalls werde er selbst gegen Körner antreten, aber das sei noch nicht entschieden.

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Realos winkten bereits ab

Meyer steht mit seiner Kritik an dem eher blassen Landesvorsitzenden Körner nicht allein. Doch sind Versuche der Linken bislang grandios gescheitert, einen Realo zur Kandidatur gegen den bisherigen Landeschef zu bewegen. Der frühere Grünen-Finanzexperte im Landtag, Gerald Heere, ein brillanter Redner, hat jedenfalls abgewinkt. „Ich habe gerade geheiratet und stelle mich beruflich neu auf“, sagt der Braunschweiger der HAZ. Auch sein früherer Landtagskollege Thomas Schremmer, dem viele Parteifreunde große Fähigkeiten attestieren, hat keine Lust sich gegen den Hannoveraner Körner in Stellung bringen zu lassen. „Ich habe nicht die Absicht gegen Stefan Körner meinen Hut in den Ring zu werfen“, sagt Schremmer. An einer Kampfkandidatur habe er ohnehin kein Interesse. Wenn die Rahmenbedingungen andere wären, hätte er grundsätzlich bereitgestanden, fügt Schremmer hinzu.

Dem 41-jährigen Körner wird von den Linken auch das schwache Ergebnis der Landtagswahl angelastet, bei der die Grünen auf acht ihrer ehemals 20 Landtagssitze verzichten mussten. Doch diesen Vorwurf lässt der Parteichef, der seit März dieses Jahres mit der Linken Anne Kura, die Geschäfte führt, nicht auf sich sitzen. Schließlich sei man als Spitzenteam mit fünf Personen angetreten, mit Realos und Linken. „Solche Auseinandersetzungen schaden der gesamten Partei“, sagt der Parteivorsitzende. Unter seiner Ägide sei die Partei auch auf 7000 Mitglieder angewachsen, den Prozess der Parteierneuerung habe er nach innen und außen vertreten. „Eine Kampfkandidatur würde ich nicht scheuen“, sagt Körner an die Adresse Meyers.

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Letzte Drohung Meyer?

Eine Kampfkandidatur Meyers würde immerhin das bisher übliche Schema bei den Grünen sprengen, das darin besteht, dass sich eine Linke und ein Realo das Vorstandsamt teilen. Denn Meyer zählt zum linken Lager will aber nicht gegen die Linke Anne Kura antreten. Ein mögliches Duo Meyer-Kura wäre wiederum für den früheren Umweltminister Stefan Wenzel eine schräge Konstellation, weil Kura früher Meyers Büroleiterin war. „Es wäre absurd, wenn der Ex-Chef mit der amtierenden Vorsitzenden kandidadiert“, sagt Wenzel, der zum Realo-Lager gehört. Er spricht von einer „Schmutz- und Zermürbungskampagne“ gegen Körner: „Wer jetzt mit Dreck wirft, sollte sich an die eigene Nase fassen.“ Andere Grüne betonen hingegen, es gehe nicht darum, mit Dreck zu werfen, sondern schlicht um die Profilierung des Landesverbandes, an der es gewaltig hapere. „Das ist auch kein Lagerstreit“, sagt eine erfahrene Grüne.

Von Michael B. Berger

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