RKI-Chef bekräftigt: “Von einer Entspannung kann man noch nicht ausgehen”

RKI-Chef Lothar Wieler mit den Ministerin Franziska Giffey und Jens Spahn.

RKI-Chef Lothar Wieler mit den Ministerin Franziska Giffey und Jens Spahn.

Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) drängt darauf, die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus weiter streng zu befolgen, um Lockerungen möglich zu machen. “Wir dürfen nicht nachlässig werden”, sagte Spahn am Donnerstag in Berlin gerade mit Blick auf das anstehende Osterfest. “Ostern wird eine Weggabelung. Bleiben wir konsequent, wird eine schrittweise Rückkehr zur Normalität wahrscheinlicher”, ergänzte der CDU-Politiker.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

+++Immer aktuell: Hier geht’s zum Corona-Liveblog+++

Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts, bekräftige seine Aussage vom Dienstag, von einer Entspannung könne man noch nicht ausgehen. “Die Zahl der neu übermittelten Fälle befindet sich weiter auf einem hohen Niveau”, sagte Wieler. 108.202 gemeldete Fälle liegen dem RKI derzeit vor, 2107 Menschen sind demnach bisher infolge einer Infektion verstorben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Anstieg der Infektionen wieder linear

Bundesgesundheitsminister Spahn ergänzte, mehr als 50.000 Corona-Erkrankte seien bereits wieder genesen, zudem sei der Anstieg der Infektionen nicht mehr exponentiell, sondern wieder linear. Dazu habe die deutsche Bevölkerung “durch umsichtiges Verhalten maßgeblich beigetragen”, sagte Spahn.

Aktuell würden 3000 Corona-Patienten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser behandelt, allerdings seien noch etwa 10.000 Intensivbetten frei. “Das macht es möglich, solidarisch mit unseren Nachbarländern zu sein”, betonte Spahn hinsichtlich aufkommender Spannung zwischen den EU-Mitgliedsstaaten und meinte die Aufnahme Infizierter etwa aus Frankreich und Italien.

Robert-Koch-Institut plant drei Studien

Trotz der Überlegungen, einzelne Maßnahmen nach und nach zurückzunehmen, betonte Spahn: “Es wird nicht alles wieder so werden wie es war. Wir werden weiter in und mit der Pandemie in Deutschland leben.” Über Wochen und Monate müsse man weiterhin auf Festival- oder Clubbesuche und Volksfeste verzichten.

Um mehr über die Verbreitung der Krankheit zu erfahren und die Dunkelziffer bestimmen zu können, plant das Robert-Koch-Institut drei Studien. Dazu soll das Blut von Blutspendern und das Blut von Menschen aus Corona-Ausbruchsgebieten auf Antikörper untersucht werden, sagte Wieler. Außerdem untersuche man das Blut einer repräsentativen Stichprobe im gesamten Bundesgebiet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Schon 160.000 Menschen nutzen die Datenspende-App

Die Corona-Datenspende-App, die das RKI am Dienstag an den Start gebracht hat, stößt in der Bevölkerung auf reges Interesse. Etwa 160.000 Nutzer hätten sich bereits angemeldet, sagte Wieler. „Das ist überwältigend.“ Anhand der Informationen möchte das Institut herausfinden, wie sich das Virus regional verbreitet hat. In drei Wochen sei mit ersten belastbaren Erkenntnissen zu rechnen, ergänzte Wieler.

Die Anwendung des RKI ist nicht zu verwechseln mit der Tracking-App, die laut Bundesregierung zeitnah einsatzbereit sein soll – und deren Befürworter auch Gesundheitsminister Spahn ist. “Eine schnelle Kontaktverfolgung ist ein entscheidender Schlüssel”, sagte der CDU-Politiker. Er sei der Überzeugung, dass eine solche App dabei eine große Hilfe leisten könnte. “Aber dann müssen auch hinreichend viele Bürger mitmachen.”

Giffey erwartet verzögerte Meldungen von häuslicher Gewalt

Bundesfamilien- und seniorenministerin Franziska Giffey (SPD) hat sich indes dagegen ausgesprochen, als Teil einer möglichen Exit-Strategie die Maßnahmen für jüngere Menschen zu lockern, für ältere aber aufrechtzuerhalten. “Ich bin nicht der Meinung, dass wir eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aufmachen sollten zwischen denen, die rausdürfen, und denen, die drinbleiben müssen”, sagte sie.

Außerdem erwartet Giffey als Folge der getroffenen Maßnahmen mehr Gewalt in Familien und gegen Frauen. Derzeit sei zwar noch keine signifikante Steigerung der Zahlen erkennbar, das liege aber an einem verzögerten Meldeverhalten. Die Möglichkeit, Hilfe zu rufen oder Übergriffe zu melden, sei derzeit eingeschränkt, sagte Giffey. In der Gegenwart ihrer Partner würden Opfer solche Anrufe nicht tätigen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken