Gegen EU-Sanktionen

„Schattenflotte“ mit Hunderten Schiffen: Russlands geheime Ölexporte

Der Öltanker San Sebastian liegt an den Docks der ISAB-Raffinerie in Priolo-Gargallo bei Syrakus, Sizilien.

Der Öltanker San Sebastian liegt an den Docks der ISAB-Raffinerie in Priolo-Gargallo bei Syrakus, Sizilien.

Die EU hat sich bereits vor Wochen auf Ölsanktionen gegen Russland geeinigt. Ab dem 5. Dezember darf kein russisches Rohöl mehr über den Seeweg in die Europäische Union eingeführt werden. Weltweit soll der Import von Erdölprodukten und Rohöl aus Russland per Schiff nur noch möglich sein, wenn das Öl unter einem bestimmten Preis gekauft wurde.

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Dagegen versucht Russland nun mit ungewöhnlichen Maßnahmen vorzugehen und das Öl trotz Sanktionen zu verschiffen. Moskau ist laut Bloomberg dabei, eine eigene weltweite Schattenflotte aufzubauen. Unzählige Öltanker wurden in den letzten Wochen an unbekannte Unternehmen, die noch immer mit Russland Geschäfte machen, verkauft. Diese sollen für Russland Öl in Zukunft transportieren, wenn europäische Reedereien sich wegen der Sanktionen aus dem Geschäft herausziehen.

Russland: Hunderte Schiffe „an Unbekannt“ verkauft

Christian Ingerslev, der Geschäftsführer der Reederei Maersk Tankers in Kopenhagen, sagte gegenüber Bloomberg: „Wenn man sich ansieht, wie viele Schiffe in den letzten sechs Monaten an Unbekannte verkauft wurden, ist es klar, dass eine große Flotte aufgebaut wird, um diese Ölladungen zu transportieren“.

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Der Schiffbauvermittler Braemar betont, dass diese neu gekauften Schiffe zu jenen 240 Schiffen addiert werden müssen, die im vergangenen Jahr iranisches und venezolanisches Rohöl transportiert haben. Sie werden Moskau auch weiterhin unterstützen, vier Millionen Barrel pro Tag in den Fernen Osten zu transportieren.

In den letzten Monaten sei auf dem Markt für gebrauchte Tankschiffe eine rege Kaufaktivität zu beobachten gewesen sein, die sich vor allem auf Öltanker konzentriere. „Seit dem Krieg und im Vorfeld des Stichtags am 5. Dezember hat der Handel mit Tankern durch unbekannte Unternehmen mit Sitz in Ländern wie Dubai, Hongkong, Singapur und Zypern stark zugenommen“, so Anoop Singh, Leiter der Tankerforschung bei Braemar. Viele dieser Schiffe seien schon älter und werden offenbar Teil der Schattenflotte Russlands.

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Zu diesen Schiffen zählt zum Beispiel der Tanker vom Typ Aframax, der etwa 650.000 bis 750.000 Barrel Öl durch flache Gewässer und aus flacheren Häfen transportieren kann. Allerdings muss Russland sein Öl zu Ramschpreisen verkaufen, um es überhaupt loszuwerden.

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Bloomberg rechnet zudem damit, dass immer häufiger Öl auf dem Meer von einem Tanker auf einen anderen Tanker umgeladen wird. So sollen kleine Ölmengen für längere Strecken auf größere Schiffe umgeladen werden. Denkbar sei eine Art Pendelverkehr, bei der kleinere Schiffe Öl außerhalb europäischer Gewässer bringen und es dort auf ein Supertankschiff umladen. Da sich die großen Schiffe außerhalb des europäischen Zugriffgebietes befinden, sei es für sie auch leichter, anonym zu bleiben.

Dass russisches Öl auf hoher See umgeladen und so die wahre Herkunft verschleiert wird, ist schon länger einer der Tricks von Russlands Ölexporten. Besonders China und Indien dürften nach dem 5. Dezember zu den Topabnehmern für russisches Öl werden und damit die EU-Sanktionen unterlaufen.

Über die EU-Sanktionen

Die ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten billigten mit dem neuen Sanktionspaket unter anderem die rechtlichen Voraussetzungen für einen Preisdeckel für Ölimporte aus Russland. Damit schaffen die EU-Staaten die Grundlage dafür, dass Russland Öl künftig für einen deutlich niedrigeren Preis an große Abnehmer wie Indien verkaufen muss als derzeit. So sollen die Einnahmen Moskaus reduziert werden, aus denen auch der Krieg gegen die Ukraine finanziert wird.

RND/vkoe mit dpa

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