Aminata Touré im Interview

Deutschlands jüngste Ministerin auf dem „Vogue“-Cover: „Ich bin einfach, wie ich bin“

Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) erzählt im KN-Interview, warum sie für die Vogue als Cover-Model zur Verfügung stand.

Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) erzählt im Interview, warum sie für die Vogue als Covermodel zur Verfügung stand.

Kiel. Sie ist die erste amtierende Politikerin, der die Zeitschrift „Vogue“ ihr deutsches Titelbild widmet. Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) erscheint am 22. November 2022 auch auf dem Cover der englischen und italienischen Ausgabe. Was hat die 30-jährige Politikerin zum Ausflug in die glamouröse Modewelt bewegt?

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Frau Ministerin, Sie sind auf dem neuen Cover der „Vogue“ zu sehen. Warum?

Weil es um meine Rolle geht, die ich als jüngste Ministerin in Deutschland habe, und wie ich Politik gestalte. Ich fand das eine spannende Sache, weil das eine ganz andere Leserinnenschaft anspricht und es mein Anspruch ist, Menschen zu erreichen, die sich nicht nur mit Politik auseinandersetzen, sondern auch mit anderen Dingen – und dann auf ein politisches Thema stoßen.

Frauen werden oft an ihrem Äußeren gemessen. Leisten Sie dem mit Ihrem Auftritt auf dem Cover Vorschub?

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Ich finde, dass an Frauen viele doppelte Standards gerichtet werden. Ich finde, es ist überhaupt kein Widerspruch, als Frau im politischen Raum zu arbeiten und sich dabei auch für Mode zu interessieren. Es ist doch nicht in Ordnung, wenn man anhand von Äußerlichkeiten bewertet wird. Aber als junge schwarze Frau habe ich das oft erlebt. Ich habe keine Lust, mich dem zu beugen, sondern ich bin einfach, wie ich bin.

Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) ist auf dem Cover der am 22. November 2022 erscheinenden Dezemberausgabe „Visionen“ von Vogue Germany zu sehen.

Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) ist auf dem Cover der am 22. November 2022 erscheinenden Dezemberausgabe „Visionen“ von Vogue Germany zu sehen.

Wie wichtig ist Ihnen Mode?

Mode ist für mich schon wichtig. Aber das Entscheidendere war für mich immer, ich selbst sein zu können – auf vielen Ebenen, also auch in der Mode.

Haben Sie für die Aufnahmen Ihre Kleidung selbst auswählen dürfen?

Beim Interview bekommt man die Kleidung gestellt, und die darf man übrigens nicht behalten. Mir war es wichtig, Sachen zu tragen, die mich ein Stück weit darstellen.

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Aminata Touré: „Bei Marken kenne ich mich null aus“

Was für Mode mögen Sie?

Moderne, junge und auch farbenfrohe Sachen. Bei Marken kenne ich mich null aus, danach gucke ich nicht so stark.

Wo kaufen Sie Ihre Kleidung?

Unterschiedlich. Ich kaufe gern dänische Marken. Die finde ich auch deshalb super, weil die Hersteller oft nachhaltig unterwegs sind und mir das wichtig ist.

Kaufen Sie auch im Internet?

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Ja, klar. Leider ist das in diesen Zeiten normal geworden.

Geben Sie viel Geld für Kleidung aus?

Natürlich kostet gute und insbesondere nachhaltige Mode Geld. Das ist dann aber eine sehr bewusste Ausgabe.

Bei der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel hat man anfangs viel über ihre Kleidung gesprochen, auch gelästert. Es ist ihr über die Jahre gelungen, ihren eigenen, nahezu unveränderten Stil zu finden. Wie ist das bei Ihnen?

Ich nehme nicht wahr, dass die politischen Leistungen von Angela Merkel auch nur irgendwann vorrangig an Kleidungsfragen festgemacht worden wären. Jede Politikerin hat ihren eigenen Kleidungsstil, und das ist gut so. Im Interview ging es ja auch nicht einfach nur um Mode, auch wenn die „Vogue“ natürlich ein Modemagazin ist. Es ging vielmehr darum, welche politischen Ansätze für mich wichtig sind: also beispielsweise Antidiskriminierungspolitik, Gleichberechtigung, Chancengleichheit und die soziale Frage. Und vor allem ging es darum, den eigenen Politikstil zu beleuchten.

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Die Vogue mit Ihnen auf dem Titel erscheint nicht nur in Deutschland, sondern auch in England und Italien. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Das finde ich ganz wunderbar. Die politischen Entwicklungen in Europa sind zum Teil sehr besorgniserregend, gerade in Italien mit einer rechtsextremen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Eine junge schwarze Frau, die in Deutschland in politischer Verantwortung steht – das ist doch vielleicht ein gutes Statement zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Dieser Artikel erschien zuerst bei den „Kieler Nachrichten“.

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