Steinmeier: Mehr Rücksicht auf Bürger nehmen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Rom. Es wäre „ein verhängnisvoller Fehler, Gefühle einfach irrational zu nennen. Politik, die auf Gefühle keine Rücksicht nimmt, wird zu Recht als kalt empfunden und Ablehnung erfahren“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unter ausdrücklichem Bezug auf die Wahlergebnisse in Deutschland.

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Der Bundespräsident und seine Frau Elke Büdenbender werden am Montagvormittag von Papst Franziskus zu einer Privataudienz empfangen. Danach sind eine Begegnung mit der katholischen Basisgemeinschaft Sant’Egidio, ein Rundgang durch die Vatikanischen Museen und die Besichtigung der Basilika San Clemente vorgesehen.

Für Europa forderte das deutsche Staatsoberhaupt den Mut zur Vision einer „versöhnten Verschiedenheit“. Nur auf dieser Basis könne eine gemeinsame europäische Vision, „vielleicht sogar eine gemeinsame Identität“ heranwachsen, die manche junge Menschen schon meinten, wenn sie heute sagten: „Europa ist mein zweites Vaterland.“

Auch in der Europapolitik müsse deshalb Rücksicht auf die Gefühle der Bürger genommen werden. Zum Auftakt seiner zweitägigen Reise nach Rom und in den Vatikan sagte Steinmeier, „erst jetzt, wo in Europa so vieles bröckelt und wackelt und unsicher wird, wird überdeutlich, wie sehr es auch auf die Gefühle ankommt“. Notwendig sei dabei eine Abkehr von „westlicher Arroganz“ und vom „Hang zur Belehrungsdominanz“. Steinmeier bezog sich auf die jüngsten Unabhängigkeitsforderungen in Katalonien, auf die Debatten um den Brexit in Großbritannien und auf Proteste in Polen und Griechenland.

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Steinmeier zitierte den französischen Philosophen Blaise Pascal mit seiner Feststellung: „Das Herz hat seine Gründe, wenn auch andere als die, die die Vernunft kennt.“ Hielte sich die Politik daran, würde sie vielleicht manchen die Angst nehmen, ein großes, allzu mächtiges, zentralistisches, uniformes Europa würde einzelnen Ländern, Regionen, Gemeinschaften ihre Identität nehmen oder sie so bevormunden, dass sie sich mit ihrem Eigenen nicht mehr artikulieren könnten.

Bei einer Festrede zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober hatte Steinmeier bereits vor neuen Mauern in den Köpfen und Herzen der Menschen gewarnt. Gleichzeitig rief er dazu auf, sich positiv mit dem Heimat-Wunsch der Bürger auseinanderzusetzen.

Von Dieter Wonka/RND

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