Thüringens Exitplan: Appelle an die Vernunft reichen nicht aus

Die Einkaufsmeile Schlösserstraße in Erfurt am Brückentag.

Die Einkaufsmeile Schlösserstraße in Erfurt am Brückentag.

Berlin. Man könnte es sich leicht machen und den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow als Wahnsinnigen beschimpfen, der mit Menschenleben spielt. Dafür hat sich zum Beispiel Karl Lauterbach entschieden: Das Vorhaben Ramelows, alle Corona-Beschränkungen, also Kontakt- und Abstandsregeln sowie die Maskenpflicht, in 14 Tagen aufzuheben, sei der “reine Wahnsinn”, so der SPD-Politiker. Eine zweite Infektionswelle werde damit immer wahrscheinlicher, warnt der Gesundheitsexperte – und der Massenausbruch in einem Restaurant in Leer scheint ihm recht zu geben.

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Doch so einfach ist die Sache nicht. Ramelow führt nachvollziehbare Argumente ins Feld. Wer wollte widersprechen, wenn der Regierungschef eine Rückkehr zu einem regulären Kita- und Schulbetrieb fordert, um die enorme Doppelbelastung der Eltern durch Arbeit und Kinderbetreuung endlich zu beenden.

Auch Ramelows Argument, wonach der Staat nicht längerfristig mit Zwangsmaßnahmen durchregieren darf, sondern so schnell wie möglich wieder auf das verantwortungsbewusste Handeln der Bürger setzen muss, ist richtig. Erstaunlich ist allenfalls, dass dieser Hinweis von einem Politiker der Linken kommt, für die der Staat normalerweise eine allumfassende Fürsorgefunktion haben soll.

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Und dennoch ist Ramelows Vorstoß grundfalsch. Es ist eine Sache, den gewohnten Alltag so weit wie möglich wieder herstellen zu wollen, eben durch eine Rückkehr von Kitas und Schulen zum Normalbetrieb. Es ist aber höchst fahrlässig in Kauf zu nehmen, dass durch Aufhebung aller Restriktionen der Eindruck erweckt wird, die Gefahr sei vorüber.

Es muss befürchtet werden, dass die Menschen das jetzt genau so verstehen wollen und den zweiten Teil der Botschaft überhören, nämlich die Aufforderung Ramelows nach einem “selbstverantworteten Maßhalten”. Wenn das Leben anderer gefährdet wird, reichen Appelle an die Vernunft nicht aus.

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