Trump und sein Virus-Watergate

Die Corona-Chroniken.

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Hannover. Popularität und Berühmtheit sind etwas Feines. Man ist dann wunderbar geschützt, man kann sich alles erlauben. So jedenfalls denkt Donald Trump.

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Unvergessen ist sein Hinweis, wenn man berühmt sei, könne man als Mann Frauen “an die Pussy fassen”.

Sogar Tötungsdelikte können in Trumps Welt einem wahrhaft populären Politiker nicht schaden. “Meine Anhänger sind derartig loyal”, tönte Trump bei einer Wahlveranstaltung im Jahr 2016 in Iowa, “ich könnte mitten auf der 5th Avenue jemanden erschießen – und würde keine Wähler verlieren.”

Einsatz in Manhattan: Die Kirche von Saint John the Divine, die größte gothische Kathedrale der Welt, wird als Notlazarett hergerichtet.

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Aber lassen seine Wähler es ihm auch durchgehen, dass er monatelang das Coronavirus verharmlost hat – das inzwischen in den USA rund 15.000 Todesopfer gefordert hat?

Dies ist für die USA die zentrale Frage der kommenden sechs Monate – bevor am 3. November die Präsidentschaftswahlen stattfinden.

Die Navarro-Warnungen belasten den Präsidenten

Neu aufgetauchte Dokumente, die sogenannten Navarro-Warnungen, werfen jetzt die Frage auf: Warum hat der Präsident nicht reagiert, obwohl ein enger Mitarbeiter im Weißen Haus ihn in ausführlichen Memos bereits Ende Januar vor einer drohenden Pandemie und deren Folgen gewarnt hat? In gleich mehreren internen Dokumenten wies Trumps China-Experte Peter Navarro darauf hin, dass nichts Geringeres in Gefahr sei als “das Leben von Millionen Amerikanern”.

Die USA, zeigt dieses Beispiel, haben weiterhin einen scharfen Blick und gute Ohren. Sie sind eine Supermacht, sie haben exzellente Geheimdienste. Doch was nützt das, wenn alle Eindrücke, alle Impulse und alle Daten letztlich an höchster Stelle im Staate von einem Gehirn interpretiert werden, das sich schlicht und einfach weigert zu reagieren, aus lauter bräsiger Selbstüberschätzung?

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Trump sagt, er habe Navarros Memos “nicht gesehen”. Dumm gelaufen. Irgendwie Pech für alle.

Mal im Ernst: Glaubt Trump, er kommt damit durch? Wie kann es denn sein, dass er sich in diversen Wahlveranstaltungen sogar lustig gemacht hat über das Virus, das “bloß 15 Leute angesteckt” habe, “in diesem riesigen Land”. Hohoho.

Haben die USA ihre Maßstäbe verloren? In Wahrheit müssen heute dieselben Fragen gestellt werden wie in der Watergate-Affäre an Präsident Richard Nixon. Was wusste der Präsident, und wann wusste er es?

Trump erreicht die für ihn gefährliche Phase III

Trump hat verschiedene Phasen durchlaufen in dieser Krise. In Phase I glaubten viele, Trump sei bereits erledigt, weil er ja das Virus verharmlost hatte. In Phase II stellte man aber fest, dass die Zustimmung trotzdem steigt, weil wie überall sich die Leute in Krisenzeiten um den starken Führer scharen.

Jetzt allerdings hat Phase III begonnen. Und Trump zeigt sich nun doppelt angreifbar. Er hat die Warnungen in den Wind geschlagen. Er hat die Reichen enttäuscht, deren Aktien abgestürzt sind. Er hat die Armen enttäuscht, die millionenfach ihre Jobs verloren haben. Und er ist in die Defensive geraten bei Themen wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Krankenversicherung für alle. Auf all diese Dinge fällt jetzt ein neues Licht.

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Bei den US-Demokraten hat jetzt mit dem Rückzug von Bernie Sanders der frühere Vizepräsident von Barack Obama, Joe Biden, freie Bahn. Biden ist einer, der versöhnen statt spalten will. Im Prinzip ist das ein gutes Anliegen, doch es kann warten bis nach der Wahl.

Schreckt Biden davor zurück, Trump jetzt frontal anzugreifen, um nur ja die Einheit der Nation im Moment der Krise nicht zu gefährden? Dann machen sich die Demokraten zum Gehilfen eines Präsidenten, der nun wirklich keine Schonung verdient hat.


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