Trumps bizarre Siegesfeier: Alles muss raus!

Donald Trump, Präsident der USA, hält eine Ausgabe der Zeitung The Washington Post mit der Schlagzeile «Trump Acquitted» (Trump freigesprochen) während seiner Rede im Weißen Haus.

Donald Trump, Präsident der USA, hält eine Ausgabe der Zeitung The Washington Post mit der Schlagzeile «Trump Acquitted» (Trump freigesprochen) während seiner Rede im Weißen Haus.

Washington. Es war wahrscheinlich die bizarrste Siegesparty, die das Weiße Haus je erlebt hat. Am Tag nach seinem Impeachment-Freispruch versammelte Donald Trump im festlichen East Room seine Familie, sein Kabinett und seine treuen Lakaien aus dem Kongress zu einer Mischung aus wilder Pöbeltirade, Hochamt aufs eigene Ego und sektenhafter Verbrüderungsfeier.

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Er musste es rauslassen. Alles. Und eine Stunde lang gab es kein Halten.

Ein normaler Präsident hätte das Urteil des Senats staatsmännisch aufgenommen. Er würde insgeheim wohl ahnen, dass er mit der offensichtlichen Verquickung seiner persönlichen Interessen mit denen des Amtes nur knapp dem politischen Untergang entkommen ist. Er würde versprechen, künftig noch stärker darauf zu achten, jeden Anschein eines Fehlverhaltens zu vermeiden. Und er würde in der Pose des Versöhners zur Überwindung der aufgerissenen Gräben aufrufen.

Doch Donald Trump hat diese Größe nicht. Er ist ein krankhafter Narzisst voller Wut und Zorn.

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Also lässt er nach seinem durch die Unterdrückung von Beweismitteln und massivsten parteiinternen Druck durchgepeitschten Freispruch im Amtsenthebungsverfahren endgültig alle Zurückhaltung fallen. „Ich bin durch die Hölle gegangen“, beklagt er sich. Die gesamte Russland- und Ukraine-Affäre sei ein Schwindel gewesen. Eine Schande. Eine Hexenjagd. Ach was: „Das alles war Bullshit!“

Plötzlich hat der Präsident die „Washington Post“ wieder abonniert

Doch nun hat er gesiegt. Triumphierend hält er die „Washington Post“ mit der Freispruch-Schlagzeile in die Höhe, also jenes Blatt, das er gemeinhin als „Fake News“ diffamiert und dessen Abonnement er angeblich gekündigt hat.

„Wir haben eine Kriegsschlacht geschlagen“, redet er sich in Rage. Für seine Kritiker, die FBI-Führung, die Zeugen in dem Verfahren und die Demokraten hat er nur Verachtung übrig. „Teuflisch“ sind sie, „Böse Menschen“, „schmutzige Cops“ und natürlich „korrupt“. Für Nancy Pelosi, die demokratisch gewählte Sprecherin des Repräsentantenhauses, hält er ein besonderes Attribut bereit: „Bösartig wie die Hölle“ sei die Frau.

Solche Reden kennt man von Diktatoren und durchgeknallten Potentaten von Bananenstaaten. Aber hier redet der Präsident der USA – ein Mann, der sich ganz offensichtlich nicht unter Kontrolle hat.

Das Manuskript hat er von Anfang an beiseitegelegt. Er redet frei weg von der Leber. Wer soll ihn jetzt noch stoppen? Er schmeichelt seinen Verbündeten mit Lobpreisungen, erzählt über jeden irgendeine Geschichte und landet schließlich bei dem Republikaner Steve Scalise. Der war bei einem Baseballspiel von einem verrückten Schützen verletzt worden. Ganz verzweifelt sei dessen Frau zu ihm gekommen, berichtet Trump: „Vielen Frauen wäre das schnurzegal gewesen.“

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Das ist er wirklich: Trump pur. Ungefiltert. Ein Egomane mit gefährlich autokratischen Neigungen.

Am Ende holt er tatsächlich seine Tochter Ivanka und seine Frau Melania auf die Bühne, um sich dafür zu bedanken, dass sie trotz des Versuches der Demokraten, seine Familie zu zerstören, zu ihm gestanden haben. Das ist die letzte infame Verdrehung der Wirklichkeit, in der tatsächlich Trump eine Intrige gegen seinen demokratischen Gegenspieler Joe Biden inszenierte.

Der Täter stilisiert sich zum Opfer und bereitet schon seine nächsten ruchlosen Aktionen vor. Nach dieser gespenstischen Veranstaltung sind die Vereinigten Staaten von Amerika tiefer gespalten als zuvor. Doch das stört Trump nicht. Im Gegenteil: Der Hass ist sein Geschäftsmodell.

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