Droht ein jahrelanger Zermürbungskrieg?

Ukraine im Osten unterlegen: Wenn die Munition nur noch für wenige Stunden reicht

Ukrainische Soldaten feuern aus einer von den USA gelieferten Haubitze M777 auf russische Stellungen in der ostukrainischen Region Donezk. (Archivbild)

Bachmut. In einem ausgebombten Haus im Osten der Ukraine versuchen Soldaten, einen Überblick über ihre Munition zu behalten. Bei der Buchführung hilft eine Tür: Mit Kreide sind darauf die jeweiligen Bestände an Mörser- und Artilleriegranaten, Rauchbomben und Leuchtgeschossen vermerkt.

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Die ukrainischen Truppen haben zwar umfangreiche Waffenlieferungen aus dem Westen erhalten. Dennoch sind sie den Russen unterlegen im Kampf um den Donbass, der vor allem mit Artilleriewaffen geführt wird. Während die russischen Streitkräfte über Stunden am Stück einen heftigen Dauerbeschuss aufrechterhalten können, können die Ukrainer weder bei Waffen noch Munition mithalten und müssen mit ihren Beständen stärker haushalten. Auch in der Außenstelle im Osten der Ukraine beklagt Befehlshaber Mychajlo Strebisch, dass sich seine Truppen im Fall eines starken Artillerieangriffs allenfalls vier Stunden lang zur Wehr setzen könnten.

Scholz über Hilfen für Ukraine: „Standhaft Kurs halten“

Olaf scholz hat in seiner Regierungserklärung im Bundestag versprochen, sich mit allem Nachdruck für den EU-Kandidatenstatus des Landes einzusetzen.

Die ukrainische Regierung kritisiert ebenfalls, dass die Unterstützung des Westens nicht ausreiche und in dieser kritischen Phase des Kriegs nicht schnell gut eintreffe. Jeden Tag würden bis zu 200 ukrainische Soldaten im Kampf getötet. Die russischen Truppen sind im Osten der Ukraine langsam auf dem Vormarsch, nach Angaben von Experten haben sie aber auch hohe Verluste zu verzeichnen. Moskau hüllt sich bei der Zahl getöteter russischer Soldaten weitgehend in Schweigen.

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Zuletzt hatten die USA in der vergangenen Woche ihre militärische Unterstützung für die Ukraine um eine Milliarde Dollar erhöht. Am Donnerstag hieß es dann, dass weitere 450 Millionen folgen sollten. Doch Experten warnen, dass selbst solche großen Summen den Bedarf nicht decken können, unter anderem weil die westlichen Rüstungsindustrien die Waffen nicht schnell genug liefern. Die Hersteller könnten ihre Produktionskapazitäten nicht so rasch in dem notwendigen sehr großen Umfang anpassen, erklärt etwa François Heisbourg von der in Paris ansässigen Denkfabrik Stiftung für Strategische Forschung. Besonders dringend benötigen die ukrainischen Streitkräfte nach eigenen Angaben Waffen mit größerer Reichweite.

Gelieferte Munition reicht teilweise nur für zweistündiges Gefecht

Laut dem Kiel Institut für die Weltwirtschaft haben die USA bisher etwa die Hälfte ihrer versprochenen militärischen Hilfen für die Ukraine geliefert. Im Fall Deutschlands ist es etwa ein Drittel. Polen und Großbritannien haben ihre Zusagen weitgehend eingehalten.

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Anfang des Monats hatte der ukrainische Botschafter in Madrid, Serhij Phorelzew, Spanien für die Lieferung von 200 Tonnen an militärischem Gerät im April gedankt. Allerdings habe die darin enthaltene Munition nur etwa für einen zweistündigen Einsatz im Kampf gereicht, sagte er. Ähnlich äußerte sich der ukrainische Filmemacher Wolodymyr Demtschenko, der als Soldat im Einsatz ist, in einem Twitter-Video über eine Schusswaffenlieferung aus den USA.

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„Leider sind wir zum größten Verbraucher von Waffen und Munition auf der Welt geworden.“

Denis Scharapow, Vize-Verteidigungsminister der Ukraine

Die eingetroffenen Waffensysteme insgesamt deckten bislang lediglich zehn bis 15 Prozent des Bedarfs, sagte der stellvertretende ukrainische Verteidigungsminister Denis Scharapow einer Publikation des US-Wirtschaftsverbands National Defense Industrial Association. Die Kämpfe an der 1000 Kilometer langen Front stellten eine gewaltige Herausforderung dar. Kein einzelner Lieferant könne den Bedarf alleine decken, sagte Scharapow dem Magazin „National Defense“: „Leider sind wir zum größten Verbraucher von Waffen und Munition auf der Welt geworden.“

Spielt die Zeit für die Ukraine oder gegen sie?

Hinzu kommt, dass die Truppen aus der Ukraine als ehemaligem Teil der Sowjetunion stärker an Waffen aus jener Ära gewöhnt sind. Den Umgang mit dem westlichen Gerät, das sie erhalten, müssen sie erst lernen: Eine unbekannte Zahl an Ukrainern musste für solche Schulungen erst ins Ausland reisen.

Dennoch könnte die Zeit aus Sicht von Experten für die Ukraine spielen. Denn die dortigen Kämpfer seien motiviert und mobilisiert, alle Männer des 40-Millionen-Einwohner-Lands seien einberufen worden. Allerdings, so warnt Analyst Heisbourg, sei es gut möglich, dass ein jahrelanger Zermürbungskrieg drohe.

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RND/AP

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