Das geschah in der Nacht

Kiewer Überlegungen: Wie lange der Krieg noch dauern könnte

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine.

Kiew. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Bewohner der von Russland besetzten Gebiete zum Widerstand aufgerufen. Sie sollten den ukrainischen Streitkräften über sichere Kanäle Informationen zum Feind oder über Kollaborateure übermitteln, sagte Selenskyj am Mittwoch in seiner abendlichen Videoansprache.

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Zugleich erneuerte der Präsident die Bitte um ausländische Waffenhilfe für sein Land. Je entschiedener sie ausfalle, desto eher werde der Krieg enden, sagte er mit Blick auf eine Konferenz in Kopenhagen ab Donnerstag. Dort beraten die Verteidigungsminister aus gut einem Dutzend Ländern, darunter Deutschland, über militärische und finanzielle Unterstützung für das von Russland angegriffene Land.

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Mit der gespannten Lage in dem von russischen Truppen besetzten ukrainischen Kernkraftwerk Saporischschja wird sich am Donnerstag der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York befassen. Für die Ukraine ist es der 169. Tag seit Beginn der russischen Invasion.

Selenskyj: Kriegsdauer hängt von russischen Verlusten ab

Selenskyj und der Chef seines Präsidialamtes, Andrij Jermak, gingen mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf die Frage ein, wie lange der Krieg noch dauern werde. Die Kämpfe müssten dringend noch vor der Heizperiode beendet werden, sagte Jermak. Sonst bestehe das Risiko, dass Russland die Infrastruktur für Wärme und Energie zerstöre. „Das ist einer der Gründe, warum wir maximale Maßnahmen ergreifen wollen, um den aktiven Teil des Kriegs bis Ende Herbst zu beenden.“

Ukraine meldet russischen Angriff auf Vorort von Saporischschja

Russland hat nach eigenen Angaben ukrainische Waffensysteme, darunter einen deutschen „Gepard“-Panzer, zerstört.

Selenskyj sagte, die Kriegsdauer hänge von den russischen Verlusten ab. „Je höher die Verluste der Okkupanten sind, desto schneller können wir unser Land befreien“, sagte er. Dies wiederum hänge von der Militärhilfe für die Ukraine ab. Je entschiedener sie ausfalle, desto eher könnten die Ukraine und Europa wieder in Frieden leben.

Explosionen in russisch besetzter Stadt Melitopol

Bei seiner Botschaft an die Bewohner in den besetzten Gebieten erinnerte Selenskyj an die Explosionen auf einer russischen Militärbasis auf der Halbinsel Krim vom Dienstag. Dort seien neun russische Kampfflugzeuge zerstört worden, sagte er. Erste westliche Satellitenbilder des Stützpunkte Saki belegen nach Einschätzung von Experten, dass Russland viele der dort stationierten Jets verloren hat. Das ukrainische Verteidigungsministerium vermutete am Donnerstagmorgen eine höhere Zahl als neun Flugzeuge.

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Bei dem immer noch rätselhaften Vorfall haben nach inoffiziellen Angaben Kiew-treue Partisanen eine Rolle gespielt. Auch aus anderen besetzten Gebieten gibt es Berichte über Anschläge auf russische Einrichtungen und auf Ukrainer, die mit der Besatzung kooperieren. In der besetzten Stadt Melitopol im Süden ereigneten sich nach ukrainischen Berichten am Mittwochabend zwei Explosionen. Die Zufahrten zur örtlichen Polizeizentrale seien gesperrt worden. Russische Quellen deuteten die lauten Explosionen als Feuer der Flugabwehr. Unabhängige Berichte dazu gab es nicht.

Selenskyj äußerte die Erwartung, dass die russischen Besatzer bald die Flucht ergreifen. „Sie haben bereits das Gefühl, dass die Zeit gekommen ist, aus Cherson und im Allgemeinen aus dem Süden unseres Landes zu fliehen. Es wird eine Zeit geben, in der sie aus dem Gebiet Charkiw, aus dem Donbass und von der Krim fliehen werden.“

Kämpfe und nächtliche Bombardements

Im Donbass in der Ostukraine setzten russische Truppen ihre Vorstöße begleitet von massivem Artilleriefeuer fort. Dabei wurden in der Stadt Bachmut am Mittwoch sieben Zivilisten getötet, wie die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Selenskyj kündigte Vergeltung an für russische Luftangriffe im Gebiet Dnipropetrowsk, bei denen in der Nacht auf Mittwoch 13 Zivilisten getötet worden waren. In Donezk beklagten die von Russland kontrollierten Separatisten, dass durch ukrainischen Beschuss mehrere Zivilisten getötet worden seien. Durch Treffer auf eine Brauerei sei giftiges Ammoniak ausgetreten.

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Weitere Schiffe bringen ukrainisches Getreide auf den Markt

Nach dem Getreide-Deal zwischen Moskau und Kiew erwarten die Vereinten Nationen steigende Ausfuhren aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Eine Reihe von Schiffen warte momentan auf die Genehmigung zur Fahrt in Richtung der ukrainischen Häfen, sagte der UN-Koordinator für die Ausfuhren, Frederick Kenney, in New York. „Wir erwarten einen großen Aufwärtstrend bei den Anträgen für den Transit.“ Am Mittwoch habe es mit fünf vertragsmäßig inspizierten Schiffen einen neuen Höchststand gegeben.

Im Juli hatten die Ukraine und Russland Abkommen mit der Türkei und den UN abgeschlossen für den Export von Agrarprodukten und Dünger aus drei ukrainischen Schwarzmeerhäfen. Ein Dutzend Schiffe hat seitdem die Häfen Tschornomorsk, Odessa und Piwdennyj mit über 370.000 Tonnen Fracht verlassen. Russland hatte nach seinem Angriff auf die Ukraine Ende Februar die ukrainischen Häfen blockiert.

Das wird am Donnerstag wichtig

Seit Tagesbeginn am Donnerstag dürfen die EU-Staaten dürfen keine Kohle mehr aus Russland importieren. Das Kohleembargo war im April beschlossen worden, um die russische Wirtschaft vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine weiter zu schwächen. Damit die Industrie sich darauf einstellen konnte, hatten sich die Länder damals auf eine Übergangsfrist von 120 Tagen geeinigt. Diese ging nun zuende.

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Über die Lage am AKW Saporischschja soll der Leiter der Internationalen Atombehörde (IAEO), Rafael Grossi, den Sicherheitsrat in New York unterrichten. Um die Ukraine und Deutschlands Rolle in dem seit fast sechs Monate dauernden Krieg dürfte es auch bei einer Pressekonferenz von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Berlin gehen.

RND/dpa

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