Die Nacht im Überblick

USA besorgt: Russland soll Atomkraftwerke als Schutzschild nutzen

Im März war nach der Einnahme des Atomkraftwerkes nahe der Großstadt Saporischschja durch russische Truppen auf dem Gelände ein Brand ausgebrochen - laut ukrainischem Innenministerium im Gebäude eines Trainingskomplexes. Das nach Kämpfen ausgebrochene Feuer an Europas größtem Kernkraftwerk schürte Anfang des Jahres die Furcht vor einer atomaren Katastrophe infolge des russischen Angriffskriegs.

Im März war nach der Einnahme des Atomkraftwerkes nahe der Großstadt Saporischschja durch russische Truppen auf dem Gelände ein Brand ausgebrochen - laut ukrainischem Innenministerium im Gebäude eines Trainingskomplexes. Das nach Kämpfen ausgebrochene Feuer an Europas größtem Kernkraftwerk schürte Anfang des Jahres die Furcht vor einer atomaren Katastrophe infolge des russischen Angriffskriegs.

Kiew/New York/Moskau. Kiew hat Moskau für indirekte Drohungen zum Einsatz von Atomwaffen im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine scharf kritisiert und seinem Gegner „nuklearen Terrorismus vorgeworfen. Gleichzeitig zeigt sich US-Außenminister Antony Blinken angesichts von Berichten, dass Russland ukrainische Atomkraftwerke als Schutzschild nutze, besorgt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

US-Außenminister Antony Blinken warf Russland ebenfalls vor, seine Atomwaffen für rücksichtslose Kriegsdrohungen einzusetzen. Frühere Äußerungen von Kremlchef Wladimir Putin, wonach militärische Hilfe für die Ukraine beispiellose Folgen haben könne, seien „gefährliches nukleares Säbelrasseln“, sagte Blinken am Montag zum Start der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag (NVV) in New York. „In unserer Welt ist kein Platz für nukleare Abschreckung auf der Grundlage von Gewalt und Einschüchterung oder Erpressung. Wir müssen zusammenstehen, um dies abzulehnen.“

+++ Alle aktuellen News und Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine lesen Sie in unserem Liveblog. +++

Bei einem weiteren Auftritt am Rande der Konferenz sagte Blinken, die US-Regierung sei auch „zutiefst besorgt“ darüber, dass Russland im Krieg gegen die Ukraine mehrere dortige Atomkraftanlagen eingenommen habe. Mit Blick auf das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja etwa gebe es glaubhafte Berichte, dass Russland die Anlage als eine Art Schutzschild benutze - also aus der Nähe der Anlage auf ukrainische Kräfte schieße. Die Ukrainer könnten nicht zurückschießen, weil es dadurch zu einem schrecklichen atomaren Unfall kommen könnte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Medien hatten zuvor berichtet, dass sich vor allem russische Artillerie im Gebiet des Kernkraftwerks verschanzt habe und von dort auf ukrainische Stellungen schieße.

Kiew wirft Russland „nuklearen Terrorismus vor“

„Die Welt wird Zeuge, wie nuklearer Terrorismus, gesponsert von einem Atomwaffenstaat, Wirklichkeit wird“, sagte derweil der stellvertretende Außenminister Mykola Totschyzkyj am Montag (Ortszeit) zum Start der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag (NVV) in New York laut Redetext.

Es bedürfe robuster gemeinsamer Maßnahmen, um eine nukleare Katastrophe zu verhindern. Über ukrainischen Kernkraftwerken müssten Flugverbotszonen eingerichtet werden. Der Aggressor Russland dürfe nicht ungestraft mit dem Einmarsch in die Ukraine davonkommen, nur weil er Atomwaffen besitzt.

US-Außenminister Blinken spricht erstmals seit Kriegsbeginns mit Lawrow

Monatelang herrschte Funkstille zwischen US-Außenminister Blinken und seinem russischen Kollegen Lawrow - nun telefonierten sie wieder miteinander.

Das mehr als 50 Jahre alte Abkommen über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV), dem 191 Staaten beigetreten sind, bildet die Grundlage für atomare Abrüstung weltweit. Es besagt, dass nur die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien Atomwaffen besitzen dürfen. Die vier anderen mutmaßlichen Atommächte Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea sind dem Vertrag entweder nicht bei- oder wieder ausgetreten. Ziel des Vertrags ist es, die Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern, nukleare Abrüstung voranzutreiben und die friedliche Nutzung von Kernenergie zu fördern.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Selenskyj sieht positives Signal im Ende der Getreide-Blockade

Gut fünf Monate nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs hat unterdessen am Montag das erste Schiff mit Getreide an Bord die Ukraine verlassen. Das lang geforderte Ende der Getreide-Blockade löste weltweit ein positives Echo aus. Auch die politische Führung in Kiew äußerte sich vorsichtig optimistisch.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich nach der Wiederaufnahme der Getreideexporte vorsichtig optimistisch, die globale Versorgungskrise lösen und die eigene Wirtschaft ankurbeln zu können. „Der Hafen hat begonnen zu arbeiten und dies ist ein positives Signal dafür, dass es eine Chance gibt, die Entwicklung der Nahrungsmittelkrise in der Welt zu stoppen“, sagte Selenskyj am Montagabend in seiner täglichen Videobotschaft. Seinen Angaben nach warten 16 weitere Schiffe in den Häfen darauf, abgefertigt zu werden.

Hauptstadt-Radar

Persönliche Eindrücke und Hintergründe aus dem Regierungsviertel. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Selenskyj machte deutlich, dass die Umsetzung des Getreideabkommens, das ein Ende der russischen Seeblockade vorsieht, auch für die Ukraine von enormer Bedeutung ist. Es gehe nicht nur um Milliarden an Deviseneinnahmen. „Ungefähr eine halbe Million Ukrainer sind am Anbau der landwirtschaftlichen Exporterzeugnisse beteiligt, und wenn wir verwandte Industrien hinzufügen, dann sind das noch eine Million Arbeitsplätze zusätzlich“, sagte er.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ein Sprecher des russischen Militärs versicherte am Montagabend, dass Russland seine Verpflichtungen zur Umsetzung des Abkommens einhalten werde. Moskau habe alle Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit des Schiffsverkehrs im Schwarzen Meer zu garantieren. Für die ukrainischen Häfen seien entsprechende Korridore geschaffen worden.

In New York begrüßte Außenministerin Annalena Baerbock das Auslaufen des ersten Getreidefrachters als „kleine Geste der Humanität“. Bundesagrarminister Cem Özdemir betonte indes die Notwendigkeit für den Ausbau alternativer Transportwege für Getreide aus der Ukraine. „Es geht um permanente Alternativen, nicht um temporäre“, sagte der Grünen-Politiker der „Rheinischen Post“ (Dienstag). „Ich will die EU-Kommission dafür gewinnen, den Ausbau alternativer Exportrouten zu forcieren.“ Die Ukraine dürfe in der Frage nicht weiter auf Russland angewiesen sein.

Erstes Schiff mit Getreide verlässt Ukraine Richtung Libanon

Erstmals seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat wieder ein Schiff mit Getreide den Hafen von Odessa verlassen.

Deutsche Artilleriesysteme in der Ukraine

Die Ukrainer freuen sich derweil über eine Verstärkung ihrer eigenen Artilleriesysteme. Am Montag trafen nach Angaben aus Kiew Mehrfachraketenwerfer des Typs Mars II aus Deutschland ein. Verteidigungsminister Olexej Resnikow bedankte sich bei seiner deutschen Kollegin Christine Lambrecht für die Waffenhilfe.

Lambrecht hatte die Lieferung bereits in der vergangenen Woche annonciert. Demnach gingen drei Mars II Systeme an die Ukraine. An schweren Waffen hat Deutschland zudem die Flugabwehrpanzer Gepard und Artilleriegeschütze vom Typ Panzerhaubitze 2000 an Kiew übergeben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Putin will keinen Atomkrieg starten

Kremlchef Wladimir Putin trat den seit Kriegsbeginn wachsenden Befürchtungen entgegen, dass Moskau in der Ukraine womöglich Atomwaffen einsetzen könnte. „Wir gehen davon aus, dass es in einem Atomkrieg keine Sieger geben kann und er niemals begonnen werden darf“, schrieb Putin in einem am Montag auf der Webseite des Kremls veröffentlichten Grußwort an die Teilnehmer der Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag in New York. Russland werde sich an seine Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag halten.

Moskau setzt neue Einreiseverbote für Briten

Die Spannungen mit dem Westen verstärken sich ungeachtet dessen weiter: Das russische Außenministerium setzte am Montag weitere 39 Politiker, Geschäftsleute und Journalisten aus Großbritannien auf seine Schwarze Liste, darunter Ex-Premier David Cameron. Allein in Großbritannien sind nun 255 Personen von den russischen Sanktionen betroffen. Zudem erklärte die russische Führung die gemeinnützige britische Organisation Calvert 22 Foundation, die sich vor allem auf den Kulturaustausch mit Osteuropa spezialisiert hat, zur in Russland unerwünschten Organisation, was faktisch einem Verbot gleichkommt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Was am Dienstag wichtig wird

Das Parlament in Lettland, der Sejm, will darüber beraten, ob es Russland zum Terrorstaat erklärt. Eine solche Einstufung würde die Spannungen zwischen den beiden Ländern zusätzlich verstärken.

In Russland wird der Tag der Fallschirmjäger begangen. In Moskau finden dazu unter anderem offizielle Militärveranstaltungen auf dem Roten Platz, im Siegespark und im Gorki-Park statt. Weil viele ehemalige Fallschirmjäger den Feiertag traditionell dazu nutzen, sich zu betrinken und Schlägereien zu beginnen, wurde das Polizeiaufgebot in Moskau wie auch in St. Petersburg verstärkt.

Der erste Getreidefrachter, der die Ukraine seit Kriegsbeginn verlassen hat, soll in Istanbul auftauchen. Das Schiff wird in der Nacht zum Mittwoch - nicht wie ursprünglich geplant am Dienstagnachmittag - zur Kontrolle am Bosporus erwartet.

RND/dpa

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken