Prognose steigt auf 23 Prozent

Vor der Frankreich-Wahl: Le Pens Aufholjagd bedroht Macrons Wiederwahl

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, muss um die Wiederwahl zittern.

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, muss um die Wiederwahl zittern.

Paris. Hat der französische Präsident zu wenig Wahlkampf gemacht, war er sich seiner selbst zu sicher? Weil der Krieg in der Ukraine seinen Terminkalender stark beherrscht, gab sich Emmanuel Macron in den vergangenen Wochen mit einer einzigen Massenkundgebung in Paris zufrieden, reiste nur wenig durchs Land und verweigerte eine TV-Debatte mit den anderen elf Kandidatinnen und Kandidaten. Das schien zu reichen, galt er doch lange als eindeutiger Favorit.

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Doch kurz vor dem ersten Wahlgang an diesem Sonntag ist der Abstand in den Umfragen vor der Zweitplatzierten Marine Le Pen zusammengeschmolzen: Macron fiel auf 26 Prozent ab, Le Pen stieg auf 23 Prozent auf. Und auch wenn Studien zum Ausgang der zweiten Runde am 24. April laut Meinungsforschern zum jetzigen Zeitpunkt mit großer Vorsicht zu genießen sind, so trennen auch dort nur noch wenige Punkte die beiden voraussichtlichen Finalisten.

Ein Grund für Macron, am Freitag in einem Zeitungsinterview Le Pens „rassistisches“ Programm anzugreifen. Dieses würde die Gesellschaft spalten, warnte er, und mit Versprechen wie einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Energieprodukte „lügt sie die Leute an“, denn finanzierbar sei das nicht. Er fiel in den Umfragen ab, seit er angekündigt hat, das Rentenalter von 62 auf 65 anheben zu wollen und die Auszahlung der Mindestsicherung an 18- bis 25-Jährige an die Bedingung zu knüpfen, dass sie bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten. Das hat seinen Ruf, ein Präsident der sozialen Kälte zu sein, befeuert.

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Demgegenüber ist es der Rechtspopulistin gelungen, stark auf das Thema Kaufkraft, derzeit die größte Sorge der Menschen in Frankreich, zu setzen. Ihr Vorschlag der „nationalen Präferenz“, mit dem sie den Zugang zu Jobs, Sozialwohnungen oder staatlichen Leistungen für Ausländer beschneiden will, würde zwar gegen den in der Verfassung festgesetzten Grundsatz der Gleichheit aller ungeachtet von Herkunft, Rasse oder Religion verstoßen.

Sie selbst spricht aber von einer „legalen und zulässigen Diskriminierung“. Im Vergleich zum noch radikaleren Auftreten des Ultrarechten Éric Zemmour erscheint Le Pen vielen inzwischen moderat. War Zemmour, der auf 9,5 Prozent abgefallen ist, lange ein scharfer Konkurrent für sie, so nutzt ihr nun die Kandidatur des Mannes, der mehrmals wegen Volksverhetzung verurteilt worden ist. Denn insgesamt ist das rechtsextreme Lager erstarkt.

Dennoch hofft der Drittplatzierte Jean-Luc Mélenchon weiterhin auf seinen möglichen Einzug in die Stichwahl. Der Linkspopulist legte in wenigen Tagen enorm zu auf 17,5 Prozent, da er sich als der aussichtsreichste Kandidat der Linken durchsetzen konnte. Dass Mélenchon dem russischen Präsidenten Wladimir Putin lange freundlich begegnet war und weiterhin den Austritt Frankreichs aus der Nato fordert, stört seine Anhänger nicht.

Demgegenüber haben die traditionellen Volksparteien, die Sozialisten und die Republikaner, das Nachsehen, die voraussichtlich das zweite Mal in Folge die Stichwahl verfehlen. Zwischen dem Mitte-Politiker Macron und den Extremen fanden sie ihren Platz nicht. Die Sozialistin Anne Hidalgo kann mit höchstens 3 Prozent rechnen – eine gewaltige Schmach für die frühere Regierungspartei.

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Auch der republikanischen Kandidatin Valérie Pécresse droht mit 8,5 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis für die Konservativen. Beide Parteien hoffen, bei den Parlamentswahlen im Juni wenigstens möglichst viele Sitze in der Nationalversammlung zu erobern, um der politischen Bedeutungslosigkeit zu entgehen.

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