Kommentar zum Inflationsausgleich

Warum höhere Löhne nicht zwingend helfen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommunaler Kitas und sozialer Dienste gehen während einer Kundgebung mit einem Transparent mit der Aufschrift „Mehr braucht mehr“ über den Marktplatz in Bremen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommunaler Kitas und sozialer Dienste gehen während einer Kundgebung mit einem Transparent mit der Aufschrift „Mehr braucht mehr“ über den Marktplatz in Bremen.

Berlin. Die Forderung von DGB-Chef Reiner Hoffmann, in der anstehenden Lohnrunde einen Ausgleich für die stark gestiegenen Preise zu fordern, ist absolut nachvollziehbar. Die Inflation belaste die Beschäftigten stark, argumentiert der oberste Gewerkschafter.

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Doch so leicht ist die Sache leider nicht. Schließlich gelten sogenannte Zweitrundeneffekte als brandgefährlich. Werden zum Ausgleich der Inflation höhere Löhne vereinbart, besteht die Gefahr, dass die Unternehmen die gestiegenen Kosten wieder über die Preise weitergeben und sich so die Inflation nach und nach immer weiter hochschaukelt. Das war zum Beispiel nach dem Ölpreisschock 1970 zu beobachten. Damals konnten die Gewerkschaften hohe Lohnabschlüsse durchsetzen, doch es folgte eine lang anhaltende Wirtschaftsflaute mit Massenarbeitslosigkeit.

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Dilemma für die Gewerkschaften

Die Gewerkschaften befinden sich also in einem Dilemma. Fordern sie zu wenig, erleiden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen deutlichen Kaufkraftverlust. Fordern sie zu viel, werden schneller als in Zeiten einer normalen wirtschaftlichen Entwicklung die Arbeitsplätze gefährdet.

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Das heißt nun aber nicht, dass die Gewerkschaften auf breiter Front Zurückhaltung üben müssen. Nicht alle Branchen sind gleichermaßen von den gestiegenen Energiepreisen betroffen. Mitunter gelten sie auch nur als Vorwand, um die Belegschaft knapp zu halten. Oftmals gibt es hingegen tatsächliche Produktivitätsfortschritte, die an die Belegschaft weitergegeben werden sollten.

Für Gewerkschaften und Arbeitgeber wird es darauf ankommen, Maß und Mitte zu finden. Klar ist aber schon jetzt: Der von Russland geführte Krieg gegen die Ukraine wird auch in Deutschland zu Wohlstandsverlusten führen. Gutverdiener können das leichter schultern als Menschen mit niedrigen Einkommen. Das sollte bei den Tarifverhandlungen mehr denn je im Mittelpunkt stehen.

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