UN-Resolution, weitere Sanktionen, scharfe Gefechte

Was an Tag sieben von Putins Krieg passierte – ein Überblick

Ein Mann geht an den Überresten eines russischen Militärfahrzeugs in Bucha, nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew, vorbei.

Ein Mann geht an den Überresten eines russischen Militärfahrzeugs in Bucha, nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew, vorbei.

Moskau/Kiew. Eine Woche nach Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine stehen nach Angaben beider Seiten neue Verhandlungen bevor. Der Leiter der russischen Delegation, Wladimir Medinski, sagte der Agentur Ria Nowosti am Mittwochabend, eine mögliche Waffenruhe sei Thema bei den für Donnerstag geplanten Verhandlungen. Die Agentur Interfax hatte ihn zuvor mit den Worten zitiert, die ukrainische Delegation sei auf der Anreise. Auch die ukrainische Seite hatte bevorstehende Gespräche bestätigt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

+++ Alle Entwicklungen im Liveblog +++

Es wäre die zweite Verhandlungsrunde seit dem Einmarsch russischer Truppen in das Nachbarland am Donnerstag voriger Woche. Vor den möglichen Verhandlungen forderte das ukrainische Außenministerium Russland zu einer Feuerpause in den östlichen Regionen Charkiw und Sumy auf, um Zivilisten in Sicherheit bringen zu können. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte bei einer Andacht in Dresden in Richtung des russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Beenden Sie diesen Krieg jetzt.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die russischen Angriffe dauerten auch am Mittwoch an - dem siebten Kriegstag. Die UN-Vollversammlung verurteilte den Angriff mit historisch großer Mehrheit und forderte die Regierung in Moskau zum Ende der Aggression auf. Die Europäische Union und die USA kündigten weitere Strafmaßnahmen gegen Russland und seinen Verbündeten Belarus an. US-Präsident Joe Biden und Bundeskanzler Olaf Scholz schlossen ein militärisches Eingreifen der Nato erneut aus.

Zweite Verhandlungsrunde geplant

Der Leiter der russischen Delegation, Medinski, sagte nach einer Interfax-Meldung, es solle nach vorläufigen Angaben am Donnerstag in der ersten Tageshälfte zu dem Treffen mit ukrainischen Vertretern kommen. Als Ort des Gesprächs hätten sich beide Seiten auf die Region Brest im Westen von Belarus geeinigt. Das russische Militär werde einen „angemessenen Sicherheitskorridor“ einrichten. Die ersten Verhandlungen am Montag an der belarussisch-ukrainischen Grenze hatten keine greifbaren Ergebnisse gebracht.

Der Sprecher Putins, Dmitri Peskow, unterstrich die Forderungen Russlands: Die Regierung in Kiew müsse die „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk sowie Russlands „Souveränität“ über die Schwarzmeer-Halbinsel Krim anerkennen. Zudem fordert Russland eine „Demilitarisierung“ der Ukraine.

UN-Vollversammlung verurteilt Russlands Krieg

In New York stellten sich die meisten Länder der Welt hinter eine Resolution, die den Angriff Russlands auf die Ukraine verurteilt. 141 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen stimmten bei einer Dringlichkeitssitzung der Vollversammlung dafür - weit mehr als bei früheren Konflikten ähnlicher Art.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

35 Länder enthielten sich, nur 5 lehnten den Beschluss ab. Als Minimalziel galten 100 Stimmen. Damit machten die westlichen Verbündete vor dem größten UN-Gremium die Isolation Putins sichtbar. Es war erst das elfte UN-Treffen dieser Art in mehr als 70 Jahren und das erste seit Jahrzehnten.

Kämpfe in Cherson und Charkiw

Sowohl die Ukraine als auch Russland berichteten am Mittwoch von militärischen Erfolgen. Das russische Militär erlangte eigenen Angaben zufolge die volle Kontrolle über die seit Tagen umkämpfte südukrainische Stadt Cherson - die Ukraine wies das zurück. Auch die ostukrainische Millionenstadt Charkiw erlebte erneut Angriffe.

Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurden mehr als 5840 russische Soldaten seit Kriegsbeginn getötet. Dem widersprach das russische Verteidigungsministerium. Nach dessen Angaben wurden bisher 498 russische Soldaten getötet. Zudem seien 1597 Soldaten verletzt worden. Es waren die ersten offiziellen Zahlen dazu aus Russland seit Kriegsbeginn.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Auf ukrainischer Seite habe es bislang 2870 getötete „Soldaten und Nationalisten“ sowie etwa 3700 verletzte Menschen gegeben, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Die Ukraine hat zu Verlusten der eigenen Armee keine aktuellen Angaben gemacht, sprach zuletzt aber von mindestens 2000 getöteten Zivilisten. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen. Die UN sprachen zuletzt von 227 getöteten und 525 verletzten Zivilisten.

Die russischen Streitkräfte greifen nach Überzeugung von US-Präsident Joe Biden in der Ukraine gezielt auch Gegenden mit Zivilisten an. Der US-Präsident sagte zudem, es sei noch zu früh zu sagen, ob Russland Kriegsverbrechen begehe. Man verfolge die Entwicklungen aber genau. Nach Angaben der USA feuerten russische Truppen bislang mehr als 450 Raketen auf die Ukraine ab.

Scholz: „Wir werden nicht militärisch eingreifen“

Bei einer langfristigen Besatzung der Ukraine müsste sich Russland nach Ansicht des britischen Verteidigungsministers Ben Wallace auf „Jahre des Widerstands“ einstellen.

Bundeskanzler Scholz (SPD) sagte bei seinem Besuch in Israel: „Wir werden nicht militärisch eingreifen. Das gilt für die Nato, das wird sie nicht tun, und auch für alle anderen.“ Auch US-Präsident Biden wiederholte, US-Truppen würden nicht in den Konflikt eingreifen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Türkei verhinderte den Versuch Russlands, weitere Kriegsschiffe durch die türkischen Meerengen ins Schwarze Meer zu bringen, wie Außenminister Mevlüt Cavusoglu mitteilte.

Zahl der Flüchtlinge steigt

Hunderttausende Menschen aus der Ukraine suchen inzwischen Schutz vor dem Krieg. Bis Dienstag waren nach Angaben der Vereinten Nationen bereits mehr als 835.000 Menschen vor den russischen Angriffen aus dem Land geflohen. Das Bundesinnenministerium zählte zuletzt 5000 registrierte Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine.

Sanktionen verschärft

Die USA werden - wie zuvor die EU und Kanada - ihren Luftraum für russische Flugzeuge sperren. Die EU setzte ihre Sanktionen zum Ausschluss sieben russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift in Kraft. Die Banken werden keine internationalen Zahlungen mehr vornehmen können. Die größte russische Bank Sberbank sowie die Gazprombank sind nicht betroffen. Die britische Regierung drängt ihre Verbündeten weiterhin zum Ausschluss aller russischen Banken aus dem Kommunikationsnetzwerk Swift.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die US-Regierung kündigte weitere Sanktionen gegen Russland und die Einführung strikter Kontrollen für den Export von Hightech-Produkten nach Belarus an. Die neuen Strafmaßnahmen richten sich unter anderem gegen 22 russische Rüstungsunternehmen. Zudem würden Exportkontrollen für Technologien eingeführt, die Russland langfristig für die Raffinerien zur Verarbeitung von Öl und Gas brauche. Die bereits gegen Russland eingeführten strikten Exportkontrollen für Hightech-Produkte wie Halbleiter, Software und für Teile der Luftfahrtindustrie würden in Kürze auch für Belarus gelten.

Auch die EU verhängte neue Sanktionen gegen Russlands Verbündeten. Betroffen seien in Belarus die Holz-, Kali,- und Stahlindustrie. Zudem wurden am Mittwoch Strafmaßnahmen gegen 22 belarussische Offiziere im EU-Amtsblatt veröffentlicht und damit in Kraft gesetzt.

Die Strafmaßnahmen treffen nach Kreml-Angaben zwar die heimische Wirtschaft. Dennoch habe das Land Reserven, den Druck auszuhalten, sagte Kremlsprecher Peskow laut Interfax.

Inflation hält an – Bund schafft Gasreserve

Die Menschen in Deutschland müssen sich nach Einschätzung der Bundesbank wegen des Kriegs in diesem Jahr auf einen weiteren Anstieg der Verbraucherpreise einstellen. Auch um dem etwas entgegenzuwirken, hat der Bund für 1,5 Milliarden Euro Gas als Reserve für die nächste Zeit gekauft. Als Reaktion auf den Ukraine-Krieg und zur Beruhigung des Ölmarktes gab die Bundesregierung einen Teil der nationalen Ölreserve frei. Die Lage an den internationalen Finanzmärkten bleibt vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine indes angespannt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Trotz Sanktionen im Sport: Russland und Belarus bei Paralympics dabei

Sportler aus Russland und Belarus dürfen trotz des Krieges bei den am Freitag beginnenden Winter-Paralympics in Peking teilnehmen und als neutrale Athleten dabei sein - sie treten also unter der paralympischen Flagge an. Ihre möglichen Erfolge werden nicht in den Medaillenspiegel aufgenommen.

RND/dpa

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen