Von Australien bis Taiwan

Was Russlands Krieg gegen die Ukraine für den Asien-Pazifik-Raum bedeutet

Das Opernhaus in Sydney leuchtet in den Landesfarben der Ukraine (Symbolfoto). Der russische Krieg gegen die Ukraine löst auch im Asien-Pazifik-Raum Unruhe aus.

Das Opernhaus in Sydney leuchtet in den Landesfarben der Ukraine (Symbolfoto). Der russische Krieg gegen die Ukraine löst auch im Asien-Pazifik-Raum Unruhe aus.

Sydney. Je länger der Krieg gegen die Ukraine andauert, umso mehr wirft dies ein Licht auf Staaten wie China, die sich um Neutralität bemühen und sich bisher weigern, Russland offen zu kritisieren. Vor allem in Australien, das sich um regionale Partnerschaften bemüht hat, geht die Angst vor der wachsenden Einflussnahme Chinas in der Region um. Erst vor Kurzem warnte der australische Geheimdienstberater Andrew Shearer bei einem Kongress eindringlich vor Chinas autoritärer Wendung unter Präsident Xi Jinping.

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Diese sei teilweise durch den Wunsch der Kommunistischen Partei vorangetrieben worden, die USA als Weltmacht abzulösen. Davor – quasi als „Zwischenstation“ oder „Basislager“ – wolle das Land seine Vorrangstellung in der indo-pazifischen Region etablieren, so Shearer. Besonders beunruhigt ihn dabei die „zunehmende Zusammenarbeit zwischen autoritären Mächten“, sprich China und Russland.

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Der Westen müsse dementsprechend härter daran arbeiten, um die liberale Denkweise und die regelbasierte Ordnung in Europa und in der indo-pazifischen Region aufrechtzuerhalten. Australien könne diesen Kampf nicht alleine gewinnen. „Nicht einmal die USA können diesen Kampf alleine gewinnen“, sagte Shearer. „Aber die USA, Australien, Indien, Japan und die massive normative Macht Europas können tatsächlich einen Unterschied machen, indem sie einige dieser autoritären Impulse zurückdrängen.“

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Russland-China-Verhältnis „fragil“

Laut Hugh White, einem Strategieexperten der Australischen Nationaluniversität in Canberra, ist ein solches Solidaritätsempfinden der westlichen Welt – mit Ausnahme Indiens – bereits erkennbar. Anders als Shearer schätzt White die Verbindungen zwischen Russland und China jedoch „deutlich fragiler“ ein und zudem auf nicht langfristig ausgelegt. „Sie wollen nicht gemeinsam die Weltordnung transformieren und selbst wenn, glaube ich nicht, dass sie die Macht dazu hätten“, sagte er in einem Videobriefing vor Auslandskorrespondenten in der Region.

Wen-Ti Sung, ein China- und Taiwan-Experte an der australischen Universität, der derzeit von Taipeh aus arbeitet, glaubt ebenfalls, dass die gemeinsame chinesisch-russische Ausrichtung „nicht so stark“ ist, wie man auf den ersten Blick vermuten möchte. „Russland stellt eine Art Versicherung, ein Sicherheitsnetz für den Notfall für China dar“, ist sein Standpunkt.

Gleichzeitig wolle es sich China aber auch nicht mit dem Westen verderben: „China will nicht im russischen Camp gesehen werden“, sagte er. Deswegen würde China wohl auch nur das Minimum tun, damit Russland „überleben“, aber nicht „gedeihen“ könne.

Experte: Konflikt zeigt Schwachstellen des Westens

Laut White ist es nun wichtig, die Beziehung zu autoritären Staaten künftig nicht „als Gut gegen Böse“ abzustempeln. Die Erkenntnis der Realität, dass China ein mächtiges Land ist, sei „schmerzhaft“ und „kompliziert“, „aber wir machen es nicht einfacher, indem wir immer wieder sagen, wie schlimm das ist“. Vielmehr müsse der Westen einen Modus Vivendi im Umgang mit China wie auch Russland finden, meinte White.

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„Der Konflikt zeigt auch die Schwachstellen des Westens“, so der Experte. Dazu gehört, dass die Nato und die USA nicht bereit waren, für die Ukraine in den Krieg zu gehen. Das sei zwar die richtige Entscheidung gewesen, meinte der Stratege, gleichzeitig sei es aber auch eine „ernüchternde“ Erkenntnis. Denn sie habe vielen deutlich gemacht, dass die Nato und die USA nicht mehr wirklich die Fähigkeit besitzen, die Vision ihrer Weltordnung aufrechtzuerhalten.

Wen-Ti Sung sieht den Modus Vivendi im Umgang mit China vor allem darin, Geduld gepaart mit maximaler Abschreckung walten zu lassen. Länder mit ähnlichen Wertevorstellungen müssen in seinen Augen zusammenstehen, und Australien habe hier mit dem Quad – einer Kooperation zwischen Australien, Indien, den USA und Japan – sowie dem Aukus-Deal mit Großbritannien und den USA bereits eine Vorreiterrolle übernommen.

Lektion der militärischen Geduld

Für Taiwan könnte der Krieg in der Ukraine zumindest ein kurzzeitiges Aufatmen bedeuten, glaubt Wen-Ti Sung. Denn die Lektion, die China aus der Krise seiner Meinung nach mitnimmt, ist, „mehr militärische Geduld“ zu haben. Denn wenn ein „Blitzkrieg“ selbst bei zwei Landmächten nicht funktioniere, so sei ein rascher Sieg in Bezug auf die geografische Lage Taiwans, das eine Insel ist, nochmals schwieriger.

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Doch obwohl derzeit das Wort „Stabilität“ in China groß geschrieben wird, so hängt ein Datum wie ein Damoklesschwert über Taiwan, wie der Experte Sung weiß. Dies ist Xis „Traum“ von einer „großen Wiedergeburt der chinesischen Nation“ bis 2049, dem 100. Geburtstag der Volksrepublik. Um Übergriffe autoritärer Staaten auf andere Länder in Zukunft zu verhindern, müsse der Westen seine militärischen Kapazitäten aufstocken, glaubt White. Das sei „hart, gefährlich und teuer“ und in gewisser Weise „wieder ein Kalter Krieg“.

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